<html>
<head>
<meta http-equiv="Content-Language" content="de">
<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=windows-1252">
<title>Postpartale Depressionen &#150; Komparation</title>
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="style.css">
</head>

<body link="#3A3ABD" vlink="#000080" leftmargin="30" bgcolor="#FFFFFF" text="#000000">

<center>
<div align="left">

<table border="0" summary="qrn-Publishing" cellpadding="5" cellspacing="3" width="90%">
<tr>

<td valign="top" bgcolor="#CCCCCC">
<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td width="100%"></td>
</tr>


<tr><td width="100%"><img border="0" ALT="FG" src="3-525-46177-1k.gif" width="130" height="92"></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><a href="http://www.qualitative-forschung.de/publishing/modelle/index.php" target="_blank"><b><font face="Arial,Helvetica" size="1">qualitative-research.net</font></b></a></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="index.htm">Home</a></b></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="pd-definition.htm">Definition</a></b></p></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="pd-buch.htm">Zum Buch</a></b></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<A HREF="pd-k1.htm">Inhalt</A></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="pd-k3.htm">Methode</a></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="pd-k42.htm">Komparation</a></p></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="pd-k421.htm">Thematische</a><br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="pd-k421.htm">Gruppe</a></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="pd-k422.htm">Kontrollgruppe</a></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="abbco">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vergleiche</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="pd-k424.htm">Ergebnisse</a></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<A HREF="pd-lit.htm">Literatur</A></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="pd-anh.htm">Anhang</a></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="pd-links.htm">Links</a></b></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="pd-news.htm">News</a></b></p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit"><b><a href="pd-autor.htm">Zur Autorin</a></b></p></td></tr>

<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td width="100%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
</table></td>

<td valign="top">
<p class="fqscoanf">Postpartale Depressionen</p>
<p class="fqsco">Intra- und Intergruppenvergleiche anhand der Komparationskategorien</p>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td width="100%">
   
<h5>Vorgeschichte (Tabelle 1)</h5>
<p class="lit">Diese Tabelle soll dem Leser die Interviewpartnerinnen noch einmal vor Augen f&uuml;hren. Sie geht nicht vollst&auml;ndig in den Vergleich ein; lediglich die Kategorien <I>Dauer der Partnerschaft</I>, <I>Alter des Kindes, Biographische Belastungsfaktoren, Eigenanamnese und Familienanamnese </I>werden im folgenden untersucht:</P>
<p class="lit"><B><I>Dauer der Partnerschaft: </I></B>Hier &amp; f&auml;llt insbesondere das lange Bestehen von Ingas Partnerschaft (14 Jahre, <U>th.G</U>.) ins Auge. Ihre Entscheidung, so lange mit einer Schwangerschaft zu warten, begr&uuml;ndet sie damit, dass sie mit dem jungen Alter ihrer eigenen Eltern oft Probleme hatte; sie habe sich mehr Distanz gew&uuml;nscht, insbesondere als Teenager. Claudias (<U>K.G.</U>) Partnerschaft bestand mit einem Jahr und vier Monaten vor Eintreten der Schwangerschaft am wenigsten lange. Die am problematischsten bewerteten Partnerschaften (Karin / Swantje) unterscheiden sich nicht ma&szlig;geblich hinsichtlich ihrer Dauer bei Eintreten der Schwangerschaft von positiv bewerteten Partnerschaften (<U>gesamte K.G.</U>). </P>
<p class="lit"><B><I>Alter des Kindes: </I></B>Diese Kategorie &amp; ist bei der gesamten Interpretation der Berichte bedeutsam: M&uuml;tter eines vier Monate alten Kindes (Swantje, Anna) befinden sich nach Gloger-Tippelt (1988) in der Phase der Herausforderung und Umstellung (2.-6. Monat). Es ist zu erwarten, dass sich ihre Berichte von denjenigen &quot;&auml;lterer M&uuml;tter&quot; &#150; die sich z.B. in der Phase der Gew&ouml;hnung befinden (6.-12. Monat), wie die &uuml;brigen Untersuchungsteilnehmerinnen (mit Ausnahme von Inga, deren Sohn 17 Monate alt ist) &#150; hinsichtlich ihrer Sicherheit im Umgang mit der neuen Situation unterscheiden. Insofern ist es g&uuml;nstig, dass sich in beiden Untersuchungsgruppen eine Mutter eines vier Monate alten Kindes befindet.</P>
<p class="lit"><B><I>Biographische Belastungsfaktoren</I></B>: In der <U>thematischen Gruppe</U> werden <B>mehr belastende Erlebnisse in der Kindheit </B>genannt als in der <U>Kontrollgruppe</U>. Diese betreffen entweder die Mutter (Karin: Mutter depressiv, Swantje: fr&uuml;he Trennung und Fremdbetreuung) oder den Vater (Inga: Scheidung der Eltern, als sie eineinhalb Jahre alt war, seitdem Vater nie wieder gesehen). In der <U>Kontrollgruppe</U> treten eher belastende Ereignisse w&auml;hrend der Zeit als Erwachsene (Claudia: Krebserkrankung beider Eltern) bzw. als Jugendliche (Marie-Luise: Repressalien durch den Staat &#150; DDR &#150; hinsichtlich der schulischen Ausbildung, ein Belastungsfaktor, der wenig vergleichbar mit den anderen genannten erscheint, da er nicht die n&auml;chsten Beziehungen betrifft) auf. Eine Ausnahme stellt <I>Anna</I> dar, die insofern belastet ist, als sie ihren Vater nie kennen gelernt und unter der &Uuml;berarbeitung der alleinerziehenden Mutter mitunter gelitten hat. Weiterhin ist hervorzuheben, dass die Interviewpartnerinnen aus der thematischen Gruppe die jeweils genannten Belastungsfaktoren<B> nicht bew&auml;ltigt </B>haben: so berichtet etwa Swantje davon, dass sie sich <I>jetzt vorstellen kann, </I>wie schlimm die Trennung von ihrer Mutter f&uuml;r sie gewesen sein mag, und dass sie <I>w&uuml;tend </I>dar&uuml;ber ist, w&auml;hrend der ersten drei Lebensjahre von verschiedenen Personen fremdbetreut worden zu sein. Inga entwickelte<I> w&auml;hrend der Schwangerschaft</I> den Wunsch, ihren leiblichen Vater kennen zu lernen, und spricht diesem Thema eine gr&ouml;&szlig;ere Bedeutung zu als vorher. Die Bedeutung der m&uuml;tterlichen Depression f&uuml;r Karin schlie&szlig;lich wird von ihr eher verhalten und z&ouml;gernd im Interview (beim dritten Treffen) zur Sprache gebracht, so dass ich den Eindruck gewonnen habe, dass diese Belastung nicht bearbeitet wurde. Im Vergleich dazu entsteht bei den <U>nicht depressiven</U> Frauen eher der Eindruck, belastende Ereignisse bew&auml;ltigt zu haben. So berichtet Claudia davon, dass sich w&auml;hrend der Zeit der Erkrankung ihrer Mutter die Beziehung zu ihr positiv ver&auml;ndert habe. Anna entwickelte durch die eigene Erfahrung der Mutterschaft Hochachtung vor der gro&szlig;en Leistung ihrer alleinerziehenden, berufst&auml;tigen Mutter. Marie-Luise schlie&szlig;lich konnte ihre Berufsw&uuml;nsche nach der Wende in die Tat umsetzen und erwies dabei eine bemerkenswerte Ausdauer.</P>
<p class="lit"><B><I>Eigenanamnese: </I></B>Hier sind bei Anna (<U>K.G.)</U> mindestens ein und bei Swantje <U>(th.G.)</U> ein Abort als <B>Verlustserlebnisse</B> zu ber&uuml;cksichtigen, wobei Swantje von einer intensiven Zeit der Trauer um ihr erstes Kind w&auml;hrend der zweiten Schwangerschaft berichtet. Aus Annas Erz&auml;hlung spricht hingegen &#150; insbesondere nach Ablauf der ersten drei kritischen Monate &#150; vor allem die Vorfreude auf ihr Kind, wobei sie allerdings auf das Thema Fehlgeburt auch nicht n&auml;her eingehen mochte.  </P>
<p class="lit"><B><I>Familienanamnese: </I></B>In beiden Untersuchungsgruppen befinden sich Frauen, in deren Familienanamnese<B> &amp; Depressionen</B> vorkommen: w&auml;hrend Karin (<U>th.G.</U>) die Erkrankung bei ihrer Mutter als Kind und Jugendliche &uuml;ber viele Jahre hinweg miterlebt hat, berichten sowohl Swantje (<U>th.G.)</U> als auch Anna <U>(K.G.)</U> von aktuell auftretenden Depressionen bei der Mutter (Anna) bzw. beim Vater (Swantje). Dabei nennt Swantje eine aktuelle, dringliche Familienproblematik (die nicht genannt werden soll) als Ausl&ouml;ser f&uuml;r die Depression ihres Vaters. Abgesehen von der &#150; m&ouml;glicherweise &#150; alle drei Frauen betreffenden genetischen Disposition erscheint somit der<B> transgenerationale Aspekt</B> des St&ouml;rungsbildes, der in einer durch die chronifizierte m&uuml;tterliche Erkrankung entstandenen <B>Beziehungs</B>-<B> und Entwicklungsbeeintr&auml;chtigung </B>begr&uuml;ndet ist, im Falle Karins besonders bedeutsam.  </P>

