<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//DE">
<html>
<head>
<META http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=iso-8859-15">

<META NAME="author" CONTENT="Karl Prokopp">
<META NAME="description" CONTENT="Webpraesenz zu DIE INNENSEITE DER SCHULREFORM; Studie und Anhang; Discussionsboard">
<meta name="language" content="de">
<meta name="copyright" content="FQS">
<META NAME="robots" CONTENT="index, follow">
<meta name="revisit-after" content="30 days">
<META NAME="keywords" CONTENT="Qualitative Sozialforschung, Qualitative Forschung, Interview, Gruppendiskussion, Biographieforschung, Teilnehmende Beobachtung, Ethnographie, L&auml;ngsschnitt, Interpretation, Trinagulation, Schulentwicklungsprozess, Protokolle, Lehrerkonferenzen, Aushandlungsprozesse, dokumentarische Methode, Transkripte, Anselm Strauss, Sinnrekonstruktion, Fallgeschichte, Graduiertenkolleg Schulentwicklungsforschung, technologischer Wandel, Schulbegleitforschung, Forschungskolloquium , Fritz Sch&uuml;tze, methodisch kontrolliertes Fremdverstehen, Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen, Basisregeln der Alltagskommunikation, teilnehmende Beobachtung, Grounded Theory, Chicago-Soziologie, negotiated order, Symbolischer Interaktionismus, Interaktion, Organisation, Organisationsentwicklung, Organisationsanalyse, Qualitative Organisationsanalyse, Qualitative Organisationsforschung, Sozialen Welten, situated learning, erz&auml;hltheoretischer Ansatz, Konversationsanalyse, Sequenzen, Prozessstrukturen, Statuspassagen, Verlaufskurve, Mehrebenenanalyse, Team-Modell, Kontrastierung, kontrastiver Vergleich, Paradoxien professionellen Handelns, Antinomien, theoretical sampling, Kategorien, Kategorisierung, Mikropolitik, micropolitics, Victor Turner, Karl Mannheim, strukturelle Beschreibung, Gegenhorizont, konjunktiver Erfahrungsraum, Fallstruktur, Theoretische Kontrastfigur, berufsbiographische Konstruktion, komparative Analyse, Schulkonzeption, Dokumentsinn, professionelles Selbstkonzept, Ausk&uuml;hlungsprozesse, Wissensbest&auml;nde, Interaktionsrahmen, Aktualtext, Adressat, Professionstheorie, Generationenkonflikt, Handlungsschemata, abstrakt-formale Konstruktion, Klassenkonferenz, Klassenlehrer, Konferenzleiter, soziales Drama, Handlungsformen, Handlungsraum, Grenzschwierigkeiten, Grenzph&auml;nomene der Interaktion, Verlaufskurvenproblem, Beziehungsstrukturen">
<title>Die Innenseite der Schulreform; Karl Prokopp</title>
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="style.css">
</head>

<body link="#3A3ABD" vlink="#000080" leftmargin="30" bgcolor="#FFFFFF" text="#000000">
<center>
<div align="left">

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="3" width="90%">
<tr>
<td valign="top" bgcolor="#CCCCCC">
<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">
<tr>
<td valign="top" width="90%"></td>
</tr>
<tr><td valign="top" width="90%"><img border="0" ALT="Willkommen &#150; Forum Qualitative Schulentwicklung" src="Fotos/schule000.gif" width="130" height="98"></td></tr>
<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="http://www.qualitative-research.net/" target="_blank">qualitative-research.net</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><b><A HREF="http://www.qualitative-forschung.de/publikationen/schulreform/">Home</A></b></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><b>Innenseite der Schulreform (Buch)</b></p></td></tr>
 
