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<title>Postpartale Depressionen &#150; Methode</title>
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<table border="0" summary="qrn-Publishing" cellpadding="5" cellspacing="3" width="90%">
<tr>

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<tr>
<td width="100%"></td>
</tr>


<tr><td width="100%"><img border="0" ALT="FG" src="3-525-46177-1k.gif" width="130" height="92"></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit"><a href="http://www.qualitative-forschung.de/publishing/modelle/index.php" target="_blank">qualitative-research.net</a></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="index.htm">Home</a></b></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="pd-definition.htm">Definition</a></b></p></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="pd-buch.htm">Zum Buch</a></b></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<A HREF="pd-k1.htm">Inhalt</A></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="abbco">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Methode</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="pd-k42.htm">Komparation</a></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<A HREF="pd-lit.htm">Literatur</A></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="pd-anh.htm">Anhang</a></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="pd-links.htm">Links</a></b></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="pd-news.htm">News</a></b></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="pd-autor.htm">Zur Autorin</a></b></p></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
</table></td>

<td valign="top">
<p class="fqscoanf">Postpartale Depressionen</p>
<p class="fqsco">Methode</p>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td width="100%">
   
<p class="lit">In diesem Kapitel wird die Wahl der methodischen Herangehensweise in meiner Untersuchung begr&uuml;ndet und deren Durchf&uuml;hrung beschrieben.</P>
</td></tr></table>
 
<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td valign="top" width="5%">
<h5><a name="g31">1.</a></h5>
</td>
<td valign="top" width="95%">
<h5>Begr&uuml;ndung der qualitativen Herangehensweise</h5>
</td>
</tr>
</table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td valign="bottom" width="40%" align="left"></td>
<td valign="bottom" width="60%" align="left">
<p class="abst11anf">&quot;... many scientifically trained researchers are unaware of <BR>
qualitative methods and some even take pride in their ignorance&quot;</p>
<p class="abst11anf">(Black, 1994, zitiert nach Buston et al., 1998, S.197)</p>
<p class="fqs">&nbsp;</p>
</td>
</tr>
</table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td width="100%">
   
<p class="lit">Im British Journal of Psychiatry w&uuml;rdigen Buston, Parry-Jones, Livingston, Bogan und Wood  (1998) die Bedeutung qualitativer Forschung: Sie betonen, dass quantitative und qualitative Forschung als verschiedenartige, jedoch gleichwertige Strategien anzusehen sind, anhand deren unterschiedliche Einsichten und Informationen gewonnen werden k&ouml;nnen. W&auml;hrend sich quantitative Forschung eher den Fragen &quot;wie oft&quot; oder &quot;wie viele&quot; widmet, versucht qualitative Forschung die Fragen &quot;was&quot;, &quot;warum&quot; und &quot;wie&quot; zu beantworten.</P>

<p class="lit">Als Hauptcharakterzug einer qualitativen Herangehensweise sehen die Autoren ein durch dieses Vorgehen erm&ouml;glichtes Verst&auml;ndnis des Forschers f&uuml;r die Bedeutung des zu erforschenden Ph&auml;nomens aus der Sicht der Betroffenen an. So haben Befragte im Rahmen eines Interviews die M&ouml;glichkeit, den Forschungsprozess in seiner Richtung zu beeinflussen. Weiterhin sollen Theorien aus den Daten abgeleitet werden; es geht nicht darum, bereits vorhandenes Wissen abzusichern, sondern neue Einblicke in Entstehungszusammenh&auml;nge zu erm&ouml;glichen. Somit sind qualitative Verfahren insbesondere dann von Nutzen, wenn komplexe Situationen studiert werden sollen, wobei relevante Variablen nicht sofort offensichtlich erscheinen. Die &quot;holistische Natur&quot; (Buston et al., 1998, S.197) qualitativer Forschung erlaubt es, die Komplexit&auml;t einer Situation zu erhalten und verst&auml;ndlich zu machen, anstatt einen reduktionistischen Blick darauf zu werfen, damit Variablen messbar werden.</p>
<p class="lit">Diese Charakterz&uuml;ge lassen qualitative Verfahren besonders angezeigt erscheinen, wenn es darum geht, psychische St&ouml;rungen zu erforschen.</p>
<p class="lit">W&auml;hrend quantitative Forschungsmethoden anhand der Kriterien <I>Validit&auml;t, Reliabilit&auml;t, Repr&auml;sentativit&auml;t und Generalisierbarkeit </I>beurteilt werden, schlagen Buston et al. <I>Glaubw&uuml;rdigkeit, Verl&auml;sslichkeit, die M&ouml;glichkeit der Best&auml;tigung</I> (&quot;confirmability&quot;, Buston et al., 1998, S.198)<I> und &Uuml;bertragbarkeit </I>(&quot;transferability&quot;, ebd.) als Evaluationskriterien f&uuml;r qualitative Studien vor.</p>
<p class="lit">Der Generalisierbarkeit quantitativ gewonnener Daten steht die <I>&Uuml;bertragbarkeit </I>qualitativer Forschungsergebnisse gegen&uuml;ber. Um &Uuml;bertragbarkeit zu erm&ouml;glichen, ist eine exakte Beschreibung der Untersuchungsgruppe und der Ergebnisse unumg&auml;nglich.</p>
<p class="lit">Dem Kriterium der Reliabilit&auml;t steht das der <I>Verl&auml;sslichkeit </I>gegen&uuml;ber; damit ist gemeint, dass der Forschungsprozess so weit offengelegt werden sollte, dass eine Replikation der Untersuchung m&ouml;glich ist. Mit der <I>M&ouml;glichkeit der Best&auml;tigung</I> wird die Nachvollziehbarkeit der Schlussfolgerungen des Forschers f&uuml;r den Leser bezeichnet, wobei alternative Schlussfolgerungen ber&uuml;cksichtigt werden sollten. <I>Glaubw&uuml;rdigkeit </I>schlie&szlig;lich bezieht sich auf die interne Validit&auml;t einer Studie: &quot;In short, do the findings make sense?&quot; (Buston et al., 1998, S.198).</p>
<p class="lit">Die Autoren kommen zu dem Schluss:</p>
<blockquote>
<p class="abst11anf">&quot;The tenets of good, scientific research dictate that it is rigorous und systematic, generating greater knowledge on a topic. Without doubt, good qualitative research is as effective in achieving this aim as is good quantitative research.&quot; (Buston et al., 1998, S.199)   </p>
</blockquote>
<p class="lit">Qualitative Forschung erlaubt eher als quantitative  Herangehensweisen den Blick auf das &quot;ganze Bild&quot; (Buston et al., 1998); und das Ganze ist, wie Gestaltpsychologen feststellen, mehr als die Summe seiner Teile.</p>
<p class="lit">Sowohl Stoppard und McMullen (1999) als auch Stoppard (1999) betonen die Notwendigkeit qualitativer Erhebungen, um zu einem besseren Verst&auml;ndnis depressiver St&ouml;rungen zu gelangen und um den Umstand, dass Frauen doppelt so h&auml;ufig von der Erkrankung betroffen sind wie M&auml;nner, n&auml;her beleuchten zu k&ouml;nnen. Die reduktionistische Sichtweise quantitativer Methoden erscheint wenig geeignet, das pers&ouml;nliche Erleben betroffener Frauen in ihrem soziokulturellen Kontext deutlich und verst&auml;ndlich werden zu lassen.</p>
</td></tr></table>
 