<h5>Zur Pers&ouml;nlichkeit (Tabelle 2)</h5>
<p class="lit"><I>Selbstbild und Selbstbeschreibung: </I> Bei der Betrachtung dieser Kategorie fallen einige Merkmale auf, die nur von Frauen aus der <U>thematischen Gruppe</U> genannt wurden, bzw. aus ihren Berichten hervorgehen. Dazu geh&ouml;ren der von Karin beschriebene <B>Hang zum Gr&uuml;beln </B>oder auch das ausgepr&auml;gte<B> Kontrollbed&uuml;rfnis, </B>das sowohl Inga als auch Swantje zum Ausdruck bringen. Weiterhin ist Swantjes Neigung<B>, </B>sich in einer<B> Opferrolle </B>zu sehen, f&uuml;r die Entstehung der Depression sicherlich nicht ohne Bedeutung. Inga beschreibt sich selbst als <B>&auml;ngstlich, </B>auch aus Swantjes gro&szlig;em <B>Sicherheitsbed&uuml;rfnis</B> spricht eine eher &auml;ngstliche Grundhaltung: So berichteten beide davon, dass sie sich eine au&szlig;erklinische Geburt auf gar keinen Fall h&auml;tten vorstellen k&ouml;nnen, da dieser Gedanke gro&szlig;e Angst ausgel&ouml;st h&auml;tte. Innerhalb der <U>Kontrollgruppe</U> begr&uuml;ndete lediglich Anna ihre Entscheidung, in einem Krankenhaus zu entbinden, mit ihrem Sicherheitsbed&uuml;rfnis, eine zweite Geburt kann sie sich auch im Geburtshaus vorstellen. Zudem f&uuml;hlte sie sich sicher genug, am Tag nach der Geburt die Klinik bereits zu verlassen, Karin <U>(th.G.)</U> dagegen f&uuml;hlte sich nach ihrer ambulanten Geburt zu Hause so unsicher und ver&auml;ngstigt, dass sie sich erneut in eine geburtshilfliche Abteilung aufnehmen lie&szlig;.  </P>
<p class="lit">Zwei der<U> nicht depressiven</U> Frauen, Marie-Luise und Claudia, berichten, als Kind <B>&quot;halbe Jungen&quot;</B> gewesen zu sein: geht man davon aus, dass mit einem jungenhaften Wesen ein unternehmungslustiges und eher wenig &auml;ngstliches Verhalten verbunden wird, so w&auml;re die Schlussfolgerung denkbar, dass Frauen, die sich so beschreiben, tendenziell f&uuml;r die Entwicklung depressiver Symptome weniger gef&auml;hrdet sind. </P>
<p class="lit">In beiden Untersuchungsgruppen gibt es Frauen, die als <B>introvertiert</B> bezeichnet werden k&ouml;nnen, jedoch sind es in der <U>thematischen Gruppe</U> zwei Frauen, n&auml;mlich Karin und Inga, w&auml;hrend in der <U>Kontrollgruppe</U> nur Claudia als eher introvertiert einzusch&auml;tzen ist. Als extrovertiert beschreibt sich nur Anna <U>(K.G.)</U>. </P>
<p class="lit">Sowohl Marie-Luise (<U>K.G.)</U> als auch Inga (<U>th.G.)</U> schildern sich als <B>leistungsorientiert, </B>so dass hier kein Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden kann.</P>
<p class="lit"><B><I>Selbstwertgef&uuml;hl:</I></B> Hier zeigen die Ergebnisse eine Tendenz, die auf dem Hintergrund psychodynamischer und kognitiv-lerntheoretischer Depressionstheorien wenig erstaunlich ist: w&auml;hrend bei allen <U>postpartal depressiven</U> Frauen von einem <B>eher geringen Selbstwertgef&uuml;hl</B> gesprochen werden kann (wobei zu ber&uuml;cksichtigen ist, dass Inga durch ihren Beruf eine gewisse Selbstwertstabilisierung erfahren hat, die nach der Geburt jedoch ausbleibt und nicht ohne weiteres kompensiert werden kann), zeichnen sich aus der <U>Kontrollgruppe</U> Marie-Luise durch ein <B>stabiles, hohes,</B> Anna durch ein <B>eher hohes</B> und Claudia durch ein <B>verletzliches Selbstwertgef&uuml;hl</B> aus. </P>
<p class="lit"><B><I>Identit&auml;t als Frau: </I></B>Diese wird von beinahe allen Frauen <B>positiv </B>erfahren, lediglich Swantje <U>(th.G.)</U> berichtet davon, sich zur Zeit als Frau nicht wohl zu f&uuml;hlen. Marie-Luise <U>(K.G.)</U> f&uuml;hlt sich durch Ehe und Mutterschaft in ihrer weiblichen Identit&auml;t best&auml;rkt. Hinsichtlich ihrer<B> Mutterrolle</B> w&uuml;rde ich alle Frauen bis auf Marie-Luise als <B>sehr verletzlich</B> beschreiben, so dass hier nicht von einem Unterschied zwischen den Gruppen gesprochen werden kann. Die Verletzlichkeit macht sich bei Anna <U>(K.G.</U>) am h&auml;ufigen Schreien des Kindes und bei Claudia (<U>K.G.)</U> an der motorischen Entwicklung ihrer Tochter fest. Bei den depressiven Frauen zeigt sich die Verletzlichkeit als Mutter besonders in Bef&uuml;rchtungen darin, dass die Erkrankung ihrem Kind schaden oder dass ihr Kind nicht satt werden k&ouml;nnte (Inga). </P>
<p class="lit"><B><I>Umgang mit sich selbst: </I></B>Bei der Betrachtung dieser Kategorie f&auml;llt auf, dass Frauen der <U>Kontrollgruppe</U> sich insgesamt als vor der Schwangerschaft <B>genussf&auml;higer</B> darstellen. Besonders die Alltagsschilderungen Annas und Claudias beinhalten lustvolle Schilderungen von Hobbys bzw. Reisen. W&auml;hrend Marie-Luise <U>(K.G.</U>) <B>hohe Anforderungen an sich</B> <B>selbst </B>stellt und dabei ihre <B>Grenzen kennt</B> (z.B. bittet sie um Hilfe bzw. g&ouml;nnt sich Urlaub, als ihre Reserven verbraucht sind), finden sich sowohl bei Claudia <U>(K.G.)</U> als auch bei Karin und Inga <U>(th.G.)</U> deutliche<B> Tendenzen zur Selbst&uuml;berforderung. </B>Diese Tendenzen sind bei den <U>depressiven Frauen</U> &#150; mit Ausnahme von Swantje &#150; <B>ausgepr&auml;gter,</B> wenn man etwa an Karins Selbst&uuml;berforderung w&auml;hrend der Schwangerschaft und an Ingas sich &uuml;berschlagende Aktivit&auml;ten im Haushalt nach der Geburt denkt. Bei Swantje <U>(th.G.)</U> f&auml;llt auf, dass sie <B>nicht gut f&uuml;r sich selbst sorgt, </B>was im R&uuml;ckzug von der Au&szlig;enwelt nach der Geburt, aber auch in der unterlassenen Kontaktsuche am neuen Wohnort zum Ausdruck kommt. Dagegen nehmen sowohl Karin als auch Inga aktiv neue Kontakte bzw. alte Kontakte wieder auf.  </P>
<p class="lit"><B><I>Umgang mit Beziehungen: </I></B>Diese Kategorie stellt sich bei den Untersuchungsgruppen insofern unterschiedlich dar, als <U>nicht depressive</U> Frauen, insbesondere Marie-Luise und Anna, sich in ihrer Partnerschaft und Freunden gegen&uuml;ber<B> emotional &ouml;ffnen</B>, w&auml;hrend Karin und Inga bedrohlich erlebte &Auml;ngste zumindest w&auml;hrend der Schwangerschaft f&uuml;r sich behalten. Als Ausnahme ist hier Swantje <U>(th.G.)</U> zu nennen, die ihre Bed&uuml;rfnisse und Gef&uuml;hle gut mitteilen kann, wobei sie jedoch von den Reaktionen ihres Umfeldes entt&auml;uscht ist und nun eher zum<B> R&uuml;ckzug</B> neigt, zudem kennt sie am neuen Wohnort noch kaum Menschen, denen sie sich &ouml;ffnen kann, was sie jedoch auch nicht &auml;ndert. Karin berichtet davon, sich bereits vor der Schwangerschaft von wichtigen Freund/inn/en zur&uuml;ckgezogen zu haben, sie ist zur Zeit jedoch dabei, diese Haltung zu &auml;ndern und Freundschaften wieder zu intensivieren. </P>
<p class="lit">Keine Frau aus der <U>Kontrollgruppe</U> berichtet von<B> R&uuml;ckzugstendenzen, </B>so dass es sich hierbei um ein typisches Merkmal postpartal depressiver Frauen handeln k&ouml;nnte. Dies w&uuml;rde mit psychodynamischen Theorien zur Depression unabh&auml;ngig von der Geburt eines Kindes &uuml;bereinstimmen (vgl. Mentzos, 1984). Nicht depressive Frauen bringen anderen Menschen gegen&uuml;ber <B>mehr Vertrauen</B> zum Ausdruck und <B>reagieren auf Entt&auml;uschungen nicht mit R&uuml;ckzug oder Verallgemeinerung</B>: so gelang es sowohl Anna als auch Claudia, den Hebammen im Krei&szlig;saal trotz teilweise negativer Erfahrungen zu vertrauen. Dagegen zeigt Swantje <U>(th. G.)</U> eine von vornherein ausgesprochen misstrauische und negative Einstellung, etwa gegen&uuml;ber dem Personal auf der Wochenstation. Karin und Inga <U>(th.G.)</U> bringen weder besonderes Vertrauen noch ausgepr&auml;gtes Misstrauen anderen gegen&uuml;ber zum Ausdruck.</P>
<p class="lit">Den <B>Wunsch, anderen nicht zur Last zu fallen</B>, &auml;u&szlig;ern <U>depressive</U> und <U>nicht depressive</U> Frauen gleicherma&szlig;en: sowohl von Marie-Luise und Claudia (<U>K.G.)</U>, als auch von Karin und Inga <U>(th.G.)</U> liegen diesbez&uuml;gliche Aussagen vor. Die <B>F&auml;higkeit zum Perspektivenwechsel </B>stellen sowohl Marie-Luise und Anna (<U>K.G.)</U> als auch Karin und Inga <U>(th.G.)</U> unter Beweis, so dass auch hier kein Unterschied zwischen den Gruppen festzustellen ist.</P>

<h5>Metaphern f&uuml;r die eigene Befindlichkeit und Deutungsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Metaphern (Tabellen 3a / 3b)</h5>
<p class="lit">Auf den ersten Blick f&auml;llt bereits auf, dass die Frauen aus der <U>thematischen Gruppe</U> mehr Metaphern f&uuml;r ihre Gef&uuml;hlswelt verwenden als die Frauen aus der <U>Kontrollgruppe,</U> mit Ausnahme von Anna, die sich ebenfalls einer sehr bildhaften Sprache bedient. Bei beiden Gruppen betonen die Metaphern die <B>Intensit&auml;t des jeweils erlebten</B> <B>Gef&uuml;hls,</B> etwa wenn Marie-Luise (<U>K.G.)</U> davon spricht, dass es ihr w&auml;hrend der Fr&uuml;hschwangerschaft <I>&quot;dreckig&quot;</I> ging. Annas (<U>K.G.)</U> Metaphern klingen teils euphorisch wie z.B. die Aussage, dass die Schwangerschaft <I>&quot;bilderbuchm&auml;&szlig;ig&quot;</I> verlaufen sei, teils sehr negativ ber&uuml;hrt wie die Bemerkung, dass die ersten Tage mit Kind und ohne Unterst&uuml;tzung ihres Partners <I>&quot;grauenvoll&quot; </I>gewesen seien. Ihr Erleben stellt sie durch die gebrauchten Metaphern als sehr k&ouml;rperlich dar, etwa wenn sie von Gl&uuml;cksgef&uuml;hlen spricht, die in ihrem K&ouml;rper <I>&quot;'runrauschen&quot;</I>. Beeindruckt hat mich Annas <U>(K.G.</U>)<B> Beschreibung des Geburterlebnisses</B>: sie habe sich <I>&quot;so richtig so wie so zusammengerollt, so seelisch&quot; </I>und auch <I>&quot;eingeigelt&quot;</I>. Diese Bilder k&ouml;nnen als Ausdruck der <B>Regression</B> betrachtet werden, wobei diese offenbar<B> nicht als bedrohlich erlebt</B> wurde; der <B>Selbstschutz</B> (Stacheln des Igels) <B>funktioniert,</B> obwohl Anna sich zeitweise <I>&quot;mutterseelenallein&quot; </I>gef&uuml;hlt habe. Dieses Erleben steht in einem gro&szlig;en Kontrast zu Karins (<U>th.G.)</U> Geburtserleben, die sich total verlassen f&uuml;hlte und in Angst und Panik befand; <B>hier funktionierte der Selbstschutz sicherlich nicht. </B></P>
<p class="lit">Besonders bemerkenswert erscheint mir auch der Vergleich zwischen den folgenden Metaphern: Anna <U>(K.G.)</U> berichtet, sie habe sich nach der Geburt zu Hause mit ihrem Partner wie in einer <I>&quot;sicheren H&ouml;hle&quot;</I> gef&uuml;hlt. Dagegen ist sich Swantje (<U>th.G.)</U> auf dem Zimmer der Wochenstation wegen der vielen Blumen (!) der Nachbarin wie in einer <I>&quot;Grabh&ouml;hle&quot;</I> vorgekommen. Auch &quot;H&ouml;hle&quot; kann als ein Bild f&uuml;r Regression angesehen werden, wobei mit dieser Regression unterschiedliche Gef&uuml;hle einhergehen: Sicherheit auf der einen Seite, Tod auf der anderen Seite. Diese unterschiedlichen Gef&uuml;hle Annas und Swantjes nur der Umgebung (Zuhause vs. Wochenstation) zuzuschreiben greift meines Erachtens zu kurz: nicht jede Frau f&uuml;hlt sich nach der Geburt zu Hause so sicher wie Anna, die in ihrem Bericht Selbstvertrauen zum Ausdruck bringt. Swantje hingegen &auml;u&szlig;ert im Zusammenhang mit der o.g. Metapher, dass sie sich &uuml;berhaupt nicht auf zu Hause habe freuen k&ouml;nnen, da es ihr an Unterst&uuml;tzung durch den Partner gemangelt habe. Dar&uuml;ber hinaus findet sich das Motiv &quot;Tod&quot; in der Bemerkung, dass sie w&auml;hrend ihrer tiefsten Krise ausgesehen habe, als wenn jemand gestorben sei. Diese Aussage hat mich darin best&auml;rkt, in der Metapher der &quot;Grabh&ouml;hle&quot; keine Beschreibung der Umgebung, sondern vielmehr die eines Gem&uuml;tszustands zu sehen. </P>
<p class="lit">Betrachtet man nun insgesamt die von den <U>postpartal depressiven</U> Frauen benutzten Metaphern, so f&auml;llt auf, dass darin folgende Themen immer wieder zum Ausdruck kommen:</P>
<p class="lit"><B>Angst, innere Unruhe, Anspannung, Kontrollverlust / externe Kontroll&uuml;berzeugung, Haltlosigkeit, Abh&auml;ngigkeit </B>(von der eigenen Mutter / dem Kind)<B> als Last, Gef&uuml;hle der Leblosigkeit und der Trauer </B>und der <B>&Uuml;berforderung. </B>Diese Themen wurden allesamt von den <U>nicht depressiven</U> Frauen entweder gar nicht oder aber nicht ann&auml;hernd in dieser Intensit&auml;t durch Metaphern zum Ausdruck gebracht, so dass die Schlussfolgerung nahe liegt, dass es sich bei beiden Gruppen um ein <B>qualitativ unterschiedliches Erleben</B> handelt. Die Annahme, dass postpartal depressive Frauen lediglich ein Mehr an nachgeburtlichem Stress und &Uuml;berlastung erleben, erscheint auf diesem Hintergrund fragw&uuml;rdig.</P>