<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="Vorwort.html">Vorwort: Fritz Sch&uuml;tze</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Inhalt.html">Inhaltsverzeichnis</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Kapitel1.html">Kapitel 1</a> (Einleitung)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Kapitel2.html"> Kapitel 2</a> (Protokolle)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Kapitel3.html"> Kapitel 3</a> (Interviews)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Kapitel4.html"> Kapitel 4</a> (Aktualtext)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Kapitel5.html"> Kapitel 5</a> (Auswertung)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Literatur.html">Literatur</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Anhang.html">Anhang</a> (Datenkranz)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Downloads.html">Downloads</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Biographie.html">Autor</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="abbco"><b>Aktuelle Situation</b></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><img border="0" ALT="Forum Qualitative Schulentwicklung" src="Fotos/Schule2036.gif" width="130" height="97"></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Fotos.html">Fotostra&szlig;e</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><b>Services</b></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Links.html">Links</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Forum.html">Diskussionsforum</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>
<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

</table>


<td valign="top">
<p class="fqscoanf">Die Innenseite der Schulreform</p>
<p class="fqsco">Comenius-Schule 1993-2004 &#150; Aktuelle Situation</p>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">

<tr valign="top">
<td>
<p class="lit">Die Entwicklung der Comenius-Schule vom Untersuchungszeitraum bis zur Gegenwart ist dadurch bestimmt, dass sie von dem Niveau einer eigenst&auml;ndigen Weiterentwicklung wieder auf das Niveau der Abh&auml;ngigkeit von den &uuml;berkomplexen Strukturen des Systems der Schulverwaltung zur&uuml;ckgef&uuml;hrt wird. Das geschieht dadurch, dass sich die Schulleitung mit ihrem Anspruch, das Geschehen in der Hand zu behalten, wieder durchsetzen kann und von ihr zunehmend weniger Wert auf die eigene L&ouml;sungskompetenz der Lehrer(innen) gelegt wird. Die Arbeit an der Entwicklung der Schule wird immer st&auml;rker auf kleine Gremienzirkel reduziert. Die Diskussionen &uuml;ber die Ver&auml;nderung der Schule auf Kollegiumsebene verebben somit und werden abgel&ouml;st von Verst&auml;ndigungsritualen mit der Schulleitung und den &uuml;brigen Lehrer(inne)n &uuml;ber die erzielten  Errungenschaften im Schulbetrieb. Die Team-Arbeit wird dabei wieder eingeholt von den gew&ouml;hnlichen Problemen des Schulalltages (Antinomien, Paradoxien), die nun nicht mehr fr&uuml;hzeitig bearbeitet werden, sondern die sich durch die Verz&ouml;gerungen zu Konflikten aufschaukeln. Die Handlungsentw&uuml;rfe der Lehrer(innen) orientieren sich zunehmend an den abstrakten Vorgaben des Organisationsentwurfs Schule, wie er in den rechtlichen Verlautbarungen des Schulgesetzes und anderer Gesetze definiert wird. St&ouml;rungen durch die Sch&uuml;ler(innen) werden nicht mehr als hilflose Demonstration ihrer Verst&auml;ndnisprobleme betrachtet, sondern als willentliche Regel&uuml;bertretung innerhalb dieses Organisationsentwurfs Schule. Dieser Entwurf sei in jedem