<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td valign="top" width="5%">
<h5><a name="g32">2.</a></h5>
</td>
<td valign="top" width="95%">
<h5>Komparative Kasuistik</h5>
</td>
</tr>
</table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td width="100%">
<p class="lit">Dieses von J&uuml;ttemann erstmals 1981 vorgestellte qualitative Verfahren versteht sich als</p>
<blockquote>
<p class="abst11anf">&quot;Konzept eines systematischen Vergleichs &auml;hnlich gelagerter Einzelf&auml;lle zum Zwecke einer Erforschung des Entstehungszusammenhangs von psychischen oder psychisch relevanten [wie z.B. psychosomatischen] Effekten, Ph&auml;nomenen, Zustandsbildern o.dgl.&quot; (J&uuml;ttemann, 1990, S.1),</p>
</blockquote>

<p class="lit">womit es f&uuml;r die Fragestellung meiner Arbeit besonders geeignet erscheint. Das erkl&auml;rte Ziel des Erkenntnisgewinns ist vom Ziel der Erkenntnissicherung des in der experimentellen Forschung g&auml;ngigen, hypothetiko-deduktiven Modells abzugrenzen. Der Beitrag der Komparativen Kasuistik zur &auml;tiologischen Forschung besteht darin, &quot;im Zuge einer zunehmend differenzierter werdenden Betrachtungsweise f&uuml;r spezifische Ph&auml;nomene spezifische &Auml;tiologietheorien zu entwickeln&quot; (J&uuml;ttemann, 1984, S.59). </p>
<p class="lit">Dem systematischen Vergleich liegen bei dem Verfahren der Komparativen Kasuistik detaillierte Einzelfalldarstellungen zugrunde. Zuvor wird das zu untersuchende Ph&auml;nomen eingegrenzt und das Unterscheidungskriterium der Untersuchungsgruppen festgelegt. Um die Vergleichbarkeit der F&auml;lle zu erh&ouml;hen, werden sogenannte Homogenit&auml;tskriterien bestimmt, die von allen Untersuchungsteilnehmern zu erf&uuml;llen sind.</p>
<p class="lit">Das Verfahren erfolgt nach einem achtphasigen Modell (J&uuml;ttemann, 1981, S.33-40), wobei im Idealfall diese Phasen mehrmals wiederholt werden, was im Rahmen einer Diplomarbeit jedoch nicht m&ouml;glich ist. Die Phasen werden im folgenden genannt und die Realisierung innerhalb dieser Arbeit beschrieben:</p>
<OL>
<li class="lit"><p class="lit">Entscheidung &uuml;ber das Design</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Ph&auml;nomenanalyse, Auswahl der Fragestellungen, Definition der Homogenit&auml;tskriterien</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Zusammenstellung von m&ouml;glicherweise relevanten Hypothesen und Bereichen</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Pr&auml;zisierung des Designs und organisationstechnische Vorarbeiten</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Vorbereitung der Datenerhebung und Datenaufbereitung</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Datenerhebung</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Durchf&uuml;hrung der einzelfallanalytischen Auswertung</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Komparation und Bearbeitung</p>
</OL>
<p class="lit">Als Forschungsdesign wurde eine qualitative Herangehensweise in Form eines halbstrukturierten Interviews gew&auml;hlt. Der dritte Arbeitsschritt sowie die Ph&auml;nomenanalyse und Auswahl der Fragestellungen wurden im Kapitel 2.4 der Diplomarbeit bereits dargelegt. F&uuml;r die online Version werden sie hier noch einmal aufgef&uuml;hrt, damit der Leser nicht erst den entsprechenden Abschnitt des Buches heranziehen muss. </p>
<p class="lit">Als Untersuchungsgegenstand meiner Arbeit wurde das <I>Erleben der Mutterschaft postpartal depressiver und nichtdepressiver M&uuml;tter </I>festgelegt. Die Weite und Offenheit der Fragestellung erm&ouml;glicht den Zugang zu von den Frauen gew&auml;hlten, relevanten Themen, die sonst m&ouml;glicherweise nicht zur Sprache kommen w&uuml;rden. Eine Konkretisierung ergibt sich unter Ber&uuml;cksichtigung folgender Vorannahmen, die sich im Interviewleitfaden (siehe Anhang) widerspiegeln: </p>
<OL>
<li class="lit"><p class="lit">Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind als Zeiten massiver Ver&auml;nderungen anzusehen, die Frauen hohe Anpassungsleistungen abverlangen.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Die Geburt verdient als psychisch und physisch belastendes Ereignis besondere Beachtung: dabei ist vor allem das Geburtserleben und weniger die Geburtsform von Interesse.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Erwartungen, die eine Frau im Hinblick auf die Geburt und auf das Leben mit einem Baby hegt, sind von gro&szlig;er Bedeutung f&uuml;r die Anpassung an die genannten Ereignisse.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Durch die Mutterschaft &auml;ndern sich die n&auml;chsten Beziehungen, wobei neben der Partnerschaft der Beziehung der Frau zu ihrer Mutter im Sinne einer psychodynamisch orientierten Betrachtungsweise des Ph&auml;nomens PPD besondere Bedeutung zukommt.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Bei der Anpassung an das Leben mit einem Baby spielen Unterst&uuml;tzungsm&ouml;glichkeiten durch das soziale Netz eine bedeutende Rolle: dabei ist zu ber&uuml;cksichtigen, wie leicht oder schwer es einer Frau f&auml;llt, Hilfe in Anspruch zu nehmen.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Das Erleben des Babys &#150; z.B. seines Temperaments &#150; ist von gro&szlig;er Bedeutung f&uuml;r die postpartale Befindlichkeit der Frau.</p>
</OL>
<p class="lit">Durch die Mutterschaft werden unter Umst&auml;nden eigene Kindheitserfahrungen wiederbelebt: die Geburt eines Kindes kann als Reinszenierung fr&uuml;her Erfahrungen betrachtet werden.</p>
<p class="lit">Die Formulierung der genannten Vorannahmen erfolgte analog dem von Witzel (1985) vorgeschlagenen Vorgehen (vgl. 1.3)  auf dem Hintergrund der zum Thema vorliegenden Literatur.</p>
<p class="lit">Unter Ber&uuml;cksichtigung der Vorannahmen war das Ziel der Untersuchung, das Erleben der Mutterschaft postpartal depressiver und nichtdepressiver Frauen in ph&auml;nomenologischem Sinne zu erforschen und zu vergleichen. Die detaillierten Einzelfalluntersuchungen sollen ein tieferes Verst&auml;ndnis der Erfahrungen Mutterschaft und postpartaler Depressionen erm&ouml;glichen; eine unverzichtbare Voraussetzung f&uuml;r eine erfolgreiche Behandlung des St&ouml;rungsbildes.</p>
<p class="lit">Die zum Thema postpartale Depression vorliegenden Studien sind zumeist quantitativ; bei den vorliegenden qualitativen Studien kamen systematisch vergleichende Strategien wie die Komparative Kasuistik nach meinem Kenntnisstand bisher noch nicht zur Anwendung.</p>
<p class="lit">Unter Ber&uuml;cksichtigung der zum Thema vorliegenden Literatur wurden folgende Homogenit&auml;tsktiterien festgelegt:</p>
<blockquote>
<p class="lit">Alter zwischen 25 und 35 Jahren, Leben in einer stabilen Partnerschaft (keine alleinerziehenden M&uuml;tter), Geburt des ersten Kindes, welches gesund sein sollte, keine Zwillinge, Alter des Kindes bis zu einem Jahr, keine der Schwangerschaft vorausgegangenen psychischen Erkrankungen, in die Gruppe der depressiven M&uuml;tter sollen nur Frauen mit &auml;rztlicher Diagnose &quot;Depression&quot; aufgenommen werden.</p>
</blockquote>
<p class="lit">Die Altersgrenze und die Beschr&auml;nkung auf Erstgeb&auml;rende erfolgten unter Ber&uuml;cksichtigung der entwicklungspsychologischen Perspektive dieser Arbeit: die Geburt des <I>ersten </I>Kindes stellt eine besondere Entwicklungsaufgabe dar. Die Erfahrung der Mutterschaft ist beim ersten Kind eine noch unbekannte Herausforderung, wobei das m&uuml;tterliche Alter von Bedeutung ist. Adoleszente M&uuml;tter stehen z.B. besonderen Problemen gegen&uuml;ber, die das Erleben der neuen Rolle sicherlich nachhaltig beeinflussen und ihre Situation mit derjenigen &auml;lterer Frauen wenig vergleichbar erscheinen lassen.</p>
<p class="lit">Eine schwere Erkrankung oder Behinderung des Kindes wird als Belastungsfaktor angesehen, der die Lebenssituation der betroffenen M&uuml;tter von der Situation der M&uuml;tter gesunder Kinder nachhaltig unterscheidet. Die Mutterschaft stellt sich f&uuml;r Zwillingsm&uuml;tter anders dar als f&uuml;r M&uuml;tter von Einlingen.</p>
<p class="lit">Die Begrenzung des Kindesalters ist in den unterschiedlichen Anforderungen durch die Betreuung eines S&auml;uglings im Vergleich etwa zum Kindergarten- oder Schulkind begr&uuml;ndet, zudem wird damit gew&auml;hrleistet, dass die Erfahrung der postpartalen Depression noch relativ nah ist: Soweit f&uuml;r die Betroffenen zumutbar, ist es aus ph&auml;nomenologischer Sicht g&uuml;nstig, das Interview w&auml;hrend der Zeit der Erkrankung zu f&uuml;hren.</p>
<p class="lit">In die Gruppe der depressiven M&uuml;tter nur Frauen mit einer &auml;rztlichen Diagnose &quot;Depression&quot; aufzunehmen ist sicherlich ein strenges Kriterium, zumal Whiffen (1992) in ihrer Metastudie zur postpartalen Depression zu dem Ergebnis kommt, dass unter den betroffenen Frauen h&auml;ufig solche mit einer<I> leichteren</I> Depression zu finden sind, die oft gar nicht zum Arzt oder Psychologen gehen. Es ist jedoch das Anliegen dieser Arbeit, nicht Frauen mit leichten und m&ouml;glicherweise ohne Interventionen schnell vor&uuml;bergehenden depressiven Symptomen, sondern solche, die unter einer <I>Depression mit Krankheitswert</I> leiden, zu befragen. Die Grenze ist sicherlich nicht immer leicht zu ziehen. Dar&uuml;ber hinaus h&auml;tte es einen hohen - bzw. noch h&ouml;heren - Aufwand erfordert, auf eine &auml;rztliche Diagnose zu verzichten und etwa in einer gro&szlig;angelegten Befragung selbst depressive M&uuml;tter ausfindig zu machen.</p>
<p class="lit">Durch die Ber&uuml;cksichtigung des Homogenit&auml;tskriteriums &quot;&auml;rztliche Diagnose 'Depression'&quot; sind in dieser Arbeit Frauen mit einer eher leichten (Swantje), einer mittelschweren bis schweren (Inga) und einer schweren (Karin) depressiven Episode befragt worden. Dabei ist zu bedenken, dass die Einteilung depressiver St&ouml;rungsbilder im ICD-10/ DSM-IV nach den Kategorien Symptomatologie, Schweregrad, Krankheitsdauer und R&uuml;ckfallrisiko erfolgt und es gerade<I> nicht</I> als m&ouml;glich erachtet wird, auf dem Hintergrund spezifischer &Auml;tiologien und Pathophysiologien nosologische Entit&auml;ten zu unterscheiden. Insofern erscheint es wenig wahrscheinlich, dass aus der Befragung &uuml;berwiegend schwer depressiv erkrankter Frauen wenig oder gar kein Erkenntnisgewinn zu ziehen w&auml;re, der dem Verst&auml;ndnis<I> leichterer</I> Auspr&auml;gungen einer postpartal auftretenden depressiven St&ouml;rung dienlich sein k&ouml;nnte.</p>
<p class="lit">Die im Phasenmodell der Komparativen Kasuistik vorgesehenen Arbeitsschritte 4.-8. werden in den nun folgenden Teilkapiteln dargestellt.</p>
</td></tr></table>
 