<h5>Verlauf / Situative Variablen (Tabellen 4 [Kontrollgruppe], 4a-4b [thematische Gruppe])</h5>
<p class="lit"><I>Lebenszufriedenheit vor der Schwangerschaft: </I>Bez&uuml;glich dieser Kategorie zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Untersuchungsgruppen: die Lebenszufriedenheit vor der Schwangerschaft wird von den<B> postpartal nicht depressiven Frauen </B>im Vergleich als<B> entschieden h&ouml;her </B>geschildert.</P>
<p class="lit">Keine der depressiven Frauen beschreibt sich als vor der Schwangerschaft wirklich zufrieden, zwei Frauen gebrauchen das Wort &quot;sinnlos&quot; (Inga) bzw. &quot;sinnentleert&quot; (Swantje) f&uuml;r ihr damaliges Leben, und Karin zog sich aus Angst, verletzt zu werden, von ihren wichtigsten Freund/inn/en zur&uuml;ck, was die Lebenszufriedenheit vermutlich ebenfalls negativ beeinflusst hat. Nun k&ouml;nnte man argumentieren, dass die R&uuml;ckschau der depressiven M&uuml;tter durch die Erkrankung negativ verzerrt sei; dagegen spricht die aktuell gro&szlig;e Lebenszufriedenheit Ingas <U>(th. G.)</U>, die die Depression nicht nur ann&auml;hernd &uuml;berwunden hat, sondern in der Erkrankung sogar eine Chance sieht, ihr Leben neu zu &uuml;berdenken. Dar&uuml;ber hinaus erscheint es problematisch, die R&uuml;ckschau der depressiven Frauen einfach nur als negativ verzerrt anzusehen (eine derartige Sichtweise klingt z.B. in Whiffens (1992) Artikel durch), dies k&ouml;nnte dahin f&uuml;hren, ihnen die Authentizit&auml;t ihres Erlebens (bzw. Berichtens) abzusprechen, was einer unverzeihlichen Ignoranz gleichk&auml;me. Als alternative Erkl&auml;rungsm&ouml;glichkeit w&auml;re es denkbar, in der r&uuml;ckblickenden Unzufriedenheit ein Anzeichen daf&uuml;r zu sehen, dass sich in der angespannten und emotional aufw&uuml;hlenden Zeit w&auml;hrend und nach der Geburt bisher vermiedene oder auch verleugnete Konflikte und Gef&uuml;hle nicht mehr wegschieben lassen, sondern nach einer Auseinandersetzung verlangen.   </P>
<p class="lit"><I>Schwangerschaft a) geplant / b) ungeplant: </I>In beiden Untersuchungsgruppen fanden sich jeweils zwei geplante Schwangerschaften (Marie-Luise, Anna: <U>K.G.</U>/ Inga, Swantje: <U>th.G.</U>) und eine ungeplante (Claudia, <U>K.G.</U> / Karin, <U>th.G.</U>), so dass innerhalb dieser Kategorie<B> kein Unterschied</B> zwischen den befragten postpartal depressiven und nicht depressiven Frauen festgestellt werden kann. Wichtig erscheint hier eine Zusammenschau mit der Kategorie <I>Partnerschaft, </I>wobei s&auml;mtliche Partnerschaften der Teilnehmerinnen der <U>Kontrollgruppe</U> positiv bewertet wurden; Karin hingegen berichtete von schwerwiegenden Beziehungsproblemen und Trennungsgedanken.</P>
<p class="lit"><B><I>Schwangerschaft: </I></B>Sie wurde von allen Frauen &uuml;bereinstimmend als eine &auml;u&szlig;erst bewegende Zeit beschrieben, die mit einem unterschiedlich gro&szlig;en Ausma&szlig; an<B> &Auml;ngsten</B> einherging. Lediglich in Claudias <U>(K.G.)</U> Bericht spielt Angst erst nach der Geburt eine Rolle, n&auml;mlich in Form der Sorge, als Mutter etwas falsch zu machen. Sowohl Swantje (<U>th.G.</U>) als auch Anna (<U>K.G.</U>) litten unter der <B>Angst vor einem erneuten Abort</B>, wobei Swantje (wie bereits bei der Betrachtung von Tabelle 1 erw&auml;hnt) von einer Zeit intensiver Trauer um ihr erstes Kind w&auml;hrend der zweiten Schwangerschaft berichtete. Mit belastender &Uuml;belkeit und <B>Schwangerschaftserbrechen</B> hatten ausschlie&szlig;lich Frauen aus der <U>Kontrollgruppe</U> (Marie-Luise, Anna) zu k&auml;mpfen. Dies ist insofern interessant, als Molinski (1972) bez&uuml;glich der Dynamik, die einerseits Depressionen nach der Geburt und andererseits vermehrtem Erbrechen in der Fr&uuml;hschwangerschaft (Hyperemesis gravidarum) zugrunde liegt,<I> entscheidende Unterschiede</I> sieht: w&auml;hrend er postpartal depressive Frauen als oral und &amp; aggressiv stark gehemmt ansieht, spricht er Frauen, die an Hyperemesis leiden, eine weit weniger intensive Hemmung im aggressiven Erlebensbereich zu. Er schlussfolgert, dass postpartal depressive Frauen gar keine Hyperemesis entwickeln <I>konnten, </I>da ihnen sozusagen die dazu n&ouml;tige Aggression fehlt (vgl. Molinski, 1972, S. 92-93).     </P>
<p class="lit">Weitere <B>&Auml;ngste</B> der Interviewpartnerinnen bezogen sich auf die <B>Geburt</B>, wobei Inga (<U>th.G.</U>) und Anna <U>(K.G.)</U> von der Angst<B> zu sterben</B> berichteten. Alle Interviewpartnerinnen au&szlig;er Claudia <U>(K.G.</U>) schilderten Angst<B> vor dem Geburtsschmerz.</B> Angst<B> um die Gesundheit des Kindes </B>erlebte insbesondere Inga <U>(th.G.)</U>. </P>
<p class="lit">Bedeutsam erscheint der <B>unterschiedliche Umgang mit den &Auml;ngsten</B>; w&auml;hrend Marie-Luise und Anna <U>(K.G.)</U> sich intensiv mit der Geburt besch&auml;ftigt und &Auml;ngste mit dem Partner durchgesprochen haben, vermeidet Inga (<U>th.G.)</U> die Auseinandersetzung und Swantje <U>(th.G.</U>) schiebt das Geburtsthema vollkommen von sich weg. Allerdings war sie sich ganz sicher, dass sie unbedingt eine PDA haben will. Weiterhin finden sich bei ihr<B> Hinweise auf Trennungs&auml;ngste</B> angesichts der Geburt: sie bringt deutlich zum Ausdruck, dass sie am Ende der Schwangerschaft nicht dazu bereit war, ihr Kind herzugeben, sondern die als gem&uuml;tlich bezeichnete Symbiose weiterhin genie&szlig;en wollte; keine der nicht depressiven Frauen bringt vergleichbare Gef&uuml;hle zum Ausdruck, die an Halberstadt-Freuds (1993) Ansatz von der &quot;Illusion der Symbiose&quot; erinnern.</P>
<p class="lit">Karin (<U>th.G.</U>) wiederum neigt in ihrem Schwangerschaftsbericht zur <B>Bagatellisierung von &Auml;ngsten. </B>Diese kommen nur indirekt zur Sprache, etwa als sie erz&auml;hlt, dass sie gelesen habe, um die Angst vor der Geburt fernzuhalten.   </P>
<p class="lit">Die <B>gedankliche Vorbereitung auf die Familiengr&uuml;ndung </B>besch&auml;ftigte insbesondere die Frauen aus der <U>Kontrollgruppe,</U> so beschreibt Claudia Gedanken hinsichtlich der Abl&ouml;sung von der (zuk&uuml;nftigen) Gro&szlig;elterngeneration, Anna bespricht ihre &Auml;ngste &uuml;ber die Rolle der &quot;Schwiegermutter&quot; in der zuk&uuml;nftigen Familie ausgiebig mit ihrem Partner, und Marie-Luise hat am Geburtsvorbereitungskurs besonders gesch&auml;tzt, dass dort Probleme angesprochen werden k&ouml;nnen und die Teilnehmer zu Nachdenken &uuml;ber wichtige Themen in Zusammenhang mit der Mutterschaft angeregt werden. Karin <U>(th.G.)</U> hat dagegen gehofft, dass nach der Geburt alles besser werden w&uuml;rde als in ihrer durch Krankheiten und Pr&uuml;fungsstress belasteten Schwangerschaft, Inga <U>(th.G.)</U> hat sich von den Warnungen einiger Freunde, dass nach der Geburt einschneidende Ver&auml;nderungen auf das Paar zukommen werden, distanziert und auf ihre planerischen F&auml;higkeiten gehofft, Swantje <U>(th.G.)</U> schlie&szlig;lich hat sich vorgestellt, dass sie nach der Geburt sch&ouml;n sein und ihr sch&ouml;n angezogenes Kind &uuml;berall herumzeigen werde. Somit wirken die Frauen der <U>thematische Gruppe</U> in ihrer <B>gedanklichen Vorbereitung wenig realit&auml;tsbezogen</B>, was zu Erschrecken und Entt&auml;uschung nach der Geburt f&uuml;hren muss.</P>
<p class="lit"><B><I>Geburtserlebnis:</I></B> Bei der vergleichenden Betrachtung f&auml;llt sofort auf, dass die Entbindung r&uuml;ckblickend von den <U>depressiven Frauen</U><B> negativ</B> und von den <U>nicht depressiven</U> <B>positiv bewertet</B> wird. Marie-Luise (<U>K.G.</U>) r&auml;umt zwar ein, dass die Schmerzen schlimmer waren als erwartet, sie &auml;u&szlig;ert sich jedoch positiv &uuml;ber den unkomplizierten Verlauf (wobei ihre medizinischen Kenntnisse zu ber&uuml;cksichtigen sind), &uuml;ber die Wirkung der PDA und insbesondere &uuml;ber die Unterst&uuml;tzung ihres als feinf&uuml;hlig geschilderten Partners. Anna (<U>K.G.</U>) spricht sogar von der <I>&quot;tolle(n) Geburt&quot;</I>, obwohl sie sich eine Zeitlang alleingelassen gef&uuml;hlt hat, und Claudia (<U>K.G.</U>) hebt die Freundlichkeit des Krei&szlig;saalteams (trotz der wohl wenig freundlichen Aufnahme) und die Freude beim Erstkontakt mit ihrem Kind besonders hervor. Aus den Geburtsberichten der Frauen aus der <U>Kontrollgruppe</U> spricht <B>Selbstvertrauen.</B> Alle drei haben dar&uuml;ber hinaus ihre Kinder <B>spontan geboren, </B>dagegen finden sich in der <U>thematischen Gruppe</U> <B>eine Spontangeburt </B>(Karin) und<B> zwei Geburten durch Saugglocke </B>(Inga und Swantje). Die Geburten der postpartal depressiven Frauen waren insgesamt<B> komplikationsreicher</B>: Sowohl Karin als auch Swantje berichten von suspekten kindlichen Herzt&ouml;nen, bei Karin musste aus diesem Grund die Wassergeburt abgebrochen werden. Swantjes Mutterkuchen l&ouml;ste sich nicht spontan ab, und sie erlitt einen hohen Blutverlust, was ihre Gesamtbefindlichkeit ebenfalls negativ beeinflusst hat. </P>
<p class="lit">Die Geburtsform (spontane vs. operative Entbindung) erlaubt jedoch keinen eindeutigen R&uuml;ckschluss auf das Geburtserleben: so schildert Karin mehr als jede andere Gespr&auml;chspartnerin die <B>Geburt als bedrohlich und be&auml;ngstigend, ja als traumatisch. </B>Die im Krei&szlig;saal erlebte Angst vergleicht sie mit den &Auml;ngsten, die sie w&auml;hrend der ersten Zeit ihrer schweren Depression durchlitten hat. Sie schildert Todesangst, Gef&uuml;hle der Hilflosigkeit und der Verlorenheit und eine unerf&uuml;llte Sehnsucht nach m&uuml;tterlicher Zuwendung. Ihren Partner erlebte sie als nicht hilfreich, die Hebamme verlie&szlig; oft den Krei&szlig;saal. Wie bereits in der Einzelfalldarstellung hervorgehoben, er&ouml;ffnet Karins Geburtsbericht einen wesentlichen Zugang zum Verst&auml;ndnis ihrer Erkrankung. Es ist denkbar, dass dieses Erlebnis eine derartige Ersch&uuml;tterung darstellt, dass abgewehrte &Auml;ngste und Konflikte mobilisiert wurden, die sie zun&auml;chst vollkommen &uuml;berfordert haben.</P>
<p class="lit">Sowohl Inga als auch Swantje (beide aus der <U>th.G.</U>) heben bereits im Schwangerschaftsbericht die f&uuml;r sie <B>zentrale Bedeutung der PDA</B> hervor, beide bringen <B>wenig Selbstvertrauen,</B> mit den Schmerzen zurechtkommen zu k&ouml;nnen, zum Ausdruck. So bezeichnet Inga die PDA als ihren<I> &quot;Rettungsanker&quot;</I>, wobei ihr ein Kaiserschnitt als Ausweichm&ouml;glichkeit am liebsten gewesen w&auml;re, und Swantje war sich sicher, dass sie unbedingt eine PDA haben will. Beide sind jedoch von der schmerzbek&auml;mpfenden Wirkung entt&auml;uscht. Nun ist es m&ouml;glich, dass bei ihnen die An&auml;sthesie nicht so gut gewirkt hat, wie z.B. bei Marie-Luise, jedoch erscheint mir ein anderer Aspekt ebenso bedeutungsvoll: beide Frauen bringen deutlich eine<B> externe Kontroll&uuml;berzeugung </B>(vgl. Tabelle 6) zum Ausdruck, w&auml;hrend Marie-Luises Bericht f&uuml;r eine interne Kontroll&uuml;berzeugung spricht. Auf diesem Hintergrund w&auml;re es denkbar, dass die PDA nicht nur schlechter gewirkt hat, sondern dass dieses Ausfallen eines &quot;Rettungsankers&quot; dar&uuml;ber hinaus aufgrund eines fehlenden Selbstvertrauens Gef&uuml;hle der Angst und der Hilflosigkeit mobilisiert hat. Au&szlig;erdem haben beide (Inga und Swantje, <U>th.G.</U>) eine der diensthabenden Hebammen als lieblos empfunden, was das Geburtserleben negativ beeinflussen muss; da die Entbindung eine Situation besonderer Verletzlichkeit darstellt. Auch Karin w&uuml;rde sich f&uuml;r eine zweite Geburt w&uuml;nschen, ihre Hebamme vorher zu kennen, was die ung&uuml;nstige Betreuungssituation noch einmal deutlich werden l&auml;sst. Die Bedeutung einer<B> liebevollen Betreuung</B> im Krei&szlig;saal, die unter anderem eine ausreichende personelle Besetzung voraussetzt, wird hier sichtbar.  </P>
<p class="lit">Es folgt nun die Betrachtung der nur die <U>thematischen Gruppe</U> betreffenden Kategorien <B><I>Beginn der Depression, Behandlung, zentrale Aspekte beim Erleben der Depression: </i></b></P>
<p class="lit"><B><I>Beginn der Depression: </I></B>W&auml;hrend dieser bei Karin r&uuml;ckblickend in der ersten Woche post partum (4.-5.Tag) anzusiedeln ist, berichten Inga und Swantje zwar von einem intensiven &quot;Babyblues&quot;, geben jedoch als Erkrankungsbeginn die 3./4. Woche (Swantje) bzw. den dritten Monat post partum (Inga) an. Bei Swantje ist die Bedeutung der gleichzeitigen Dienstreise ihres Partners besonders hervorzuheben, zumal sie nach der Geburt unter Trennungs&auml;ngsten gelitten hat. Inga hatte kurz vor dem Auftreten der Symptomatik ausgesprochen z&uuml;gig medikament&ouml;s abgestillt, was sicherlich einen Beitrag zur Entwicklung des depressiven St&ouml;rungsbildes geleistet hat. Beim Vergleich der Berichte f&auml;llt auf, dass sich Karin mit ihren &Auml;ngsten sehr sp&auml;t mitgeteilt hat und es ihrer Mutter zu verdanken ist, dass sie &auml;rztliche Hilfe gesucht hat. Dagegen leiteten sowohl Inga als auch Swantje die ersten Schritte selbst in die Wege bzw. haben selbst erkannt, dass sie Hilfe brauchen. Swantje wurde allerdings von ihrer Hebamme zur Psychiaterin begleitet, welche wiederum die &Auml;rztin als Spezialistin f&uuml;r Wochenbettdepressionen ausfindig gemacht hatte.</P>
<p class="lit"><B><I>Behandlungsart: </I></B>Hier<B> &amp; </B>wird der unterschiedliche Schweregrad der Erkrankung deutlich; Karin hat unter einer schweren, nach meinem Kenntnisstand jedoch nicht psychotischen, depressiven Episode gelitten und musste f&uuml;nf Monate lang station&auml;r behandelt werden. Inga wurde w&auml;hrend der akuten Phase (14 Tage) zu Hause von Partner und Mutter rund um die Uhr betreut, so dass auch bei ihr von einer zumindest mittelschweren depressiven Episode ausgegangen werden muss. Swantjes &Auml;rztin schilderte mir deren Depression als eher leicht, daf&uuml;r spricht, dass auf eine medikament&ouml;se Behandlung verzichtet werden konnte, die sie zudem auch abgelehnt hat.</P>
<p class="lit"><B><I>Erleben der Depression: </I></B>Diese Erfahrung ging bzw. geht bei allen Frauen mit z.T. als existentiell bedrohlich erlebten <B>&Auml;ngsten</B> einher, Karin berichtet von der Angst wahnsinnig zu werden und von der Angst vor einem Kontrollverlust, da sie unertr&auml;gliche Phasen der<B> Agitiertheit</B> durchlitten hat, w&auml;hrend deren sie vor Verzweiflung mit dem Kopf gegen die Wand gerannt ist. Das Thema <B>Kontrolle </B>zieht sich durch die Berichte aller drei Frauen. So leiden Swantje und Inga darunter, mit Kind nicht mehr planen zu k&ouml;nnen, und Inga ist froh dar&uuml;ber, nicht mehr stillen zu m&uuml;ssen, weil sie seitdem die Trinkmengen ihres Kindes kontrollieren kann. Ihre Beschreibung eines Heftchens, in dem sie die Trinkmengen genau notiert hat, ist eindrucksvoll und spricht von einer gro&szlig;en &Auml;ngstlichkeit bez&uuml;glich der Versorgung ihres Kindes w&auml;hrend der ersten Monate.</P>
<p class="lit">Sowohl Swantje als auch Inga beschreiben <B>bereits vor Auftreten der Depression ein beachtliches Kontrollbed&uuml;rfnis: </B>so hasst Swantje generell <I>&quot;dieses Chaosgef&uuml;hl&quot;</I>, und Inga betont ihr schon immer ausgepr&auml;gtes Bed&uuml;rfnis zu planen.  </P>
<p class="lit">Besonders Karin und Inga leiden bzw. litten unter einer ausgepr&auml;gten <B>inneren Unruhe; </B>Swantje schildert ein Fehlen an Gelassenheit. W&auml;hrend sowohl Karin als auch Swantje von <B>Suizidgedanken </B>sprechen, ist es Inga ausgesprochen wichtig gewesen, ihrer Umgebung (Familie, &Auml;rztin) zu versichern, dass sie weder sich selbst noch ihrem Kind etwas antun wolle.</P>
<p class="lit">Karin beschreibt das<B> Gef&uuml;hl, &quot;nicht dazuzugeh&ouml;ren&quot;,</B> und Swantje berichtet von gro&szlig;er <B>Einsamkeit und Isolation.</B> W&auml;hrend Karin sich von ihrem Partner nicht verstanden f&uuml;hlt, was sie jedoch z.T. bestehenden Wesensunterschieden zuschreibt, stellt Swantje ihren Mann als vollkommen r&uuml;cksichts- und verst&auml;ndnislos und nicht unterst&uuml;tzend dar. Zwar r&auml;umt sie auf meine Nachfrage hin ein, dass sie mehrmals gemeinsam bei ihrer Psychiaterin waren, die eine Paartherapie vorgeschlagen hat, jedoch bef&uuml;rchtet sie, dass sich nichts &auml;ndert, sie spr&auml;chen zwar beide &uuml;ber Ver&auml;nderungen, seien jedoch zu &quot;faul&quot;, um eine Therapie in Angriff zu nehmen. Lediglich Inga schildert ihren Partner als verst&auml;ndnisvoll und die Beziehung als Unterst&uuml;tzung.</P>
<p class="lit">Alle drei Frauen berichten von der <B>Angst, dass ihr Kind unter der Depression leiden k&ouml;nnte. </B>Karin hat insbesondere innerhalb der ersten Monate den Wunsch versp&uuml;rt, ihr Kind abgeben zu k&ouml;nnen, und beschreibt zeitweise negative Gef&uuml;hle ihrer Tochter gegen&uuml;ber, der sie die Schuld f&uuml;r ihre Depression gegeben habe. Inga leidet besonders unter der st&auml;ndigen Verantwortung f&uuml;rs Kind und strebt an, etwas davon abzugeben, indem sie einen Kindergartenplatz sucht. Swantje bezeichnet die st&auml;ndige Anwesenheit ihres Kindes als gro&szlig;es Problem; sie f&uuml;hle sich dadurch gefangen.  </P>
<p class="lit">Inga, die ihre aktuelle Befindlichkeit positiv bewertet, hat einige Monate vor dem Interview eine <B>Psychotherapie</B> angefangen und hat das Gef&uuml;hl, Fortschritte zu machen, so falle es ihr inzwischen leichter, sich auch in einer weniger aufger&auml;umten Wohnung wohl zu f&uuml;hlen. Karin sucht zur Zeit nach einer Psychotherapeutin, nach der Entlassung aus der Klinik habe sie erst einmal das Gef&uuml;hl gehabt, den Alltag in den Griff bekommen zu m&uuml;ssen. Swantje hingegen lockert den Kontakt zu ihrer Psychiaterin, sie glaubt, die Gespr&auml;che nicht mehr so zu brauchen.</P>
<p class="lit"><B><I>Aktuelle Lebenszufriedenheit: </I></B>Bez&uuml;glich dieser Kategorie f&auml;llt auf, dass <B>innerhalb der <U>Kontrollgruppe</U> die Zufriedenheit deutlich &uuml;berwiegt</B>; so nennt Anna ihr Leben als Mutter sch&ouml;ner und wertvoller als ihr fr&uuml;heres Leben. Sie weist jedoch auch auf die Einschr&auml;nkungen und Anstrengungen des Lebens mit Kind hin. Claudia spricht &#150; bei aller Zufriedenheit &#150; vom Alltagstrott, so dass der Eindruck entsteht, dass sie fr&uuml;here Freizeitunternehmungen und Reisen, die sie sehr genossen hat, vermisst. Marie-Luise schlie&szlig;lich bezeichnet sich als sehr zufrieden. </P>
<p class="lit">Innerhalb der <U>thematischen Gruppe</U> f&auml;llt Ingas gro&szlig;e Zufriedenheit ins Auge; ihr Leben k&ouml;nne ruhig so weitergehen, wie es jetzt ist. Karin hingegen bemerkt: <I>&quot;Es ist noch &uuml;berhaupt nichts gut...&quot; </I>und f&uuml;hlt sich dadurch motiviert, psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Swantje l&auml;sst ein Wunschdenken durchblicken, das vermutlich wenig hilfreich f&uuml;r sie ist: <I>&quot;Ich w&auml;r' gerne gl&uuml;cklich!&quot; </I>Somit wird deutlich, dass Inga die Depression am ehesten &uuml;berwunden hat, was vermutlich u.a. ihrer Bereitschaft zur Psychotherapie und ihrer positiv bewerteten Partnerschaft zu verdanken ist.</P>

