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Film "Auf den Spuren von Martha Muchow"

Film "Auf den Spuren von Martha Muchow"

Dokumentarfilm von Günter Mey und Günter Wallbrecht


„Man muss, um sich mit dem Kinde verständigen zu können,
nicht nur wissen, wie das Kind in der Welt lebt, sondern man
muss auch wissen, in welcher Welt es lebt.” (Muchow 1932)


Der Film zeichnet den Forschungsansatz von Martha Muchow nach, die in den 1920/30er Jahren am Hamburger Psychologischen Institut gearbeitet und Kinder im Arbeiterbezirk Barmbek an verschiedenen Orten beobachtet hat. Die Veröffentlichung der Ergebnisse zu "Der Lebensraum des Großstadtkindes" hat Martha Muchow nicht mehr erlebt, da sie 1933 angesichts der Repressalien durch das Nazi-Regime Suizid beging.

Anhand von Interviews mit Expertinnen und Experten der Sozial- und Geschichtswissenschaft wird nicht nur die Forschungsarbeit, die heute als "Klassiker der Kindheitswissenschaften" gilt, gewürdigt, sondern auch der Blick auf die Zeit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten gerichtet, die das damalige Psychologische Institut "zerschlugen".  - Gerahmt werden die Gespräche durch Filmaufnahmen in Hamburg-Barmbek, historisches Material und inszenierte Szenen der damaligen Studie.

Am 17.10.2014 fand im Hamburger Abaton-Kino die Premiere statt, danach folgten weitere Kino-Aufführungen und Präsentationen auf wissenschaftlichen Kongressen in Deutschand, Österreich und Dänemark.

Der Film ist 2016 als DVD (46 min., mit englischen Untertiteln und 37min. Bonusmaterial) im Pabst-Verlag erschienen (ISBN 978-3-95853-157-4; 20 EUR). Bestellung per Formular oder per E-Mail: pabst@pabst-publishers.com möglich.

"„Auf den Spuren von Martha Muchow“ ist eine Filmproduktion, die mit erkennbarer Begeisterung für die Sache gestaltet wurde. Die Darstellung ist ausgewogen, eröffnet neue Aspekte der klassischen Lebensraumstudie von Muchow; in jedem Fall ist sie sehenswert und für Lehrzwecke in Erziehungs-, Sozial- und Geschichtswissenschaften geeignet." 
(Helmut E. Lück; Rezension socialnet, 3.8.2016)
"Auf je eigene Weise handelt es sich bei Film [Auf den Spuren von Martha Muchow] und Herausgeberband [The Life Space of the Urban Child. Perspectives on Martha Muchow's Classic Study] um gelungene Würdigungen der Barmbeker Studie und ihrer Autorin. Der Film lässt die schriftlichen Darstellungen äußerst lebendig und anschaulich werden und regt dazu an, sich näher mit dem Werk von Martha Muchow zu befassen – und eignet sich hervorragend für die Lehre in der (Entwicklungs-)Psychologie, Erziehungswissenschaft und Kindheitssoziologie."
(Manfred Liebel, DISKURS Kindheits- und Jugendforschung 4/2016, S.517)

"Der vorliegende Film arbeitet mit sämtlich bekannten Inszenierungsformen, die dem dokumentarischen Film heutzutage zur Verfügung stehen [...]. Diese unterschiedlichen Bild- und Tonmaterialien werden so am Leben und Werk Martha Muchows ausgerichtet und zusammengeschnitten, dass die unterschiedlichen Materialien scheinbar wechselseitig miteinander 'ins Gespräch' kommen. [...] Der Film ist informativ und beleuchtet sämtliche Aspekte des Lebens und Werks einer bedeutenden, durch die Umstände der Zeit jedoch tragisch in Vergessenheit geratenen Kindheitsforscherin."
(Carsten Heinze, Zeitschrift für Qualitative Forschung, 18(1), S.162, 164)
"Günter Mey und Günter Wallbrecht ist gelungen, interessante Einblicke in die Forschungsmethoden Martha Muchows zu geben und die Lebensraumstudie auch für Studierende zugänglich zu machen. Der Wechsel zwischen historischen und gegenwärtigen Fragen der Kindheitsforschung, aber auch die Darstellung und Diskussion empirischer Forschungsmethoden regt dazu an, sich intensiv mit dem Leben und Werk Martha Muchows […] zu beschäftigen. Gleichzeitig ermutigt der Film, sich selbst mit eigenen Forschungsfragen in die Welt des Kindes zu begeben und zu dem Versuch weitere Fragen über empirische Forschungsmethoden zu beantworten: Ein gelungener und sehenswerter Film, der in jedes sozial- und kindheitspädagogische Studium gehört.
(Diana Franke-Meyer, Zeitschrift für Sozialpädagogik 2/2018, S. 210)
"Eine soziologische Geschichte filmisch zu erzählen bedeutet vornehmlich, filmsprachliche, dramaturgische Mittel zu finden, um die Geschichte zu visualisieren. MEY und WALLBRECHT haben sich neben den Talking Heads und geschickt eingesetztem historischen Material auch für ein schauspielerisches Element entschieden. Damit gehen sie entschieden eigene Wege. [...] Berührend sind die Lesungen der Schauspielerin in der Rolle von Martha MUCHOW, etwa wenn sie über die Liebe des Kindes zu seinem Stadtteil erzählt. Plastisch, fast literarisch, wird man in die Stadt der 1930er-Jahre in Deutschland mitgenommen und erhält in dieser visuellen Ästhetisierung ein dichtes Bild.[...] MEY und WALLBRECHT haben diesen poetischen Sprachstil MUCHOWs ins Visuelle übersetzt. Man könnte es alltagssprachlich vielleicht so formulieren: Die Poesie MUCHOWs wird auch filmisch wiedergegeben. Dieser Eindruck ist Ergebnis einer starken Regieleistung der zwei Filmemacher. [...] Gerade weil es so wenig Vorbilder für den sozialwissenschaftlichen Film gibt, ist jedes einzelne Werk – und somit auch diese Arbeit – eine Pionierleistung, die für kommende sozialwissenschaftliche Filmemacher/innen Blickwinkel (im wahrsten Sinne des Wortes) eröffnet."
(Katharina Miko-Schefzig, Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 20(3), Art 30)

Der Film ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hochschule Magdeburg-Stendal, dem Institut für Qualitative Forschung/Internationale Akademie Berlin und ww-media Hamburg. Gefördert wurde der Film von der Martha-Muchow-Stiftung, der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung, dem Kompetenzzentrum Frühe Bildung der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Sparda-Bank Hamburg.