<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td valign="top" width="5%">
<h5><a name="g33">3.</a></h5>
</td>
<td valign="top" width="95%">
<h5>Interviewgestaltung</h5>
</td>
</tr>
</table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td width="100%">
<p class="lit">Die Interviewgestaltung orientiert sich am problemzentrierten Interview nach Witzel (1985) und an einem Artikel von Dana C. Jack (1999): &quot;Ways of Listening to Depressed Women in Qualitative Research: Interview Techniques and Analyses&quot;, erschienen in: Canadian Psychology (1999, 40:2).</p>

<p class="lit">Bei seiner Darstellung des problemzentrierten Interviews betont Witzel das &quot;<I>Prinzip der Offenheit </I>der Methode&quot; (1985, S.228, Hervorhebung v. Verf.), welches darin begr&uuml;ndet liegt, dass die Daten f&uuml;r sich selbst sprechen und nicht durch eine explizite Hypothesenbildung ex ante begrenzt werden sollen. Der Fokus liegt auf dem Erleben der Betroffenen; anhand einer Schilderung ihrer &quot;komplexen Alltagswelt&quot; (ebd.) er&ouml;ffnen sich dem Forscher neue M&ouml;glichkeiten der Theoriegewinnung.</p>
<p class="lit">Weiterhin liegt die St&auml;rke des geschilderten Verfahrens in dessen &quot;kommunikativen Charakter&quot; (Witzel, 1885, S.229): bei der Datengewinnung wird auf die Neutralit&auml;t des Forschers verzichtet, es wird vielmehr Wert auf eine Zusammenarbeit zwischen Interviewer und Befragtem bei der Erkundung der pers&ouml;nlichen Erlebenswelt gelegt. Dabei ist der kontextuelle Rahmen der Datenerhebung zu ber&uuml;cksichtigen.  </p>
<p class="lit">Das problemzentrierte Interview zeichnet sich durch drei zentrale Kriterien aus (Witzel, 1985, S.230-235):  <I>Problemzentrierung</I>, <I>Gegenstandsorientierung </I>und <I> Prozessorientierung</I>.</p>
<p class="lit">Bei der Problemzentrierung geht es um die Wahl einer gesellschaftlich relevanten Problemstellung durch den Forscher, der seinen Wissenshintergrund systematisieren und offen legen sollte. Das Kriterium der Gegenstandsorientierung bedeutet, dass die Auswahl der Methode vom Forschungsgegenstand abh&auml;ngig gemacht wird, und nicht umgekehrt: &quot;die Gegenposition normativ-deduktiver Provenienz kann man mit dem Begriff 'instrumentorientiert' kennzeichnen&quot; (Witzel, 1985, S.232).</p>
<p class="lit">Der Begriff der Prozessorientierung beinhaltet eine Theoriebildung aufgrund eines schrittweise anwachsenden Verst&auml;ndnisses durch wiederholte Bearbeitung der Daten in Abgrenzung zur Verifikation bereits vor der Erhebung konstruierter Theorien. </p>
<p class="lit">Die Durchf&uuml;hrung des Verfahrens beinhaltet folgende Arbeitsschritte: Erstellung eines <I>Kurzfragebogens </I>(bzw. Dokumentationsbogens), der relevante demographische Daten abfragt, sowie eines <I>Interviewleitfadens, </I>der eine Organisation des Hintergrundwissens des Forschers darstellt. Dieser Leitfaden sollte das Gespr&auml;ch jedoch nicht dominieren oder einengen: der Interviewer sollte sich vielmehr dem <I>Befragten </I>anpassen und spontane Zusatzfragen stellen, um relevante Aspekte vertiefen zu k&ouml;nnen. Um aus dem Interview kein &quot;Frage-Antwort-Spiel&quot; (Witzel, 1985, S.245) zu machen, sollte eine narrative Gespr&auml;chsstruktur aufgebaut werden, wobei der Einstiegsfrage gro&szlig;e Bedeutung zukommt: sie sollte relativ allgemein gehalten sein, damit der Befragte seine Antwort &quot;erz&auml;hlerisch ausgestalten&quot; (Witzel, 1985, S.245) kann. Eine fr&uuml;hzeitige Fokussierung auf einen bestimmten Problemaspekt ist zu vermeiden.</p>
<p class="lit">Nach dem Interview wird ein sogenanntes &quot;Postskriptum&quot; (Witzel, 1985, S.238) oder auch Kontextprotokoll erstellt, das die Eindr&uuml;cke des Interviewers zum eigenen Kommunikationsverhalten und zu dem des Befragten sowie &auml;u&szlig;ere Einfl&uuml;sse auf den Gespr&auml;chsverlauf etc. festh&auml;lt. Das auf ein Tonband aufgezeichnete Gespr&auml;ch wird anschlie&szlig;end abgeh&ouml;rt und transkribiert.</p>
<p class="lit">Das von Jack (1999) vorgeschlagene Verfahren, welches in &Uuml;bereinstimmung mit  Witzel (1985) die pers&ouml;nliche Lebenswelt der Befragten ins Zentrum des Interesses r&uuml;ckt, bezieht sich sowohl auf die Interviewtechnik als auch auf die Datenauswertung. Die Autorin legt besonderen Wert auf die aktive Rolle des Forschers beim Erkundungsprozess dieser Lebenswelt und schl&auml;gt sechs verschiedene, einander erg&auml;nzende Arten des Zuh&ouml;rens (&quot;Ways of Listening&quot;, Jack, 1999, S.91-101) vor, die &uuml;ber die Interviewsituation hinaus auch bei der Datenauswertung eine wichtige Rolle spielen:</p>
<blockquote>
<p class="lit">&quot;open listening&quot;, &quot;focused awareness&quot;, &quot;attending to meta-statements&quot;,  &quot;attending to moral language&quot;, &quot;attending to inner dialogues&quot; und &quot;attending to the logic of the narrative&quot;.</p>
</blockquote>
<p class="lit">&quot;Open listening&quot; meint eine Aufmerksamkeit, die die Interviewsituation einbezieht und auf das Miteinander zwischen Interviewer und Befragtem achtet. Sowohl verbale als auch nonverbale Signale, wie z.B. feucht werdende Augen oder eine leiser werdende Stimme der Befragten, aber auch k&ouml;rperliche Signale des Interviewers (etwa ein Druckgef&uuml;hl auf der Brust oder Schauer, die &uuml;ber den R&uuml;cken laufen etc.) werden hierbei ber&uuml;cksichtigt.</p>
<p class="lit">Im Verlauf des Gespr&auml;chs so nah wie m&ouml;glich an den Worten der Erz&auml;hlerin zu bleiben ist Ziel der &quot;focused awareness&quot;; dabei sollte die Befragte immer wieder gebeten werden, Schl&uuml;sselbegriffe oder -s&auml;tze zu erl&auml;utern, deren Bedeutung nicht als selbstverst&auml;ndlich angesehen werden darf.</p>
<p class="lit">Als &quot;meta-statement&quot; bezeichnet Jack selbstreflexive Aussagen der Befragten wie z.B.: &quot;Ich wei&szlig;, das h&ouml;rt sich irgendwie widerspr&uuml;chlich an&quot; (Jack, 1999, S.93, meine &Uuml;bersetzung). Durch die Ber&uuml;cksichtigung der &quot;meta-statements&quot; soll ein Zugang zu der vom Individuum wahrgenommenen Diskrepanz zwischen Selbst und sozialer Erw&uuml;nschtheit erm&ouml;glicht werden.</p>