<h5>Beziehungen (Tabellen 5a / 5b)</h5>
<p class="lit"><B><I>Beziehung zum Kind: </I></B>Hier ist der Altersunterschied der Kinder zu ber&uuml;cksichtigen; Anna (<U>K.G.)</U> und Swantje <U>(th.G.</U>), deren Babys zum Zeitpunkt des Interviews erst vier Monate alt waren, hatten vergleichsweise weniger Zeit, in die neue Rolle als Mutter hineinzuwachsen als die anderen Interviewpartnerinnen. </P>
<p class="lit">Aus Annas <U>(K.G.)</U> Bericht geht deutlich hervor, dass sie zun&auml;chst eine sehr harte Zeit der Gew&ouml;hnung an die neue Situation durchlebt hat; sie beschreibt ihre Tochter als h&auml;ufig und lang anhaltend schreiendes Baby, das sie und ihren Partner an die <B>Belastungsgrenzen</B> gebracht hat. Nach einer Zeit des R&uuml;ckzugs von der Au&szlig;enwelt, die etwa die ersten drei Monate umfasst hat, habe das Schreien jedoch nachgelassen, aktuell genie&szlig;t sie das lebhafte Temperament ihrer Tochter, die sie voller Stolz als &quot;fr&uuml;hreif&quot; bezeichnet. Es f&auml;llt ihr eher schwer, ihr Kind anderen zu &uuml;berlassen; als sie sie etwa mit drei Monaten zum ersten Mal f&uuml;r zwei Stunden ihren Schwiegereltern anvertraut hat, seien Tr&auml;nen geflossen. Marie-Luise (<U>K.G.</U>) genie&szlig;t die <B>enge Mutter-Kind-Bindung</B> und freut sich &uuml;ber die Entwicklung ihres Sohnes und &uuml;ber das gute gegenseitige Kennen und aufeinander Reagieren. Sie nimmt ihren Partner in die Beziehung hinein, obwohl ihr das ein wenig schwer zu fallen scheint. Claudia <U>(K.G.)</U> berichtet &uuml;ber<B> Freude</B> am Spiel mit ihrem Kind, dessen verz&ouml;gerte motorische Entwicklung sie jedoch<B> beunruhigt</B>. Obwohl sie ihr Phantasiebaby &#150; einen lebhaften Jungen &#150; aufgeben musste, beschreibt sie das Wesen ihrer Tochter sehr liebevoll. Alle drei M&uuml;tter habe ich in der <B>Interaktion</B> mit ihrem Kind als <B>liebevoll und feinf&uuml;hlig</B> erlebt, wobei die Beobachtungszeit bei Anna nur kurz war (&quot;Stillpause&quot;).   </P>
<p class="lit">Bereits im Rahmen der Auswertung der Tabelle 4b wurde erw&auml;hnt, dass die M&uuml;tter aus der <U>thematischen Gruppe</U> Angst versp&uuml;ren, die Depression k&ouml;nne ihrem Kind schaden bzw. es k&ouml;nne etwas davon mitbekommen. Hinzu kommt eine gro&szlig;e <B>Unsicherheit bei der Deutung kindlicher Signale</B> bei Swantje und Inga. In Ingas Bericht spielt dar&uuml;ber hinaus die <B>Angst vor der Verantwortung f&uuml;r ihr Kind</B> eine ganz gro&szlig;e Rolle; schon kurz nach der Geburt habe es sie ganz unangenehm ber&uuml;hrt, f&uuml;r ihr Kind zust&auml;ndig zu sein. Als Gegenbeispiel ist hier Anna (<U>K.G.)</U> zu nennen, die darauf bestand, ihr Baby in der ersten Nacht nach der Geburt bei sich im Zimmer zu behalten, und das Krankenhaus am Tag nach der Geburt verlie&szlig;. </P>
<p class="lit">Angst vor der Verantwortung bringt auch Swantje zum Ausdruck, dar&uuml;ber hinaus habe sie nach der Geburt unter <B>Verlust&auml;ngsten </B>(auf Mann und Kind bezogen) gelitten. Zur Zeit stellen die <B>Abh&auml;ngigkeit des Kindes und seine st&auml;ndige Anwesenheit</B> eines ihrer gr&ouml;&szlig;ten Probleme dar, einige Bemerkungen in diesem Zusammenhang lassen <B>verdeckte Aggressionen</B> durchblicken. Weiterhin spricht eine ausgepr&auml;gte <B>Konkurrenz zwischen m&uuml;tterlichen und kindlichen Bed&uuml;rfnissen</B> aus ihrem Bericht; nun ist dies sicherlich ein Aspekt, der alle M&uuml;tter betrifft, er wird jedoch von den Frauen aus der <U>Kontrollgruppe</U> in dieser Form nicht problematisiert. Hier mag als bedeutsam hinzukommen, dass Swantje einen <B>lebhaften Wunsch nach Selbsterh&ouml;hung durch ihr Kind</B> zum Ausdruck gebracht hat und m&ouml;glicherweise auf diesem Hintergrund doppelt entt&auml;uscht ist, dass ein Baby zun&auml;chst einmal vorwiegend <I>nimmt</I> und den geschilderten Wunsch nicht erf&uuml;llt.</P>
<p class="lit">Auch Karin spricht das Thema der<B> Konkurrenz </B>zwischen Mutter und Kind an: wenn sich ihr Partner in den ersten Tagen nach der Geburt um ihr Kind gek&uuml;mmert habe, sei sie eifers&uuml;chtig geworden, da sie sich ebenfalls sehr hilfsbed&uuml;rftig gef&uuml;hlt habe. Sie leide vor allem unter den<B> fehlenden Gef&uuml;hlen</B> ihrer Tochter gegen&uuml;ber, deren Bed&uuml;rfnisse sie gern intuitiv erfassen m&ouml;chte. Ihre Vorstellungen von sich selbst als Mutter nicht erf&uuml;llen zu k&ouml;nnen, belaste sie sehr. Andererseits sprechen aus ihrem Bericht auch<B> m&uuml;tterlicher Stolz und Freude</B>, etwa wenn sie das lebhafte und aufgeweckte Wesen des Kindes beschreibt.  </P>
<p class="lit">In der<B> Interaktion</B> mit ihrem Kind habe ich Inga als<B> feinf&uuml;hlig</B> und Karin als<B> feinf&uuml;hlig bei ausgepr&auml;gt dysphorischer Stimmung</B> erlebt. Als <B>problematisch und wenig feinf&uuml;hlig</B> (eher wie mit einer Puppe) empfand ich die Interaktion Swantjes mit ihrem Baby, die im Rahmen der Einzelfalldarstellung ausf&uuml;hrlich geschildert wurde.</P>
<p class="lit">Diese Beobachtungen und die Berichte der <U>depressiven Frauen</U> lassen deutlich werden, dass die <B>Depression eine Belastung f&uuml;r die Mutter-Kind-Beziehung darstellt, </B>so dass auch unter diesem Aspekt eine psychotherapeutische Begleitung als unbedingt n&ouml;tig anzusehen ist. Die Mutter-Kind-Beziehung wird von den nicht depressiven Frauen insgesamt als unkomplizierter dargestellt, obwohl auch sie Belastungen und &Auml;ngste thematisieren.</P>
<p class="lit"><B><I>Partnerschaft:</I></B> Auch hier<B> &amp; </B>fallen deutliche <B>Unterschiede</B> zwischen den Gruppen auf: die <U>nicht depressiven</U> Frauen bewerten ihre Beziehungen<B> durchweg positiv </B>und berichten von <B>Unterst&uuml;tzung</B> durch ihren Partner. Dabei kommt der <B>emotionalen Unterst&uuml;tzung</B> offenbar besondere Bedeutung zu: so stellt etwa Marie-Luise ihren Partner als in Haushaltsdingen eher unerfahren dar, Haushalt und Kind seien eher ihr Revier. Besonders im Geburtsbericht kommt eine gro&szlig;e emotionale N&auml;he der Partner zum Ausdruck, die vermutlich besonders zur positiven Bewertung der Beziehung beitr&auml;gt. Claudia berichtet von gemeinsamen Gespr&auml;chen mit ihrem Mann &uuml;ber Probleme in ihrer Herkunftsfamilie und &uuml;ber Vors&auml;tze f&uuml;r die eigene Familie; auch hier zeigt sich emotionale N&auml;he. Haushalt und Kinderbetreuung bew&auml;ltigt sie wohl vorwiegend alleine, so berichtet sie davon, dass ihr Partner ihr &#150; vor allem am Wochenende &#150; immer wieder Hilfe anbiete und dass er entsetzt darauf reagiere, wie selten sie von sich aus Bescheid sage, wenn sie ihn brauche. Anna hingegen berichtet sowohl von emotionaler als auch von praktischer Unterst&uuml;tzung, wobei zu ber&uuml;cksichtigen ist, dass ihr Partner sein Studium gerade abgeschlossen hat und noch nicht arbeitet.</P>
<p class="lit">Von den <U>postpartal depressiven</U> Frauen bewertet nur eine, n&auml;mlich Inga, ihre Partnerschaft<B> positiv. </B>Sie berichtet davon, dass ihre Beziehung gut eingespielt sei, allerdings f&auml;llt mir auf, dass sie ihre <B>&Auml;ngste</B> w&auml;hrend der Schwangerschaft ihrem Mann <B>nicht mitteilt</B> &#150; ganz im Gegensatz etwa zu Anna (<U>K.G.)</U> &#150; um ihn zu sch&uuml;tzen, wie sie sagt. Damit untersch&auml;tzt sie wohl ihr eigenes Bed&uuml;rfnis nach Schutz und Unterst&uuml;tzung. Sein <B>gro&szlig;es Verst&auml;ndnis</B> f&uuml;r ihre Depression erstaunt und erfreut sie. W&auml;hrend der akuten Phase hat sie die Erfahrung gemacht, auf ihn und auf ihre Mutter z&auml;hlen zu k&ouml;nnen; sie wurde rund um die Uhr nicht allein gelassen, worin sich ein gro&szlig;er famili&auml;rer R&uuml;ckhalt zeigt. Bemerkenswert ist auch das positive gemeinsame Geburtserlebnis des Paares. Karin hingegen schildert die Anwesenheit ihres Partners im Krei&szlig;saal als wenig hilfreich. Sie bewertet ihre Partnerschaft<B> sehr kritisch</B> und berichtet von <B>Trennungsgedanken. </B>Als Hauptproblem nennt sie die <B>Wesensunterschiede </B>zwischen sich und ihrem Freund, die sich darin &auml;u&szlig;ern, dass sie mit ihm <B>nicht &uuml;ber Probleme reden </B>k&ouml;nne, jedoch feststelle, dass sie gerade das am allern&ouml;tigsten brauche. Diese Unterschiede seien durch die Depression st&auml;rker hervorgetreten, h&auml;tten allerdings schon vorher bestanden. Sie gesteht ihrem Partner zu, dass er es ihr, bedingt durch ihre Stimmung, zur Zeit gar nicht recht machen k&ouml;nne. Im Gegensatz dazu zeigt Swantje in ihrem Bericht eine sehr vorwurfsvolle Haltung ihrem Mann gegen&uuml;ber, dem sie <B>recht einseitig Schuld </B>an bestehenden Eheproblemen<B> zuweist: </B>er zeige sich vollkommen<B> verst&auml;ndnis- und r&uuml;cksichtslos</B>, weshalb es h&auml;ufig zu Streitereien komme. Erschwerend komme hinzu, dass sie noch nicht lange am aktuellen Wohnort leben (1&#189; Jahre) und Swantje au&szlig;er ihrem Partner keine sozialen Kontakte habe, auf die sie zur&uuml;ckgreifen k&ouml;nne.       </P>
<p class="lit">Der <B>Zufriedenheit mit der Partnerschaft</B> kommt damit eine <B>gro&szlig;e Bedeutung im Zusammenhang mit postpartalen Depressionen zu, </B>wobei verschiedene Richtungen der Kausalit&auml;t denkbar sind, die einander nicht ausschlie&szlig;en: </P>
<OL>
<li class="lit"><p class="lit">Die Entwicklung der Depression wird (unter anderem) durch die wenig positiv erlebte Partnerschaft beg&uuml;nstigt.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Die Partnerschaft wird durch die Erfahrung der Depression ung&uuml;nstiger bewertet.</p></li>
<li class="lit"><p class="lit">Andere relevante Variablen beeinflussen die Partnerschaft ung&uuml;nstig und tragen gleichzeitig zur Entstehung der Depression bei (hier w&auml;ren z.B. R&uuml;ckzugstendenzen und ein niedriger Selbstwert als m&ouml;gliche Variablen zu nennen). </p></li>
</OL>
<p class="lit"><font face="Wingdings">&agrave;</font> Ein Zutreffen aller drei Hypothesen und eine sich verst&auml;rkende Wechselwirkung ist ebenfalls denkbar. </P>
<p class="lit">Bedeutsam ist sicherlich die von den Frauen aus der <U>Kontrollgruppe</U> beschriebene <B>emotionale N&auml;he zu ihrem Partner</B>, die als eine wichtige Grundlage f&uuml;r eine gemeinsame Familiengr&uuml;ndung und die damit einhergehenden, tiefgreifenden Umstellungen angesehen werden kann. </P>
<p class="lit"><B><I>Beziehung zur Mutter: </I></B>Nur eine Interviewpartnerin, Marie-Luise (<U>K.G.)</U> bezeichnet die Beziehung zu ihrer Mutter als <B>sehr gut und unproblematisch</B>. Sie berichtet, dass sie durch die Erfahrung der Mutterschaft die Leistungen ihrer Mutter besser w&uuml;rdigen k&ouml;nne. Es falle ihr zwar insgesamt schwer, um Hilfe zu bitten, dies gelte jedoch am wenigsten f&uuml;r ihre Mutter, die sie z.B. nach der Geburt um Unterst&uuml;tzung im Haushalt gebeten habe. Sowohl Anna als auch Claudia (beide <U>K.G.</U>) berichten von <B>problematischen Aspekten</B> der Mutter-Tochter-Beziehung. So habe Anna ihre alleinerzeihende Mutter oft als &uuml;berlastet erlebt und sei entt&auml;uscht dar&uuml;ber gewesen, dass sie wenig mit ihr unternommen habe. Dabei hat sie die Entt&auml;uschung nicht gegen sich selbst gerichtet, sondern ihrer Mutter Vorw&uuml;rfe gemacht, wof&uuml;r sie sich heute sch&auml;me; inzwischen empfinde sie, bedingt durch die eigenen Erfahrungen mit der Mutterschaft, Hochachtung vor der Leistung ihrer Mutter und versuche nun, alles wieder gut zu machen. Claudia schildert eine Zweiteilung innerhalb ihrer Familie, wobei ihre Mutter die gro&szlig;e Schwester vorgezogen habe, w&auml;hrend sie der Liebling ihres Vaters gewesen sei. Durch diese Bevorzugung und das als &uuml;berf&uuml;rsorglich und dominant erlebte Wesen ihrer Mutter sei die Beziehung belastet gewesen. W&auml;hrend der Zeit, in der eine Krebserkrankung bei der Mutter festgestellt worden sei, habe sich die Beziehung jedoch verbessert, beide haben <I>&quot;besser zueinander gefunden ... als vorher&quot;</I>. &Uuml;ber die gro&szlig;e Freude ihrer Mutter an ihrem Enkelkind freut sie sich mit. </P>
<p class="lit">Bei allen Problemen wirkt die <B>Schilderung </B>der Mutter-Tochter-Beziehung<B> koh&auml;rent</B>, Anzeichen von <B>Ambivalenz </B>sind <B>nicht zu finden</B>, es entsteht der Eindruck, dass beide Gespr&auml;chspartnerinnen sich <B>mit den problematischen Beziehungsaspekten auseinandergesetzt</B> haben.</P>
<p class="lit">Dar&uuml;ber hinaus finden sich in den Berichten der <U>nicht depressiven</U> Frauen<B> keine Hinweise</B> darauf, dass sie von ihrer Mutter noch<B> nicht gut abgel&ouml;st</B> w&auml;ren.</P>
<p class="lit">Die Frauen aus der <U>thematischen Gruppe</U> stellen ihre <B>Mutter-Tochter-Beziehung diesbez&uuml;glich anders</B> dar: so stellt Inga fest, sie sei von ihrer Mutter <B>noch nicht <I>&quot;abgenabelt&quot;</I></B>, Karin wendet sich mit Problemen eher an ihre Mutter als an ihren Partner, und Swantjes Schilderung der Mutter-Tochter-Beziehung zeugt von tiefen, nicht bearbeiteten Konflikten, was ebenfalls gegen eine vollzogene Abl&ouml;sung spricht.</P>
<p class="lit">Sowohl aus Ingas als auch aus Swantjes Bericht spricht<B> gro&szlig;e Ambivalenz</B>, wenn es um ihre Mutter geht. So stellt Inga ihre Mutter zun&auml;chst uneingeschr&auml;nkt als ihr Vorbild dar, insbesondere hinsichtlich ihrer Berufst&auml;tigkeit und ihrer <I>&quot;gleichbleibende(n) Stimmung&quot;</I>. Erst nach und nach kommt im Gespr&auml;ch heraus, dass sie unter den besitzergreifenden Z&uuml;gen der Mutter leidet und sich <B>viel mehr Distanz w&uuml;nscht</B>. Interessant ist auch ihre Begr&uuml;ndung daf&uuml;r, sich erst mit sechsunddrei&szlig;ig f&uuml;r ein Kind entschieden zu haben (mit ihrem Mann war sie zu diesem Zeitpunkt bereits vierzehn Jahre lang zusammen): sie habe es selbst oft nicht sch&ouml;n gefunden, so junge Eltern zu haben, insbesondere als Teenager habe es sie gest&ouml;rt, dass sie kaum etwas ohne sie habe unternehmen k&ouml;nnen. Hier kann man von einer verschwommenen Generationsgrenze sprechen, welche die Abl&ouml;sung eines Kindes sicherlich erschwert. Inga leidet unter dem Gef&uuml;hl, der <B>Lebensinhalt ihrer Mutter</B> zu sein, f&uuml;r die sie wichtiger sei als ihr Vater (bzw. Adoptivvater). Mit Hilfe ihres Mannes versuche sie nun, sich von ihrer Mutter mehr zu l&ouml;sen, wobei es ihr offensichtlich <B>schwer</B> f&auml;llt,<B> Grenzen zu setzen</B>, da sie niemanden verletzen will und zudem w&auml;hrend der akuten Phase ihrer Erkrankung auf die Hilfe ihrer Mutter angewiesen war.   </P>
<p class="lit">Swantje berichtet davon, <B>w&auml;hrend ihrer ersten drei Lebensjahre fremdbetreut</B> worden zu sein. Durch die Erfahrung der Mutterschaft k&ouml;nne sie sich jetzt vorstellen, was dies damals f&uuml;r sie bedeutet habe; sie empfinde nun<B> Wut </B>dar&uuml;ber, schon so fr&uuml;h von ihrer Mutter getrennt worden zu sein. Es ist denkbar, dass sie auf diesem Hintergrund keine sichere, sondern entweder eine unsicher-vermeidende, oder eine unsicher-ambivalente Bindung aufgebaut hat, was weitreichende Folgen f&uuml;r das Erleben und Gestalten sp&auml;terer Bindungen haben kann.</P>
<p class="lit">Sie stellt weiterhin fest, dass sie <I>&quot;psychologische Sachen&quot;</I> nicht mit ihrer Mutter bespricht, und erw&auml;hnt gro&szlig;e Bedenken, sie nach der Geburt um Hilfe zu bitten, was sie jedoch in ihrer Not dennoch getan habe. Andererseits beteuert sie, ein tiefes und inniges Verh&auml;ltnis &#150; wenn auch vollkommen ohne k&ouml;rperliche Z&auml;rtlichkeiten &#150; zu ihrer Mutter zu haben: hier entsteht ein ausgesprochen <B>inkoh&auml;rentes Bild </B>dieser Beziehung, die nach meiner Einsch&auml;tzung einer Aufarbeitung bedarf. Sie bringt zum Teil eine gro&szlig;e Distanz zwischen sich und ihrer Mutter zum Ausdruck, etwa wenn sie angesichts der Freude ihrer Mutter &uuml;ber ihr Enkelkind bemerkt: <I>&quot;...des find' ich sch&ouml;n f&uuml;r sie. *4*&quot;</I> Diese Freude kann offenbar nicht gemeinsam erlebt werden, Swantje grenzt sich hier beinahe trotzig ab.</P>
<p class="lit">Karin bezeichnet die <B>Beziehung zu ihrer Mutter als gut, </B>sie k&ouml;nne aktuelle Partnerschaftsprobleme gut mit ihr besprechen. Meine Frage, ob ihre Mutter schon immer ein gutes Gesp&uuml;r f&uuml;r ihre Stimmungen gehabt habe, beantwortet sie einschr&auml;nkend mit <I>&quot;oft&quot;</I>, woran sich eine lange Pause anschlie&szlig;t. Im Verlauf der Gespr&auml;che, insbesondere beim dritten Termin, kommen nach und nach ihre<B> Probleme mit der Depression ihrer Mutter</B> zum Vorschein, die etwa in Karins zw&ouml;lften Lebensjahr begonnen und sich &uuml;ber Jahre hingezogen habe. Sehr verhalten r&auml;umt sie ein, dass sie <I>&quot;schon dann, * Schwierigkeiten&quot; </I>gehabt habe; besonders durch das viele Weinen ihrer Mutter habe sie sich <B>schuldig und v&ouml;llig hilflos gef&uuml;hlt und gro&szlig;e Angst gehabt, etwas Falsches zu sagen. </B>W&auml;hrend ihrer Zeit im Internat habe sie daher auch den Kontakt zur Mutter eingeschr&auml;nkt. Auf m&ouml;gliche Folgen dieser Probleme wurde in Karins Einzelfallbeschreibung schon deutlich hingewiesen. Aus ihrem Bericht geht hervor, dass die Zeit der Depression ihrer Mutter tiefe Spuren hinterlassen hat, die sie &#150; angesichts ihrer verhaltenen Schilderung &#150; <B>offenbar nicht aufgearbeitet</B> hat. Gef&uuml;hle wie &Auml;rger oder Wut dar&uuml;ber, unter der m&uuml;tterlichen Erkrankung gelitten zu haben, kommen in keiner Weise zum Ausdruck. Es erscheint naheliegend, dass sie ihre Mutter besch&uuml;tzen wollte, was an einen Rollentausch denken l&auml;sst.</P>
<p class="lit">Vergleicht man nun die Mutter-Tochter-Beziehungen der Frauen aus der <U>thematischen</U> und der <U>Kontrollgruppe</U>, so fallen eine<B> gr&ouml;&szlig;ere Konflikthaftigkeit, Ambivalenz und eine nicht vollzogene Abl&ouml;sung von der Mutter bei den depressiven Frauen</B> auf die insbesondere bei Swantje anl&auml;sslich der Geburt des Kindes st&auml;rker hervortritt.</P>