Falle – davon wird nun wieder ausgegangen – durch ad&auml;quate Einzelhandlungen von Lehrer(inne)n und Sch&uuml;ler(inne)n in die soziale Wirklichkeit umzusetzen. Es schleichen sich nun wieder verst&auml;rkt Feindbilder in die Deutungsrahmen von Lehrer(inne)n und Sch&uuml;ler(inne)n ein, die zur allm&auml;hlichen Erosion der urspr&uuml;nglichen Reformvorstellungen f&uuml;hren. P&auml;dagogische Gesamtkonferenzen, die nur noch sehr selten stattfinden, werden von der Schulleitung als „Innehalten“ bei der Pflicht der t&auml;glichen Lehrer(innen)arbeit angesehen. Das Bewusstsein &uuml;ber den Sinn und Zweck der durchgef&uuml;hrten Reform des Team-Modells geht verloren. Die Schule droht durch das Verschwinden der Erinnerung an die Anf&auml;nge der Reform unter den Lehrer(inne)n auch jene Kultur der grunds&auml;tzlichen wechselseitigen Anerkennung, des Streits und der Kompromisse zu verlieren und bei der Gestaltung des Lehrer(innen)-Sch&uuml;ler(innen)-Verh&auml;ltnisses in die chaotische Situation zu Beginn der 80er Jahre zur&uuml;ckzufallen. </p> 
<p class="lit">Junge Lehrer(innen), die seit Beginn des neuen Jahrhunderts die in Pension gegangenen Lehrer(innen) ersetzen, haben keinerlei Vorstellung mehr von der Geschichte der Comenius-Schule. Sie neigen dazu, ihre Lage als Lehrer(innen) als permanente Auseinandersetzung mit Sch&uuml;ler(inne)n und zum Teil auch deren Eltern zu begreifen, bei der sie sich durchsetzen m&uuml;ssen und bei der ihnen niemand hilft. Es gibt kein allgemeines Bewusstsein von den gemachten Erfahrungen und somit auch keinerlei Systematisierung der Erinnerungen. Die Kluft zwischen den inzwischen &auml;lter gewordenen Lehrer(innen), welche die Geschichte der Schule miterlebt haben, und den neu hinzugekommenen j&uuml;ngeren Lehrer(innen) l&auml;sst sich nur schwer &uuml;berbr&uuml;cken. Es wiederholt sich der von Huberman (1991) und Terhart u.a. (1994) untersuchte Generationenzyklus an Schulen, nur dass es sich nun mit der Konstellation der Auffassungen &uuml;ber die professionelle T&auml;tigkeit inzwischen umgekehrt verh&auml;lt. Nun sind es die jungen Lehrer(innen), welche sich problemlos in die neu entstandenen Strukturen einpassen, Ver&auml;nderungen mit Skepsis sehen und an den ihnen bekannten Verh&auml;ltnissen festhalten wollen. Zwar sind um die Jahrhundertwende 2000 herum zun&auml;chst einige Lehrer(innen) eingestellt worden, die bereits lange Zeit in vergleichbaren Einrichtungen der Erwachsenenbildung gearbeitet hatten,  in etwa gleich alt sind und &auml;hnliche Auffassungen haben wie der gr&ouml;&szlig;te Teil der &auml;lteren Lehrer(innen), doch sind die danach eingestellten Lehrer(innen) wesentlich j&uuml;nger und geh&ouml;ren einer anderen Generation an. In j&uuml;ngster Zeit werden wie in den 70er Jahren wieder junge Zeitkr&auml;fte eingestellt, die ausfallende Lehrer(innen) kurzfristig ersetzen und danach wieder verschwinden. Sie k&ouml;nnen trotz eigener Bem&uuml;hungen auf Grund ihrer undurchsichtigen Perspektive keine Bindungen zu den Sch&uuml;ler(inne)n aufbauen. </p>