<p class="lit">Beispiele f&uuml;r &quot;moral language&quot; sind S&auml;tze wie: &quot;'Ich bin einfach schrecklich',... 'Das h&auml;tte ich nie tun sollen', 'Ich bin unm&ouml;glich, wenn ich schreie', 'Ich bin wertlos'&quot; (Jack, 1999, S.95, meine &Uuml;bersetzung). Jack sieht diese Art der Selbstbewertung als ein wichtiges Beispiel zum Verst&auml;ndnis der Wechselwirkung zwischen Selbstkonzept und kulturellen Normen im Erleben depressiver Frauen.</p>
<p class="lit">Bei dem Bem&uuml;hen, den &quot;inneren Dialog&quot; einer Gespr&auml;chspartnerin nachzuvollziehen, geht es wiederum um die Selbstwahrnehmung der Frau, bzw. um jeweils <I>verschiedene Seiten ihres</I> <I>Selbst</I>, die sozusagen abwechselnd zu Wort kommen: sei es in geringsch&auml;tzigen Gedanken &uuml;ber die eigene Person oder aber auch in entlastenden Gedanken, wie etwa: &quot;Im Moment kann ich einfach nicht anders&quot; (frei nach Jack, 1999, S.97).</p>
<p class="lit">Die &quot;Logik der Erz&auml;hlung&quot; zu erfassen bedeutet schlie&szlig;lich, auf deren interne Konsistenz zu achten und Widerspr&uuml;che in Stellungnahmen &uuml;ber zentrale Themen wahrzunehmen. Auch die Art und Weise, in der zentrale Themen miteinander in Verbindung gebracht werden, ist von Bedeutung.</p>
<p class="lit">In Anlehnung an die vorgestellten Verfahrensweisen entwickelte ich den <a href="pd-anh2.htm">Interviewleitfaden</a> und den <a href="pd-anh1.htm">Dokumentationsbogen</a>; beide befinden sich im Anhang der Arbeit. Die theoretischen Grundlagen und Vorannahmen wurden in Kapitel 2 der Diplomarbeit dargelegt.</p>
<p class="lit">Die Entwicklung des Leitfadens gestaltete sich wie folgt: zun&auml;chst erstellte ich in einer Art &quot;brainstorming&quot; eine Themenliste, die relevante Aspekte hinsichtlich der Ph&auml;nomene Depression, postpartale Depression und Mutterschaft umfasste. Nach der Formulierung einer allzu gro&szlig;en Menge von Fragen wurde eine Auswahl getroffen, die sich grob folgenden Themenbereichen zuordnen l&auml;sst:</p>
<blockquote>
<p class="lit">das Leben als Mutter aktuell, das Leben vor der Schwangerschaft, Feststellung der Schwangerschaft, Erleben der Schwangerschaft, Geburtserleben und die erste Zeit nach der Geburt.</p>
</blockquote>
<p class="lit">Das aktuelle Leben bildet dabei den Rahmen: in einer narrativen Einstiegsfrage wurden die Interviewpartnerinnen gebeten, einen Tagesablauf mit ihrem Baby zu schildern, dann erfolgte der R&uuml;ckblick auf die Zeit vor der Schwangerschaft. Die anderen Bereiche wurden in chronologischer Reihenfolge angesprochen, so dass sich am Schluss durch eine intensivere Betrachtung des aktuellen Lebens der Kreis wieder schloss.</p>
<p class="lit">Bei der Formulierung der Fragen stand deren Offenheit im Vordergrund; sie sollen einen Erz&auml;hlansto&szlig; geben und nicht etwa suggestiv sein. Ein erster Entwurf des Leitfadens wurde mit Hilfe eines Probeinterviews &uuml;berpr&uuml;ft. Eine junge Mutter, die ich als Hebamme neun Monate zuvor w&auml;hrend der Schwangerschaft und im Wochenbett betreut hatte, erkl&auml;rte sich freundlicherweise dazu bereit. Da unser Verh&auml;ltnis sehr offen und vertrauensvoll war, konnte ich sicher sein, dass sie mir eine ehrliche R&uuml;ckmeldung &uuml;ber die Brauchbarkeit der Fragen gibt. Danach wurde der Leitfaden unter Ber&uuml;cksichtigung des Probeinterviews im entwicklungspsychologischen Diplomandencolloqium diskutiert, was die Grundlage der neuen, im Anhang befindlichen Fassung darstellt.</p>
<p class="lit">Die Frage: 7.14. <I>Wenn ich in einer Position w&auml;re, in der ich etwas f&uuml;r depressive M&uuml;tter tun</I> <I>k&ouml;nnte, was w&uuml;rden Sie sich dann von mir w&uuml;nschen?</I> entstand spontan bei meinem ersten Interview mit einer postpartal depressiven Frau (Karin) und wurde zus&auml;tzlich in den Leitfaden mit aufgenommen. Sie wurde nur den Frauen aus der thematischen Gruppe und nicht der Kontrollgruppe gestellt.</p>
<p class="lit">Im Rahmen des Dokumentationsbogens, der nicht nur demographische Daten abfragt, sondern zus&auml;tzlich eine Eigen- und Familienanamnese umfasst, wurde &uuml;berdies nach besonderen biographischen/famili&auml;ren Ereignissen gefragt: daher zog ich es vor, in Abweichung von Witzels (1985) Empfehlungen, den Dokumentationsbogen erst <I>nach Abschluss des Interviews</I> zu bearbeiten, um zu vermeiden, dass durch die Beantwortung der Fragen die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen (etwa Verlust/Trennung der Eltern o.&auml;.) gelenkt wird. Dies h&auml;tte m&ouml;glicherweise eine Verzerrung der Daten zur Folge gehabt.    </p>
<p class="lit">Das Arbeitsmaterial umfasst neben dem <a href="pd-anh2.htm">Interviewleitfaden</a> und dem <a href="pd-anh1.htm">Dokumentationsbogen</a> die <a href="pd-anh3.htm">Aufkl&auml;rung zum Datenschutz</a> und die <a href="pd-anh4.htm">Transkriptionsempfehlungen</a>, die sich ebenfalls im Anhang befinden.</p>
</td></tr></table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td valign="top" width="5%">
<h5><a name="g34">4.</a></h5>
</td>
<td valign="top" width="95%">
<h5>Gewinnung und Auswahl der Interviewpartnerinnen</h5>
</td>
</tr>
</table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td width="100%">
<p class="lit">Die Gruppe der nicht depressiven M&uuml;tter konnte ich trotz der eng gefassten Homogenit&auml;tskriterien durch die Unterst&uuml;tzung von Hebammen, welche die Frauen bei der Geburt und im Wochenbett, im Geburtsvorbereitungskurs bzw. im Rahmen der R&uuml;ckbildungsgymnastik betreuten, z&uuml;gig und unproblematisch erreichen; selbstverst&auml;ndlich befragte ich keine Frau, die ich als Hebamme betreut hatte oder bereits kannte, dies h&auml;tte die Erhebungssituation nachhaltig beeinflusst. Die Teilnehmerinnen beider Untersuchungsgruppen waren mir zuvor gleicherma&szlig;en unbekannt.</p>