<h5>Kognitive Variablen (Tabelle 6)</h5>
<p class="lit"><I>Kontroll&uuml;berzeugung (Locus of control): </I>Hier ist festzustellen, dass aus den Berichten der <U>nicht depressiven</U> Frauen eine <B>interne </B>(Marie-Luise) bzw. eine <B>eher interne </B>(Anna, Claudia)<B> Kontroll&uuml;berzeugung</B> spricht. Annas und Claudias Kontroll&uuml;berzeugung scheint durch die neuen Aufgaben als Mutter etwas ins Wanken zu geraten (bei Anna zun&auml;chst durch ihr &quot;Schreikind&quot;, Claudia wirkt durch die motorisch eher langsame Entwicklung ihrer Tochter verunsichert und fragt sich, was sie zu ihrer Motivation zu krabbeln beitragen kann), ohne dass jedoch von einer externen Kontroll&uuml;berzeugung gesprochen werden kann, da beide <B>Strategien zur Bew&auml;ltigung ihrer Situation entwickeln,</B> wozu es einer eher internen Kontroll&uuml;berzeugung bedarf; so geht Anna mit ihrer Tochter im Wagen h&auml;ufig in Shopping-Centern spazieren, da sie dort zufriedener wirkt und weniger schreit, und Claudia geht mit ihrem Kind zum S&auml;uglingsschwimmen, um ihre Entwicklung zu f&ouml;rdern. </P>
<p class="lit">Die Berichte der Frauen aus der <U>thematischen Gruppe</U> sprechen jedoch f&uuml;r eine <B>eindeutig externe </B>(Swantje)<B> bzw. eine eher externe </B>(Karin und Inga) <B>Kontroll&uuml;berzeugung. </B></P>
<p class="lit">Swantjes externe Kontroll&uuml;berzeugung kommt deutlich in einem h&auml;ufigen, so oder &auml;hnlich formulierten Satz zum Ausdruck: <I>&quot;Es ist halt so!&quot;</I> Auf meine Frage, was ihr dabei helfen k&ouml;nnte, ihre Situation zu verbessern, antwortet sie seufzend: <I>&quot;Ja, das &uuml;berleg' ich auch die ganze Zeit, das is' ja des, wenn ich das w&uuml;sste, da h&auml;tt' ich ja keine Probleme mehr!&quot;</I>. Besser ginge es ihr, wohnte sie an einem Ort, wo sie Familie bzw. Freunde hat: <I>&quot;Aber es IS' halt nicht so&quot;</I>.</P>
<p class="lit">Inga bringt eine eher externe Kontroll&uuml;berzeugung durch h&auml;ufiges Reden vom <I>Schicksal </I>oder von <I>F&uuml;gungen</I> (etwa dass ihre Mutter genau zum Zeitpunkt ihrer Entbindung in Fr&uuml;hrente geht und darum mehr Zeit f&uuml;r Inga hat) zum Ausdruck. Aktuell freut sie sich jedoch &uuml;ber ihre Erfolge im Rahmen der Psychotherapie und berichtet davon, viel f&uuml;r die Verbesserung ihrer Situation zu tun, was f&uuml;r eine <B>&Auml;nderung </B>hinsichtlich ihrer Kontroll&uuml;berzeugung spricht.</P>
<p class="lit">Karins gro&szlig;e Hilflosigkeit nach der Geburt kann als Hinweis auf eine eher externe Kontroll&uuml;berzeugung angesehen werden, aktuell gibt es diesbez&uuml;glich Anzeichen einer <B>Ver&auml;nderung,</B> so spricht sie vom Wunsch, sich ihrem Leben wieder zu stellen und es selbst in die Hand zu nehmen, wozu ein gewisses Ma&szlig; an interner Kontroll&uuml;berzeugung n&ouml;tig ist. Auch ihre Suche nach einer Psychotherapeutin spricht f&uuml;r die Absicht, ihre Situation positiv zu beeinflussen. </P>
<p class="lit"><B><I>Attributionsstil: </I></B>Hinweise<B> &amp; </B>fanden sich nicht bei allen Interviewpartnerinnen, so lassen sich im Bericht von Marie-Luise keine eindeutigen Belege, etwa f&uuml;r interne Attribution von Misserfolg oder von Erfolg, ausmachen. Ein eindeutiger <B>Gruppenunterschied</B> l&auml;sst sich ebenfalls <B>nicht feststellen</B>: sowohl Anna und Claudia <U>(K.G.</U>) als auch Karin und Inga <U>(th.G.</U>) zeigen Beispiele interner Attribution von Misserfolg. Swantje (<U>th.G.)</U> neigt dazu, ihrem Umfeld und insbesondere ihrem Partner einseitig die Schuld an ihrer Situation zuzuschreiben, was als externe Attribution von Misserfolg betrachtet werden kann. Bei Claudia und Inga haben die Beispiele interner Attribution von Misserfolg mit ihrem Kind zu tun, was die Verunsicherung in der Mutterrolle widerspiegelt. Inga attribuiert jedoch auch den Erfolg, ein fr&ouml;hliches Kind zu haben, intern, das hei&szlig;t, sie betrachtet es als z.T. ihr Verdienst. Es ist bemerkenswert, dass sich unter den gefundenen Hinweisen auf das Attributionsverhalten<B> insgesamt mehr Beispiele f&uuml;r eine interne Attribution von Misserfolg</B> befinden. Darin k&ouml;nnte sich eine Verunsicherung der Frauen in der neuen Mutterrolle bzw. eine gr&ouml;&szlig;ere Verletzlichkeit des Selbstvertrauens w&auml;hrend des &Uuml;bergangs von der Frau und Partnerin zur Mutter ausdr&uuml;cken.  </P>
<p class="lit"><B><I>Handlungsbereitschaft / Copingstrategien:</I></B> Diese sind bei zwei Interviewpartnerinnen im Wandel begriffen. Im Schwangerschaftsbericht finden sich sowohl bei Karin als auch bei Inga (beide <U>th.G.)</U> Beispiele f&uuml;r <B>&quot;emotional-fokussierte Copingstrategien&quot;, </B>wie Wunschdenken oder Vermeidung, wobei Inga auch &amp; von &quot;problem-fokussierten Copingstrategien&quot;, wie z.B. der Suche nach M&uuml;ttergruppen, an die sie sich nach der Geburt anschlie&szlig;en kann, spricht. Bei beiden findet offenbar z.Zt. eine<B> Hinwendung zu &quot;problem-fokussierten Copingstrategien&quot; </B>statt, indem sie aktiv Kontakte suchen bzw. wiederaufnehmen (Karin) und sich um Psychotherapie k&uuml;mmern (Karin) bzw. in Therapie sind (Inga). Im Falle Ingas ist die stundenweise Wiederaufnahme ihrer Berufst&auml;tigkeit als &quot;problem-fokussierte Copingstrategie&quot; anzusehen, die ihr Kontakt zu ihrem fr&uuml;heren Umfeld erm&ouml;glicht und sich auf ihr Selbstwertgef&uuml;hl sicherlich positiv auswirkt, da sie sich im Beruf als erfolgreich erlebt. &Uuml;berwiegend <B>&quot;emotional-fokussierte Copingstrategien&quot;</B> gehen aus Swantjes <U>(th.G.)</U> Bericht hervor, hier finden sich reichlich Beispiele f&uuml;r Wunschdenken und Vermeidung. So vermeidet sie die Gespr&auml;che mit ihrer &Auml;rztin, indem sie die Abst&auml;nde zwischen den Terminen vergr&ouml;&szlig;ert, und sie vermeidet es bereits vor und w&auml;hrend der Schwangerschaft, Beziehungen am (relativ) neuen Wohnort aufzubauen. Die von ihrer &Auml;rztin ge&auml;u&szlig;erte Idee einer Paartherapie bewertet sie positiv, bezeichnet sich und ihren Mann jedoch als zu <I>&quot;faul&quot; </I>dazu. Hier ist wenig Handlungsbereitschaft zu entdecken. Es erscheint mir bemerkenswert, dass sich Karin und Inga als im Vergleich zu Swantje viel schwerer depressiv erkrankte Frauen aktiv um eine Ver&auml;nderung ihrer Situation bem&uuml;hen, w&auml;hrend Swantje in der Resignation verharrt.</P>
<p class="lit">Innerhalb der <U>Kontrollgruppe</U> &uuml;berwiegen deutlich die Beispiele f&uuml;r <B>&quot;problem-fokussierte Copingstrategien&quot;, </B>die sich z.B. in einer aktiven Auseinandersetzung mit &Auml;ngsten (Marie-Luise, Anna) oder in der aktiven Suche nach neuen Kontakten (Anna, Claudia) nach der Geburt &auml;u&szlig;ern. Anna besucht eine Stillgruppe und nimmt Kontakt zu einer anderen Mutter eines &quot;Schreikindes&quot; auf, um Entlastung und Verst&auml;ndnis in ihrer Situation zu erfahren.</P>
<p class="lit">Beim Intergruppenvergleich ist also ein klares <B>&Uuml;berwiegen der &quot;problem-fokussierten Copingstrategien&quot;</B> in der <U>Kontrollgruppe</U> und eine <B>Tendenz zu &quot;emotional-fokussierten Copingstrategien</B>&quot; in der <U>thematischen Gruppe</U>,<B> die jedoch </B>(bei zwei Frauen) <B>einem Wandel unterliegt, </B>festzustellen.</P>