<p class="lit">Die F&ouml;rderung der Sch&uuml;ler(innen), auf die nach PISA verst&auml;rkt wieder Wert gelegt wird, bleibt vor dem Hintergrund einer durch den Generationswechsel gepr&auml;gten Schule zerfasert wie in den 70er und den beginnenden 80er Jahren. Versch&auml;rfend wirken sich die neuerdings wieder verst&auml;rkt einsetzenden Sparbem&uuml;hungen aus, die durch Mehrarbeit der Lehrer(innen) und dadurch m&ouml;glich gewordene Stelleneinsparungen umgesetzt werden sollen. Auf diese Weise entstehen Stellen&uuml;berh&auml;nge, so dass wie zu Beginn der 80er Jahre mit Abordnungen von Lehrer(inne)n an andere Schulen zu rechnen ist. Solche Abordnungen werden von denen, die davon betroffen sind, als sozialer Eingriff zu ihren Ungunsten empfunden. Der Grund liegt darin, dass Schulen gewachsene Beziehungsgef&uuml;ge sind, in denen jede(r) Lehrer(in) seinen/ihren festen Platz hat. Der Wechsel hin&uuml;ber zur Beziehungskonstellation einer anderen Schule ist zumindest anf&auml;nglich mit Unkenntnis der dortigen Umgangsformen und Ansprechpartner verbunden. Dadurch besteht die Gefahr, als Lehrer(in) wieder in eine Anf&auml;ngerrolle hineingezwungen zu werden. Damit verbunden w&auml;re der Einsatz in schwierigen Lerngruppen und wenig M&ouml;glichkeiten, diese Situation zu ver&auml;ndern. </p>
<p class="lit">Reaktionen auf die sich allm&auml;hlich entwickelnde neue Situation sind seit den fr&uuml;hen 90er Jahren an der Comenius-Schule nur noch in den daf&uuml;r zust&auml;ndigen Schul-Gremien wie dem „P&auml;dagogischen Ausschuss“ m&ouml;glich. So kommt es dort und in der Schulleitung Anfang des folgenden Jahrzehnts zu &Uuml;berlegungen &uuml;ber eine Umwandlung der Schule von einer integrierten Gesamtschule weg hin zu einer kooperativen Gesamtschule mit Gymnasialzweig. Mit knapper Mehrheit wird in der zustimmungspflichtigen Gesamtkonferenz der Lehrer(innen) die Umwandlung beschlossen. Das Team-Modell wird dabei stillschweigend aufgegeben.</p>
<p class="lit">Seit dem Schuljahr 2002/03 findet der erneute formale Umbau der Comenius-Schule statt, der mit einer schrittweisen Integration in das f&uuml;r Hessen vorgesehene Modell der „Neuen Verwaltungssteuerung“ (NVS) einhergeht. Mit diesem Steuerungsmodell soll das alte „kameralistische“ Modell, das nur eine Aufgabenbeschreibung f&uuml;r Lehrer(innen) und Funktionstr&auml;ger(innen) vorsah und die Mittelzuweisung durch ausdifferenzierte Hierarchieebenen immer un&uuml;bersichtlicher machte, durch eine ergebnisorientierte Steuerung ersetzt werden. Lehrer(innen)- und Mittelzuweisungen erfolgen nach diesem Steuerungsmodell auf der Grundlage der im Unterricht erzielten Ergebnisse, die sich als Sch&uuml;ler(innen)leistungen messen lassen (Hochst&auml;tter 2003).</p>
<p class="lit">Der Prozess der Angleichung an das NVS-Modell ist mit der Anpassung an jeweils neu gesetzte Vorgaben verbunden und geschieht keinesfalls bewusst. Dies sind in den Hauptf&auml;chern (Deutsch/ Englisch/ Mathematik) durchzuf&uuml;hrende „Vergleichsarbeiten“ in den Jahrgangsstufen 8 und 10 oder Pr&uuml;fungsszenarien f&uuml;r Abschlusspr&uuml;fungen in den Jahrg&auml;ngen 9 (Hauptschule) und 10 (Realschule). Die Pr&uuml;fungsaufgaben und die Bewertungskriterien hierf&uuml;r werden zentral erstellt und bilden mit den auf „Bildungsstandards“ aufbauenden neuen Lehrpl&auml;nen f&uuml;r die &uuml;bergeordnete Beh&ouml;rde perspektivisch die M&ouml;glichkeit die Lehrer(innen)arbeit einer st&auml;rkeren Kontrolle zu unterziehen. Darin besteht eine Chance und zugleich eine Gefahr. Eine Chance besteht dann, wenn die Landesregierung in Hessen bereit ist, in den Bildungssektor zu investieren und sich in den Schulaufsichtsbeh&ouml;rden zugleich eine neue, unterst&uuml;tzende Denkweise durchsetzt. Eine Gefahr besteht dann, wenn ohne den Modellwechsel zu ber&uuml;cksichtigen Einsparungen vorgenommen werden und die alten, auf Beibehaltung der Hierarchien von oben nach unten bestehenden Strategien weiterhin zur Anwendung kommen.</p>