<p class="lit">Die Suche nach Frauen, die an einer Depression nach der Geburt leiden und die vorgegebenen Kriterien erf&uuml;llen, gestaltete sich wie erwartet schwierig. Dabei kamen folgende Hilfsmittel zum Einsatz:  wiederholte Anzeigen im Berliner Stadtmagazin &quot;Zitty&quot;, eine Anzeige in der Deutschen Hebammen-Zeitschrift (2/2000), zahlreiche Briefe an die Selbsthilfegruppe Schatten &amp; Licht (Krise nach der Geburt e.V.), niedergelassene Psychiater, Psychologen und Gyn&auml;kologen, mehrere Geburtshilfliche Abteilungen und Geburtsh&auml;user in Berlin und Hamburg und an zwei Psychiatrische Abteilungen, die erkrankte M&uuml;tter mit ihren Kindern aufnehmen (Berlin, Hamburg). Einige Fachleute konnten mit Hilfe einer Expertenliste des Vereins Schatten &amp; Licht gezielt angesprochen werden, was die Suche erleichterte, ebenso der pers&ouml;nliche Kontakt zur &ouml;rtlichen Selbsthilfegruppe in Berlin.</p>
<p class="lit">Die betroffenen Frauen zeigten sich bei der telefonischen Kontaktaufnahme durchweg offen und gespr&auml;chsbereit; es gab keine Absagen nach erfolgter Terminabsprache, was mir angesichts der Belastungen durch die Erkrankung und die Betreuung eines S&auml;uglings bzw. Kleinkindes bemerkenswert erscheint. Als eine m&ouml;gliche Erkl&auml;rung sehe ich das h&auml;ufig ge&auml;u&szlig;erte Interesse der Frauen an der Erforschung postpartaler Depressionen an. </p>
<p class="lit">Neben einem Probeinterview zur &Uuml;berarbeitung des Leitfadens wurden zehn Frauen interviewt, davon bilden jeweils drei Frauen die Kontrollgruppe und die thematische Gruppe. Vier Interviews mit depressiven Frauen konnten wegen Verletzung zentraler Homogenit&auml;tskriterien keinen Eingang in die Untersuchung finden, sie werden jedoch im Diskussionsteil ber&uuml;cksichtigt.</p>
<p class="lit">Bei einer Frau konnte die Diagnose Depression im Sinne der ICD10 Kriterien nicht sicher nachvollzogen werden, bei drei Frauen zeigte sich im Verlauf des Gespr&auml;chs, dass bereits vor/w&auml;hrend der Schwangerschaft die Diagnose Depression gestellt worden war bzw. dass m&ouml;glicherweise zus&auml;tzlich zur PPD eine Pers&ouml;nlichkeitsst&ouml;rung vorlag. Das Homogenit&auml;tskriterium <I>keine psychiatrische Erkrankung in der Vorgeschichte  </I>ist jedoch f&uuml;r die Fragestellung der Arbeit zentral; so w&auml;re es problematisch, eine depressive Episode post partum, der bereits eine oder mehrere depressive Episoden  in der Vorschichte vorausgingen, nurmehr als &quot;postpartale Depression&quot; anzusehen.</p>
<p class="lit">Lediglich die Kriterien <I>Alter zwischen 25 und 35 Jahren </I>und <I>Alter des Kindes h&ouml;chstens ein  Jahr </I>mussten erweitert werden; das m&uuml;tterliche Alter reicht nun von 25-38 Jahren, das Alter des Kindes geht bis zu einem Jahr und f&uuml;nf Monaten.</p>
</td></tr></table>
 