<h5>Affektive Variablen (Tabelle 7)</h5>
<p class="lit"><I>&Auml;ngste:</I> Ein Vergleich der von den Frauen ge&auml;u&szlig;erten &Auml;ngste zeigt, dass es Themen gibt, die diesbez&uuml;glich f&uuml;r alle / fast alle Interviewpartnerinnen bedeutsam sind. Dazu z&auml;hlt die <B>Geburt</B>, die von allen Frauen mit Ausnahme von Claudia als bedrohlich erlebt wurde, wobei die Angst sich vorwiegend auf den <B>Geburtsschmerz </B>bezieht. Allerdings berichteten zwei Interviewpartnerinnen, Anna <U>(K.G.)</U> und Inga (<U>th.G.</U>), auch von der Angst,<B> bei der</B> <B>Geburt sterben zu k&ouml;nnen</B>. Anna und Swantje (<U>th.G.</U>) &auml;u&szlig;erten auf dem Hintergrund ihrer Vorgeschichte Angst<B> vor einer Fehlgeburt</B>, die bei Anna die ersten drei, bei Swantje die ersten f&uuml;nf Monate umfasste. Anna <U>(K.G.</U>) erz&auml;hlt von gro&szlig;en &Auml;ngsten w&auml;hrend der Schwangerschaft, bei denen es um die zuk&uuml;nftige Familie, die Rolle ihrer &quot;Schwiegermutter&quot; und um die Solidarit&auml;t ihres Partners ging. Von gro&szlig;er <B>Angst w&auml;hrend der Geburt, </B>die als Todesangst bezeichnet werden kann, berichtet Karin, diese als &uuml;berflutend empfundene Angst wurde im Rahmen des Vergleichs der Geburtserlebnisse bereits zur Sprache gebracht. Die <B>&Auml;ngste nach der Geburt</B> beziehen sich &uuml;berwiegend auf die<B> Versorgung des Kindes. </B></P>
<p class="lit">Dar&uuml;ber hinaus berichten die M&uuml;tter der <U>thematischen Gruppe</U> von<B> &Auml;ngsten,</B> die innerhalb der <U>Kontrollgruppe</U> nicht zur Sprache kamen, wie z.B. Verlustangst, die auf Kind und Partner bezogen ist, Todesangst, Angst, verr&uuml;ckt zu werden, Angst, nicht schlafen zu k&ouml;nnen, Angst vor der Verantwortung f&uuml;r ihr Kind, Angst vor Kontrollverlust und die Angst, dass das Kind unter der Depression leiden k&ouml;nne.   </P>
<p class="lit"><B><I>Umgang mit den &Auml;ngsten: </I>Unterschiede</B> zwischen der <U>thematischen</U> und der <U>Kontrollgruppe</U> zeigen sich jedoch nicht nur darin,<I> wovor</I> die Frauen Angst haben, sondern auch<B> im Umgang mit den &Auml;ngsten: </B>die Frauen aus der <U>Kontrollgruppe</U> berichten von einer <B>Auseinandersetzung</B> mit angstbesetzten Themen. Dar&uuml;ber hinaus hat sich insbesondere Anna ihrem Partner ge&ouml;ffnet und gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung erfahren; er habe ihr alle &Auml;ngste nehmen k&ouml;nnen und sie mit seinem Optimismus angesteckt. In der Tat spricht ihr Geburtsbericht daf&uuml;r, dass sie ihre w&auml;hrend der Schwangerschaft intensiv empfundenen &Auml;ngste hinter sich lassen konnte. </P>
<p class="lit">Innerhalb der <U>thematischen Gruppe</U> zeigt sich hingegen besonders pr&auml;partal eine Neigung, &Auml;ngste zu<B> verharmlosen</B> und zu<B> verschweigen, </B>so dass<B> keine Entlastung</B> von diesen &Auml;ngsten erlebt wurde. Karin wirkt auch w&auml;hrend der Geburt mit ihren &Auml;ngsten alleingelassen: vom Partner f&uuml;hlt sie sich nicht verstanden, die Hebamme verl&auml;sst oft den Krei&szlig;saal, dar&uuml;ber hinaus sei es ihr nicht leichtgefallen, den Schmerz (und wohl auch die Angst) herauszuschreien; sie habe immer nur <I>&quot;so nach innen gebrummt&quot;</I>, hier wirkt sie auf mich vollkommen<B> in ihrer Angst gefangen</B>. Erst<I> nach</I> der Geburt, im Zusammenhang mit der Depression, haben Karin und Inga ihre &Auml;ngste ihrem Partner und ihrer Mutter mitgeteilt. </P>
<p class="lit"><B><I>Umgang mit Aggressionen: </I></B>Diese Kategorie<B> &amp; </B>ist innerhalb der <U>Kontrollgruppe</U> beinahe leer (in Marie-Luises und Claudias Bericht waren keine Hinweise zu finden), jedoch keineswegs ohne Aussage: Anna, die einzige Gespr&auml;chspartnerin dieser Gruppe, bei der Aggressionen ein Thema sind, kann diese Gef&uuml;hle deutlich zum Ausdruck bringen, ob es die Wut dar&uuml;ber ist, nach der Aufnahme im Krei&szlig;saal in die Badewanne &quot;abgeschoben&quot; und dort alleingelassen zu werden, oder &Auml;rger &uuml;ber ihre Mutter, mit der sie gerne mehr unternommen h&auml;tte;<B> sie richtet diese Aggressionen nicht gegen sich selbst. </B>Im Gegensatz dazu finden sich in der <U>thematischen Gruppe</U> bei Inga und Karin <B>deutliche Hinweise auf eine Aggressionshemmung</B>. Swantje geht aus ihrem Bericht insgesamt <B>nicht </B>als <B>aggressionsgehemmt</B> hervor; so berichtet sie von h&auml;ufigen Streitereien mit ihrem Mann. Aggressionen ihrem Kind gegen&uuml;ber wurden f&uuml;r mich deutlich, von ihr selbst vermutlich jedoch nicht wahrgenommen bzw. abgewehrt.</P>