<p class="lit">An der Comenius-Schule hat sich seit 2002 formal eine Tendenz zu Anpassungsstrategien durchgesetzt, die f&uuml;r die Arbeit der Lehrer(innen) jedoch mit Risiken verbunden ist. Die Glaubw&uuml;rdigkeit ihrer Arbeit hatte unter solchen Anpassungsstrategien bis zu diesem Zeitpunkt bereits stark gelitten, was sich darin zeigte, dass Eltern wie auch Sch&uuml;ler(innen) bei Unzufriedenheit mit der Handlungsweise einzelner Lehrer(innen) sofort den Direktor informierten, der dann die betroffenen Lehrer(innen) um eine Stellungnahme bat. Problematisch war dabei, dass der Schutz der Schulleitung bei ungerechtfertigten Anschuldigungen nicht selbstverst&auml;ndlich war. Zugleich betrieb sie eine Informationspolitik, mit der sie bestrebt war, die Lehrer(innen) auf Distanz zu halten und ihnen nur die Informationen zukommen zu lassen, die sie veranlassen w&uuml;rden, in ihrem Sinne zu handeln. In der neuen Situation, in der sich Ver&auml;nderungen abzeichnen, ohne dass deutlich wird in welche Richtung, sind aber alle diese Handlungsschemata in Bewegung geraten und bieten Raum f&uuml;r die Konstituierung einer neuen Schulkonzeption.</p>
<p class="lit"><b>Ausblick</b></p>
<p class="lit">Es ist nun eine &Uuml;bergangssituation entstanden, die wiederum genauer untersucht werden muss. Der Schwerpunkt der Lehrer(innen)arbeit lag in den 80er und noch in den 90er Jahren auf der Herstellung einer emotionalen Balance im sozialen Beziehungsgef&uuml;ge Schule. Lehrer(innen)-Teams sollten f&uuml;r die Sch&uuml;ler(innen) Anlaufstellen bieten w&auml;hrend der vielen pers&ouml;nlichen Krisen des Pubert&auml;tsalters und gleichzeitig deren Lernprozesse stabilisieren. Die aktuelle Situation nach der Jahrtausendwende ist gepr&auml;gt von grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Krisen, die zu einem intensiven Suchen nach L&ouml;sungen gef&uuml;hrt haben. PISA ist Ausdruck der Globalisierung und Teil der Bem&uuml;hungen um Vereinheitlichung als Voraussetzung f&uuml;r weltweite Handels- und Produktionsbeziehungen. Vergleichbare Standards soll es nicht nur f&uuml;r die G&uuml;terproduktion geben, sondern auch f&uuml;r das Wissen der Individuen, die in Zukunft mit anderen Individuen &uuml;berall auf der Erde in Verbindung treten k&ouml;nnen. </p>
<p class="lit">Die neuen computergest&uuml;tzten Technologien, welche diese &Uuml;bergangssituation herbeigef&uuml;hrt haben, &ouml;ffnen auf neue Weise das Tor zur Welt, zu Phantasien und zu neuen Abstraktionen. Dem gegen&uuml;ber steht die Welt der Sch&uuml;ler(innen), die kleine Welt des pers&ouml;nlichen Heranwachsens, wo alles zum Greifen nah ist.  Sie werden zuerst im Elternhaus, dann verst&auml;rkt in der Schule an das allen Individuen Gemeinsame, an die abstrakte Welt der Kultur herangef&uuml;hrt. Kulturtr&auml;ger sind die Medien, zu denen nun die Neuen Technologien hinzugekommen sind. Mit den Neuen Technologien konfrontiert zu werden, bedeutet, sich auf neue Weise unserer Kultur zu n&auml;hern und durch ihre Brille andere Kulturen und Wissenswelten kennen zu lernen. Schnittstelle ist der Prozess des Lernens, der in der Schule als systematische Aneignung von Wissen erfolgt, das selbstreflexiv verarbeitet werden soll. Erlernen der Anwendung der neuen Technologien bedeutet somit weitaus mehr als lediglich ein Computerprogramm zu beherrschen. </p>