<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td valign="top" width="5%">
<h5><a name="g35">5.</a></h5>
</td>
<td valign="top" width="95%">
<h5>Interviewdurchf&uuml;hrung</h5>
</td>
</tr>
</table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td width="100%">
<p class="lit">Bei der telefonischen Kontaktaufnahme schilderte ich den Frauen zun&auml;chst ausf&uuml;hrlich das Ziel meiner Diplomarbeit, die Art der Befragung sowie meinen Wunsch, das Gespr&auml;ch auf ein Tonband aufzunehmen, wobei die Datenschutzma&szlig;nahmen bereits zum ersten Mal angesprochen wurden. Mein Angebot, mich zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt erneut zu melden, um eine Bedenkzeit zu erm&ouml;glichen, wurde nicht in Anspruch genommen. Es kam bei allen Gespr&auml;chspartnerinnen bereits beim ersten Telefonat zu einer Terminabsprache.</p>

<p class="lit">Die sechs in der Untersuchung ber&uuml;cksichtigten Interviews fanden alle in der Wohnung der jeweils Befragten statt, was dem Wunsch der M&uuml;tter entsprach, mit ihrem Kind keine Wege zur&uuml;cklegen zu m&uuml;ssen. Ich hatte <I>vor </I>der Nennung dieser M&ouml;glichkeit andere in Frage kommende Orte (z.B. einen Seminarraum der TU Berlin) aufgez&auml;hlt, damit sich die Frauen nicht bedr&auml;ngt f&uuml;hlten. Eine Psychiaterin, die mich bei der Suche nach Interviewpartnerinnen unterst&uuml;tzt hat, gab zu Bedenken, dass es bei psychisch erkrankten Frauen u.U. zu einem Gef&uuml;hl der Bedrohung kommen k&ouml;nnte, wenn man sie in ihrer Wohnung aufsuchen m&ouml;chte.</p>
<p class="lit">Nach der Begr&uuml;&szlig;ung wurde mir meist Tee oder Kaffee angeboten und das Kind (sofern es nicht gerade schlief) vorgestellt: bei fast  allen Interviews waren die Kinder zumindest w&auml;hrend eines l&auml;ngeren Zeitraums beim Gespr&auml;ch anwesend; lediglich Annas vier Monate alte Tochter wurde vom Vater betreut und nur einmal kurz zum Stillen gebracht. Die Anwesenheit der vier bis siebzehn Monate alten Kinder brachte zwar z.T. Unruhe und Unterbrechungen des Gespr&auml;chs zur Beruhigung des Babys mit sich, wirkte sich jedoch nicht nachhaltig hemmend auf den Erz&auml;hlfluss aus. &Uuml;berdies er&ouml;ffnete sich mir so die M&ouml;glichkeit, die Mutter-Kind-Interaktion zu beobachten und meine Eindr&uuml;cke zusammen mit dem Kontextprotokoll schriftlich niederzulegen. Als Grundlage f&uuml;r die Interaktionsbeobachtungen dienten die Ausf&uuml;hrungen von Daniel Stern (1997), der die Mutter-Kind-Interaktion untersucht  und dabei die Einfl&uuml;sse des Mienenspiels, der Vokalisation, der ausl&ouml;senden Verhaltensweisen des Kindes, der Aufforderungen zur Interaktion (Initiation) und der Regulierung des Erregungsniveaus und des Verlaufs detailliert dargestellt hat. Als problematisch werden Verhaltensweisen seitens der Bezugspersonen bezeichnet, die die kindlichen Signale &uuml;bergehen und dabei z.B. das Erregungsniveau nicht ad&auml;quat einsch&auml;tzen, wodurch es zur &Uuml;ber- oder Unterstimulation kommt. Ein Kind ist auf die Erfahrung angewiesen, dass es mit seinem Verhalten die Umgebung im Sinne der eigenen Gef&uuml;hlslage beeinflussen kann. Der S&auml;ugling, der von einem unsensiblen, aufdringlichen Gegen&uuml;ber permanent &uuml;berstimuliert wird, hat keine andere M&ouml;glichkeit, als den Blick zu senken und den Kopf abzuwenden. Schlimmer ist laut Stern (1997) jedoch die Erfahrung, dass Bezugspersonen<I> &uuml;berhaupt nicht auf kindliche Signale reagieren</I>; die wichtige &Uuml;berzeugung, die Umgebung beeinflussen zu k&ouml;nnen, kann sich unter dieser Voraussetzung nicht entwickeln. </p>
<p class="lit">Sowohl die Kontextprotokolle als auch die Interaktionsbeschreibungen befinden sich zusammen mit den Interviewtranskripten im nicht &ouml;ffentlichen Teil meiner Arbeit.   </p>
<p class="lit">Beim Kaffeetrinken kam das Gespr&auml;ch meistens noch einmal auf Sinn und Ziel meiner Arbeit: Insbesondere die Frauen aus der <U>thematischen Gruppe</U> (im folgenden th.G.) zeigten sich erfreut &uuml;ber mein Interesse an postpartalen Depressionen. Dar&uuml;ber hinaus gab ich den Gespr&auml;chspartnerinnen die Gelegenheit,<I> mir</I> Fragen zu stellen, um einem allzu gro&szlig;en Ungleichgewicht in der Beziehung vorzubeugen. Es folgten die Aufkl&auml;rungen zur Anonymisierung und zum Datenschutz und der Aufbau des Tonbandger&auml;ts.</p>
<p class="lit">Die Gespr&auml;che verliefen zumeist fl&uuml;ssig und zum Teil auch sehr lebhaft, eine Kurzbeschreibung des jeweiligen situativen Kontextes befindet sich am Anfang jeder Einzelfalldarstellung. Zu Beginn des Interviews wies ich die Frauen darauf hin, dass es keine &quot;richtigen&quot; und &quot;falschen&quot; Antworten gibt, sondern dass ihr pers&ouml;nliches Erleben bedeutsam ist. Ich bat sie, mir R&uuml;ckmeldung &uuml;ber unklare Fragen zu geben, bzw. zu sagen, wenn sie eine Frage nicht beantworten m&ouml;chten oder eine Pause brauchen. Die Interviews dauerten zwischen einer und dreieinhalb Stunden, wobei die Gespr&auml;che mit den Frauen aus der <U>Kontrollgruppe</U> (im folgenden K.G.) und mit Swantje einen Termin in Anspruch nahmen, w&auml;hrend sich das Interview mit Inga &uuml;ber zwei und das mit Karin &uuml;ber drei Termine erstreckte. Zum dritten Termin mit Karin kam es aufgrund technischer Probleme: beim zweiten Treffen lief das Tonbandger&auml;t, nahm jedoch nicht auf. Nach Entdeckung des leeren Tonbandes hielt ich aus der Erinnerung wichtige Themen des Gespr&auml;chs schriftlich fest; diese Aufzeichnungen fanden ebenfalls Eingang in die Untersuchung. Freundlicherweise erkl&auml;rte sich Karin dazu bereit, das Gespr&auml;ch zu wiederholen. Die Fragen zum aktuellen Leben (Interviewleitfaden Fragen 7.1.-7.14.) wurden demnach zweimal beantwortet, was bei der Auswertung der Daten zu ber&uuml;cksichtigen ist.         </p>