<h5>Zukunftsw&uuml;nsche &amp; Ressourcen (Tabelle 8)</h5>
<p class="lit"><I>Zukunftsw&uuml;nsche: </I>Bei den Frauen aus der <U>Kontrollgruppe</U> drehen sie sich insbesondere um das Wohl des Kindes und der gesamten Familie, wobei Anna die Gefahr eines Krieges thematisiert und Marie-Luise einr&auml;umt, dass man die Entwicklung des Kindes nicht in der Hand hat; in beiden F&auml;llen geht es also um Gefahren, die von au&szlig;en kommen k&ouml;nnten. Bei Claudia spielt der Wunsch, weitere Kinder zu bekommen, die gr&ouml;&szlig;te Rolle, wobei sie <I>besonders</I> gerne noch einen Jungen h&auml;tte. Berufliche Zukunftsw&uuml;nsche werden von allen Frauen genannt, jedoch an zweiter Stelle; insbesondere Marie-Luise r&auml;umt ein, dass Karriere f&uuml;r sie nicht mehr den ersten Platz einnimmt. Die Perspektive der Frauen l&auml;sst sich als<B> familienorientiert</B> beschreiben. </P>
<p class="lit">Auch innerhalb der <U>thematischen Gruppe</U> spielen das Wohl des Kindes und die Zukunft als Familie eine Rolle, so &auml;u&szlig;ert Inga den Wunsch, ihr Kind so lange wie m&ouml;glich begleiten zu k&ouml;nnen, und hofft, dass es sp&auml;ter ein zufriedenes Leben f&uuml;hren kann und gl&uuml;cklich ist. Ihr Hauptwunsch ist es jedoch, <B>gesund zu bleiben</B>, worin sie mit Karin &uuml;bereinstimmt, deren Hauptwunsch es ist, <B>gesund zu werden;</B> hier kommt die elementare und belastende Rolle der Depression im Leben der Frauen zum Ausdruck. Karin w&uuml;nscht sich,<B> sich selbst und die Gef&uuml;hle f&uuml;r ihr Kind wiederzufinden, </B>selbstsicherer und mit sich selbst wieder zufriedener zu werden. Swantje beschreibt ihren Wunsch, wieder gesund zu werden, recht salopp: <I>&quot;..dass ich besser drauf komme&quot;</I>. Als weiteren Wunsch nennt sie <I>&quot;geordnete Verh&auml;ltnisse</I>&quot;, was sie nicht genauer ausf&uuml;hrt. Weiterhin sehnt sie sich nach einer Verbesserung der Partnerschaft und nach Familienurlaub. Die Perspektive wirkt in dieser Gruppe eher <B>genesungsorientiert, </B>was noch einmal deutlich macht, dass die postpartale Depression als Krankheit erlebt wird und nicht etwa als verst&auml;rkte Anpassungsproblematik. </P>
<p class="lit"><B><I>Ressourcen: </I></B>F&uuml;r die <U>nicht depressiven Frauen</U> sind ein hohes <B>Selbstwertgef&uuml;hl </B>(Marie-Luise, Anna), <B>Selbstvertrauen </B>(alle drei) und &uuml;berwiegend &quot;<B>problem-fokussierte Copingstrategien</B>&quot; zu nennen, weiterhin kommen eine eher <B>interne Kontroll&uuml;berzeugung </B>(alle drei), <B>Offenheit</B> (Anna, Marie-Luise) und nicht zuletzt eine <B>positiv bewertete, emotional unterst&uuml;tzende Partnerschaft </B>(alle drei) in ihren Berichten zum Ausdruck. Alle drei Frauen pflegen regelm&auml;&szlig;ige <B>Kontakte und Freundschaften</B>, insbesondere Claudia und Anna zeigen die F&auml;higkeit, <B>Vertrauen</B> zu investieren. Dar&uuml;ber werden in Marie-Luises Bericht ihre gro&szlig;e Autonomie, ihre hohe Frustrationstoleranz und ihr reflektierter Umgang mit der neuen Situation deutlich.</P>
<p class="lit">Innerhalb der <U>thematischen Gruppe</U> erfreut sich lediglich Inga einer<B> positiv bewerteten, unterst&uuml;tzenden Partnerschaft, </B>zu deren Gelingen ihre<B> F&auml;higkeit zum Perspektivenwechsel</B> sicherlich beitr&auml;gt. Auch ihre<B> Mutter</B> ist als <B>wichtige Unterst&uuml;tzung</B> zu nennen, die Betreuung durch Partner und Mutter rund um die Uhr hat Inga m&ouml;glicherweise eine station&auml;re Behandlung erspart. Ihr gro&szlig;es<B> Verantwortungsbewusstsein</B> und ihre Bereitschaft, sich mit der Depression auseinander zu setzen, haben sicher einen wesentlichen Anteil an ihrer &Uuml;berwindung der Krise. Auch Karin konnte sich auf die <B>Unterst&uuml;tzung ihrer Mutter</B> verlassen, die wenige Tage nach der Geburt angereist sei, um ihrer Tochter zu helfen, und die daf&uuml;r gesorgt habe, dass sie professionelle Hilfe in Anspruch nahm. In ihrer Partnerschaft f&uuml;hlt sie sich unverstanden, allerdings kann sie auf <B>Freunde </B>zur&uuml;ckgreifen, deren Kontakt sie zum Zeitpunkt des Interviews wieder verst&auml;rkt sucht. Sie reflektiert <B>selbstkritisch </B>ihre R&uuml;ckzugstendenzen und bringt dabei ein <B>hohes Ma&szlig;</B> <B>an Introspektionsf&auml;higkeit</B> zum Ausdruck. Swantje kann auf eine Familie zur&uuml;ckgreifen, die sich mit ihr &uuml;ber die Schwangerschaft freut, und auf eine <B>Mutter,</B> die w&auml;hrend der Zeit der gr&ouml;&szlig;ten Krise zur<B> Unterst&uuml;tzung</B> kommt. Ihre Bed&uuml;rfnisse kann sie gut mitteilen, ihr Umfeld beschreibt sie jedoch als r&uuml;cksichtslos. Die Isolation ist sicherlich eines ihrer gr&ouml;&szlig;ten Probleme.</P>
<p class="lit">Der Vergleich beider Gruppen unterstreicht noch einmal die Bedeutung einer <B>emotional unterst&uuml;tzenden Partnerschaft,</B> eines<B> intakten Selbstwertgef&uuml;hls</B> und<B> Selbstvertrauens, </B>sowie einer<B> internen Kontroll&uuml;berzeugung</B> und <B>&quot;problem-fokussierter Copingstrategien&quot;.</B></P>
<p class="lit">In Anbetracht der <B>unterst&uuml;tzenden M&uuml;tter</B> (im Falle Ingas auch des Partners) der <U>postpartal depressiven Frauen</U> kann <B>nicht pauschal von einer geringeren sozialen Unterst&uuml;tzung</B> gesprochen werden, wobei allerdings Swantje unter einem Mangel an Freunden und Bekannten am aktuellen Wohnort leidet.  </P>