<p class="lit">In der bewussten Adaption der Neuen Technologien k&ouml;nnte f&uuml;r die Lehrer(innen) eine Chance bestehen, Schulen weiterzuentwickeln und auf eine neue Grundlage zu stellen. &Uuml;ber das Internet ist jede Schule automatisch mit der ganzen Welt verbunden. Die Schule bekommt dadurch einen ganz neuen Charakter. Vor diesem Hintergrund der &Ouml;ffnung zur ganzen Welt m&uuml;ssten Traditionslinien neu gezogen werden. Die Schule als in sich ruhender Gesamtk&ouml;rper, als Bezugsrahmen f&uuml;r das erzieherische Handeln, was ja das Ideal des Team-Modells gewesen war, m&uuml;sste neu definiert werden. Nicht mehr als Anh&auml;ufung von Lehrer(innen)-Jahrgangsteams, die eine eigene kleine Welt bilden, sondern als Netz von Sch&uuml;ler(innen)-Lerngruppen mit klar definierten Schwerpunktinteressen, die sich weitere Kenntnisse woanders und m&ouml;glichst schnell und effektiv besorgen m&uuml;ssen. &Auml;ltere Sch&uuml;ler(innen) k&ouml;nnten den Lehrer(inne)n zur Seite stehen und weitaus besser erkl&auml;ren, worauf es ankommt als die Lehrer(innen), die den langen Weg der Kulturadaption bereits hinter sich haben und einen anderen Sprach-Code gebrauchen, den die Sch&uuml;ler(innen) erst erlernen m&uuml;ssen. Das Entscheidende f&uuml;r jeden Organisationsentwurf von Schule – auch jeden neuen – ist, dass er zun&auml;chst nur eine Vorstellung ist. Erst wenn er in die Vorstellungswelt von all den Menschen vorgedrungen ist, die formal zu dieser Organisation geh&ouml;ren, besteht die Chance, dass er durch ihre realen Handlungen auch wirklich Realit&auml;t wird.</p>
<p class="lit">Auf diese Weise k&ouml;nnten neue, von Schule zu Schule verschiedene Profile gebildet werden und ihre Wirksamkeit m&uuml;sste selbst&auml;ndig evaluiert werden k&ouml;nnen. Was die Comenius-Schule betrifft, so droht ihr – noch viel st&auml;rker als zu Beginn der 80er Jahre – eine Konkurrenzsituation gegen&uuml;ber anderen Schulen, die nun nicht mehr als Schulformkonkurrenz der Gesamtschulen zu den Gymnasien besteht, sondern als Konkurrenz zu allen anderen Schulen. Jede Schule muss sich daran messen lassen, inwieweit sie in der Lage ist, die Sch&uuml;ler(innen) auf den fundamentalen technologischen Wandel vorzubereiten, der sich mit der Einf&uuml;hrung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) abzeichnet. F&uuml;r die Comenius-Schule bedeutet dies, dass die fr&uuml;her vorhandene Selbst&auml;ndigkeit des Kollegiums nun wieder gefragt ist. </p>
<p class="zit"><b>Zitierte Literatur</b></p>
<p class="zit">Huberman, Michael (1991) Der berufliche Lebenszyklus von Lehrern: Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, in: Terhart, E., Unterrichten als Beruf. Neuere amerikanische und englische Arbeiten zur Berufskultur und Berufsbiographie von Lehrern und Lehrerinnen, K&ouml;ln-Wien: B&ouml;hlau, S.249-267</p>
<p class="zit">Terhart, Ewald/Czerwenka, Kurt/Ehrich, Karin/Jordan, Frank/Schmidt, Hans-Joachim (1994) Berufsbiographien von Lehrern und Lehrer/innen, Frankfurt/M.-Berlin-Bern: Peter Lang</p>
<p class="zit">Hochst&auml;tter, Hans-Peter (2003) <a href="http://www.ruhr-uni-bochum.de/sfe-hessen/Stand%20und%20Konsequenzen%20der%20Einf%FChrung%20NVS%20-%20April%202003.pdf" target="_blank">Forschungsprojekt Bildungssteuerung. Stand und Konsequenzen der Einf&uuml;hrung der NVS im Weiterbildungsbereich des Hessischen Kultusministeriums</a></p>
</td>
</tr>
</table>

</table>

<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">

<tr>

<td valign="top" align="center" colspan="2" bgcolor="#CCCCCC">

<p class="zit">© 2004 <a href="http://www.qualitative-forschung.de/publikationen/schulreform/" target="_blank">http://www.qualitative-forschung.de/publikationen/schulreform/</a>, Status: 12.6.2004</p>

</td>

<td valign="top" align="center"></td>

</tr>



</table>
</table>
</div>

</center>

</body>

</html>