<p class="lit"><a name="gan1">Nach</a> Abschluss des Interviews erfolgte die Anonymisierung, wobei die Frauen sich selbst die <a href="#an1">Codenamen</a> aussuchen konnten, und die Bearbeitung des Dokumentationsbogens. Anschlie&szlig;end ergab sich h&auml;ufig noch ein Gespr&auml;ch, bei dem es m&ouml;glich war, den Gespr&auml;chspartnerinnen unterst&uuml;tzende Tips zu geben, wie etwa einen Hinweis auf die Existenz der Selbsthilfegruppe Schatten &amp; Licht oder andere M&ouml;glichkeiten, h&auml;uslicher Isolierung vorzubeugen. Die Frauen zeigten sich durchweg interessiert an einer Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Arbeit. Hervorzuheben ist die gro&szlig;e, zuweilen ersch&uuml;tternde Offenheit aller Interviewpartnerinnen, die sich nicht scheuten, z.B. auch von &quot;negativen&quot; Gef&uuml;hlen ihrem Kind gegen&uuml;ber oder, im Fall einiger depressiver Frauen, von Suizidgedanken zu berichten. Insofern waren die Interviews f&uuml;r mich fesselnd und aufw&uuml;hlend.</p>
<p class="lit">Der Prozess der Datenerhebung erfasste neben der Interviewdurchf&uuml;hrung das Erstellen der Kontextprotokolle und der Interaktionsbeobachtungen und die Transkription der Interviews, die ich weitestgehend nach den Empfehlungen Legewies (2000, im Anhang) durchf&uuml;hrte. Eine Abwandlung dieser Empfehlungen ist der Verzicht auf den Sprecherwechsel bei z.B. von mir eingeworfenen &Auml;u&szlig;erungen wie &quot;hmm&quot; oder &quot;ja, klar&quot;. Ein Verzicht auf Sprecherwechsel ist bei Legewie nur f&uuml;r das Simultansprechen vorgesehen; die Einhaltung dieser Regel h&auml;tte die Transkripte allzusehr in die L&auml;nge gezogen, was in Anbetracht des Datenumfangs (Gesamtseitenzahl der Transkripte: 702) nicht w&uuml;nschenswert erschien. </p>

</td></tr></table>
 
<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td valign="top" width="5%">
<h5><a name="g36">6.</a></h5>
</td>
<td valign="top" width="95%">
<h5>Beschreibung des Vorgehens bei der Textauswertung</h5>
</td>
</tr>
</table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td width="100%">
<p class="lit">Die Textauswertung erfolgte in Anlehnung an das von Jack (1999) vorgeschlagene Verfahren, welches in  Abschnitt 3 beschrieben wurde, und an die Methode des &quot;Zirkul&auml;ren Dekonstruierens&quot; von Jaeggi, Faas &amp; Mruck (1998), die im folgenden kurz dargestellt wird.</p>