<h5>Ideen zur Unterst&uuml;tzung von Frauen mit postpartaler Depression (Tabelle 9 [nur thematische Gruppe])</h5>
<p class="lit">Diese Ideen bringen noch einmal wichtige Aspekte der Erkrankung aus der Sicht der Betroffenen zu Ausdruck. So betont Karin die Notwendigkeit, dass Hebammen und &Auml;rzte die Kr&auml;fte der M&uuml;tter realistisch einsch&auml;tzen und z.B. <B>nicht zum Stillen dr&auml;ngen</B>. Depressiven Frauen sollte weiterhin die Angst vor ihren negativen Gedanken dem Kind gegen&uuml;ber genommen werden, die als Teil der Krankheit verstanden werden sollten. Die Unterst&uuml;tzung durch eine <B>Familienhelferin</B> schildert sie als gro&szlig;e Hilfe. Die<B> Familie sollte mehr in die Behandlung einbezogen werden.</B> Zum Thema Geburt &auml;u&szlig;ert sie die Vorstellung, dass eine <B>Beleghebamme,</B> die sie vorher kennen lernen kann, wichtig w&auml;re. <B>Ambulant </B>w&uuml;rde sie <B>nicht wieder entbinden</B> wollen, da sie das als <B>&Uuml;berforderung </B>erfahren habe, es w&auml;re wichtig f&uuml;r sie, rund um die Uhr jemanden um Rat fragen zu k&ouml;nnen. Inga sieht die Gr&uuml;ndung von <B>Selbsthilfegruppen</B> als wichtigen Beitrag zur Unterst&uuml;tzung an. Auch eine <B>Haushaltshilfe </B>w&auml;re gut f&uuml;r sie gewesen, sie habe es als belastend empfunden, ihre Mutter so stark in Anspruch nehmen zu m&uuml;ssen. Dabei ist der Wunsch, sich von ihrer Mutter zu distanzieren, sicher von Bedeutung. Eine <B>Unterst&uuml;tzungsm&ouml;glichkeit f&uuml;r die Partner</B> sieht sie ebenfalls als wichtig an. Im Rahmen der Geburtvorbereitungskurse sollten<B> Informationen &uuml;ber postpartale Depressionen</B> vermittelt werden. F&uuml;r sie selbst sei die <B>Besch&auml;ftigung mit der Erkrankung in der Psychotherapie</B> sehr wichtig gewesen. Swantje stellt <B>Aufkl&auml;rungsarbeit</B> und ein <B>gr&ouml;&szlig;eres Verst&auml;ndnis</B> f&uuml;r von PPD betroffene Frauen in den Vordergrund, sie betont, dass ja &uuml;berhaupt gar kein Verst&auml;ndnis da sei. Hebammen und &Auml;rzte sollten <B>besser geschult</B> werden. Es sollten <B>keine Schuldgef&uuml;hle bei depressiven M&uuml;ttern ausgel&ouml;st werden. </B>Sie nennt eine Vielzahl an w&uuml;nschenswerten, praktischen Unterst&uuml;tzungsm&ouml;glichkeiten: B&uuml;cher, Gruppen, Einrichtungen / R&auml;umlichkeiten, damit sich betroffene Frauen treffen k&ouml;nnen, Fahrgemeinschaften, um dorthin zu kommen, Erholungseinrichtungen, die speziell f&uuml;r Frauen mit postpartaler Depression konzipiert werden. Dar&uuml;ber hinaus seien Reportagen, am besten auch ein Kinofilm &uuml;ber das Thema notwendig. Hier zeigt sich ein gro&szlig;er Wunsch, versorgt zu werden und keine Eigeninitiative ergreifen zu m&uuml;ssen, sogar die Fahrt zu einem Treffen sollte ihr m&ouml;glichst abgenommen werden. Eine Tendenz, von sich selbst weg auf &quot;die anderen&quot;, denen es generell an Verst&auml;ndnis mangele (was eine recht dichotomisierende Sichtweise verr&auml;t), zu verweisen, wird in ihren W&uuml;nschen deutlich. </P>

<p>&nbsp;</p>

</td></tr></table>
</table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td valign="top" align="center" colspan="2" bgcolor="#CCCCCC">
<p class="zit">© 2003 <a href="http://www.qualitative-forschung.de/publikationen/postpartale-depressionen/index.htm">http://www.qualitative-forschung.de/publikationen/postpartale-depressionen/</a>, Status: 28. August 2003</p></td><td valign="top" align="center"></td>
</tr>

</table>
</div>
</center>
</body>
</html>