<p class="lit">Zur wichtigen Grundlage dieses Vorgehens geh&ouml;rt sozusagen ein Abschied vom Ideal der Objektivit&auml;t; bereits im Zuge der Transkription kommt es zur &quot;Verfremdung einer lebendigen Interaktion zu einem eher statischen Text, dessen Dynamik durch unterschiedliche Lesarten h&ouml;chst subjektiv wiederbelebt wird&quot; (Jaeggi et al. 1998, S.5). Gerade dieser Mangel an Objektivit&auml;t kann jedoch zu einem &quot;K&ouml;nigsweg&quot; (ebd.) zu m&ouml;glicherweise verborgenen Sinngehalten des Materials werden, wobei dieses &quot;in kreativen Gedankenschleifen intuitions- und theoriegeleitet&quot; (ebd.) bearbeitet wird. Dabei darf <I>bearbeiten </I>nicht mit<I> erschlie&szlig;en</I> verwechselt werden; die Autorinnen betonen, dass Komplexit&auml;t und Facettenreichtum des mit Hilfe eines qualitativen Interviews gewonnenen Materials dessen <I>vollst&auml;ndige</I> Auswertung unm&ouml;glich machen.</p>
<p class="lit">Die Bearbeitung des Materials erfolgt in zwei Phasen: zun&auml;chst werden die Interviews einzeln betrachtet, woran sich ein systematischer Vergleich mehrerer Interviews anschlie&szlig;t. Diese Art des Vorgehens harmoniert mit dem Verfahren der Komparativen Kasuistik, daher  erschien es besonders geeignet f&uuml;r die Zielsetzung meiner Arbeit.</p>
<p class="lit">F&uuml;r die Untersuchung der einzelnen Interviews schlagen Jaeggi et al. (1998, S.7-14) sechs Schritte vor:</p>
<UL>
<li class="lit"><p class="lit"><U>Formulierung eines Mottos f&uuml;r den Text</U>: dabei kann es sich um ein besonders markantes Zitat oder aber um eine Formulierung des Interviewers handeln, die dessen Eindruck vom Text pr&auml;gnant wiedergibt.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit"><U>Zusammenfassende Nacherz&auml;hlung</U>: im Sinne einer Straffung des Materials werden wesentliche Gespr&auml;chsinhalte und -aspekte m&ouml;glichst knapp dargestellt.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit"><U>Stichwortliste</U>: Auflistung besonders gehaltvoller Worte in chronologischer Reihenfolge.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit"><U>Themenkatalog</U>: Abstraktion zusammenfassender Oberbegriffe aus der Stichwortliste.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit"><U>Paraphrasierung</U>: Zusammenfassung des Themenkatalogs in verschiedenen Meta-Themen, von denen eines oder mehrere ausdifferenziert werden.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Durch eine Integration der vorangegangenen Arbeitsschritte werden <U>interviewspezifisch zentrale Kategorien</U> extrahiert, wobei versucht wird, &quot;kleine Theoriebestandteile&quot; (Jaeggi et al., 1998, S.13) auszuarbeiten.</p></li>
</UL>
<p class="lit">Die geschilderten Arbeitsschritte stellen die Grundlage f&uuml;r den kontrastierenden Vergleich der Interviews dar. Der Vergleich im Rahmen dieser Arbeit erfolgte nach der von J&uuml;ttemann (1981) entwickelten Komparativen Kasuistik, daher werden die von Jaeggi et al. (1998) vorgeschlagenen, interviewvergleichenden Arbeitsschritte hier nicht erl&auml;utert.</p>
<p class="lit"><a name="gan2">Jaeggi</a> et al. (1998) gehen bei den oben dargestellten Arbeitsschritten von etwa einst&uuml;ndigen Interviews und einer Textl&auml;nge von 30-40 Seiten Interviewtranskript aus. Da die Gespr&auml;che im Rahmen dieser Untersuchung erheblich l&auml;nger waren, ergibt sich eine durchschnittliche Seitenzahl von 117, was eine Modifikation des Verfahrens notwendig erscheinen lie&szlig;, zumal die Erz&auml;hlungen zum gro&szlig;en Teil sehr dicht waren und z.B. durch eine straffende Nacherz&auml;hlung viele relevante Aspekte verlorengegangen w&auml;ren. Die L&auml;nge der Gespr&auml;che spiegelt vermutlich zum einen das Bed&uuml;rfnis der Frauen, sich aufgrund der massiven Umw&auml;lzungen in ihrem Leben detailliert mitzuteilen, ist jedoch sicher auch im Umfang des <a href="#an2">Interviewleitfadens</a> begr&uuml;ndet.</p>
<p class="lit">Die Modifikation des &quot;Zirkul&auml;ren Dekonstruierens&quot; unter Ber&uuml;cksichtigung der Vorschl&auml;ge von Jack (1999) f&uuml;hrte zum folgenden Vorgehen:</p>
<p class="lit">Nach sorgf&auml;ltigem, mehrmaligem Durchlesen des Textes erfolgte die Wahl eines <U>Mottos</U>: dabei handelt es sich in dieser Arbeit durchweg um<I> Zitate</I>, da die Erz&auml;hlungen sehr reichhaltig waren und ich die im Motto jeweils angesprochenen Themenbereiche nicht besser h&auml;tte fassen k&ouml;nnen, ohne dass dadurch Atmosph&auml;risches bzw. die &quot;pers&ouml;nliche Note&quot; der jeweiligen Interviewpartnerin verlorengegangen w&auml;re. Nicht selten handelte es sich beim Motto um einen pr&auml;gnanten Satz, der bereits beim/ kurz nach dem Interview meine Aufmerksamkeit besonders fesselte.   Beim ersten Durcharbeiten der Texte wurden bereits wichtige <U>Stichworte</U> und <U>spontane Interpretationsideen</U> am Textrand vermerkt, die als Grundlage f&uuml;r den n&auml;chsten Schritt anzusehen sind: anstelle der nun vorgeschlagenen Nacherz&auml;hlung erfolgte eine <U>Vorstrukturierung</U> des Materials, indem wichtige Aussagen zu folgenden <U>Themenbereichen</U> zusammengestellt wurden:</p>
<OL>
<li class="lit"><p class="lit">Lebenszufriedenheit vor der Schwangerschaft</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Erleben der Schwangerschaft</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Geburtserlebnis</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Erleben der Depression (thematische Gruppe)</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Selbstbild und -beschreibung, Umgang mit sich selbst</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Beziehung und emotionale Bindung zum Kind</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Partnerschaft</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Beziehung zur Mutter</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Erleben der Mutterschaft, Lebenszufriedenheit nach der Geburt</p>
</OL>
<p class="lit">Diese Bereiche umfassen <U>Verlaufsaspekte</U> (1.-4., 9.), <U>Beziehungsaspekte</U> (6.-8.) und das <U>Selbstbild</U> (5.). Den neun Bereichen wurden Aussagen der Interviewpartnerin zugeordnet; zus&auml;tzlich wurden Interpretationsm&ouml;glichkeiten vermerkt. Die so entstandene Stichwortliste zu bestimmten Themenbereichen bildet wiederum die Grundlage f&uuml;r eine <U>Paraphrasierung</U>, die nacherz&auml;hlende Elemente enth&auml;lt, um den Verlaufsaspekt des &Uuml;bergangs zur Mutterschaft nachvollziehbar zu machen. Stichwortliste und Paraphrasierung f&uuml;r<I> Karin</I> befinden sich exemplarisch im Anhang der Arbeit. Die Paraphrasierung ist als Vorstufe f&uuml;r die in Kapitel 4.1 befindlichen, detaillierten <U>Einzelfalldarstellungen</U> anzusehen.</p>
<p class="lit">Um im Verlauf dieser Arbeitsschritte eine R&uuml;ckmeldung &uuml;ber die Transparenz des Vorgehens und die Plausibilit&auml;t meiner Ans&auml;tze zu bekommen, bildete ich mit einer Kommilitonin, die ebenfalls eine qualitative Arbeit verfasst, eine Auswertungsgruppe: ein Vorgehen, das von Jaeggi et al. (1998) empfohlen wird: &quot;Eine Interpretationsgemeinschaft oder eine Forschungssupervision erweisen sich in diesem Kontext (beim &quot;Zirkul&auml;ren Dekonstruieren&quot;, Anm.d.Autorin) als segensreich und sollten sich dem Motto verschreiben: Denkverbote gibt es nicht!&quot; (Jaeggi et al., 1998, S.5). Die Gruppenarbeit gestaltete sich wie folgt: wir tauschten jeweils vier unserer Interviewtranskripte aus und bearbeiteten in acht mehrst&uuml;ndigen Treffen jeweils ein Interview. Dabei erlebte ich es als hilfreich, dass meine Kommilitonin und ich sehr unterschiedliche Themen bearbeitet haben; so konnten wir beide &uuml;berpr&uuml;fen, ob unsere Interpretationsans&auml;tze f&uuml;r eher &quot;uneingeweihte&quot; Zuh&ouml;rer verst&auml;ndlich und nachvollziehbar sind und eventuelle Voreingenommenheiten kontrollieren. Dar&uuml;ber hinaus gab uns die gemeinsame Zeit die Gelegenheit, &Uuml;bertragungs- und Gegen&uuml;bertragungsreaktionen r&uuml;ckblickend im Interview und w&auml;hrend der Auswertungsphase wahrzunehmen, zu reflektieren und zu analysieren. So entwickelte ich besonders f&uuml;r Karin intensive m&uuml;tterliche Gef&uuml;hle, was zu einer &Uuml;beridentifikation h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen.</p>
<p class="lit">Als weiteres, wichtiges Korrektiv ist das entwicklungspsychologische Diplomandencolloqium zu nennen, wo ich mehrmals verschiedene Arbeitsschritte vorstellen konnte und konstruktive Kritik und zus&auml;tzliche Anregungen von Kommilitonen/innen und Betreuern bekam. </p>
<p class="lit">In Anbetracht des zu erwartenden Umfangs der Einzelfalldarstellungen halte ich es f&uuml;r sinnvoll, die Entwicklung der Komparationskategorien erst im <A HREF="pd-k42.htm">Komparationsteil</A> zu schildern, obwohl es sich dabei um die Darstellung einer methodischen Vorgehensweise handelt.</p>

<h4><a name="an1">Anmerkungen</a></h4>
<p class="lit">Durch dieses Vorgehen kommt es zu einer Abweichung von den Transkriptionsregeln nach Legewie (2000, im <A HREF="pd-anh.htm">Anhang</A>), der vorschl&auml;gt, bei der Anonymisierung auf gleiche Silbenzahl zu achten: z.B. Mila - Ella. Dies einzuhalten w&auml;re nicht leicht gewesen, zumal auch die Namen der Partner und Kinder anonymisiert werden mussten. <a href="#gan1">&lt;zur&uuml;ck&gt;</a></p>

<p class="lit"><a name="an2">Der Leitfaden wird in Kapitel 6: Kritik und Ausblick noch einmal zur Sprache kommen.</a> <a href="#gan2">&lt;zur&uuml;ck&gt;</a></p>
<p>&nbsp;</p>

</td></tr></table>
</table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td valign="top" align="center" colspan="2" bgcolor="#CCCCCC">
<p class="zit">© 2003 <a href="http://www.qualitative-forschung.de/publikationen/postpartale-depressionen/index.htm">http://www.qualitative-forschung.de/publikationen/postpartale-depressionen/</a>, Status: 28. August 2003</p></td><td valign="top" align="center"></td>
</tr>

</table>
</div>
</center>
</body>
</html>
