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<META NAME="author" CONTENT="Karl Prokopp">
<META NAME="description" CONTENT="Webpraesenz zu DIE INNENSEITE DER SCHULREFORM; Studie und Anhang; Discussionsboard">
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<META NAME="keywords" CONTENT="Qualitative Sozialforschung, Qualitative Forschung, Interview, Gruppendiskussion, Biographieforschung, Teilnehmende Beobachtung, Ethnographie, L&auml;ngsschnitt, Interpretation, Trinagulation, Schulentwicklungsprozess, Protokolle, Lehrerkonferenzen, Aushandlungsprozesse, dokumentarische Methode, Transkripte, Anselm Strauss, Sinnrekonstruktion, Fallgeschichte, Graduiertenkolleg Schulentwicklungsforschung, technologischer Wandel, Schulbegleitforschung, Forschungskolloquium , Fritz Sch&uuml;tze, methodisch kontrolliertes Fremdverstehen, Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen, Basisregeln der Alltagskommunikation, teilnehmende Beobachtung, Grounded Theory, Chicago-Soziologie, negotiated order, Symbolischer Interaktionismus, Interaktion, Organisation, Organisationsentwicklung, Organisationsanalyse, Qualitative Organisationsanalyse, Qualitative Organisationsforschung, Sozialen Welten, situated learning, erz&auml;hltheoretischer Ansatz, Konversationsanalyse, Sequenzen, Prozessstrukturen, Statuspassagen, Verlaufskurve, Mehrebenenanalyse, Team-Modell, Kontrastierung, kontrastiver Vergleich, Paradoxien professionellen Handelns, Antinomien, theoretical sampling, Kategorien, Kategorisierung, Mikropolitik, micropolitics, Victor Turner, Karl Mannheim, strukturelle Beschreibung, Gegenhorizont, konjunktiver Erfahrungsraum, Fallstruktur, Theoretische Kontrastfigur, berufsbiographische Konstruktion, komparative Analyse, Schulkonzeption, Dokumentsinn, professionelles Selbstkonzept, Ausk&uuml;hlungsprozesse, Wissensbest&auml;nde, Interaktionsrahmen, Aktualtext, Adressat, Professionstheorie, Generationenkonflikt, Handlungsschemata, abstrakt-formale Konstruktion, Klassenkonferenz, Klassenlehrer, Konferenzleiter, soziales Drama, Handlungsformen, Handlungsraum, Grenzschwierigkeiten, Grenzph&auml;nomene der Interaktion, Verlaufskurvenproblem, Beziehungsstrukturen">
<title>Die Innenseite der Schulreform; Karl Prokopp</title>
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<tr><td valign="top" width="90%"><img border="0" ALT="Willkommen &#150; Forum Qualitative Schulentwicklung" src="Fotos/schule000.gif" width="130" height="98"></td></tr>
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<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="http://www.qualitative-research.net/" target="_blank">qualitative-research.net</a></p></td></tr>

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<tr><td valign="top" width="90%"><p class="abbco">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<b>Home</b></p></td></tr>

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<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><b>Innenseite der Schulreform (Buch)</b></p></td></tr>
 
<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="Vorwort.html">Vorwort: Fritz Sch&uuml;tze</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Inhalt.html">Inhaltsverzeichnis</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Kapitel1.html">Kapitel 1</a> (Einleitung)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Kapitel2.html"> Kapitel 2</a> (Protokolle)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Kapitel3.html"> Kapitel 3</a> (Interviews)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Kapitel4.html"> Kapitel 4</a> (Aktualtext)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Kapitel5.html"> Kapitel 5</a> (Auswertung)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Literatur.html">Literatur</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Anhang.html">Anhang</a> (Datenkranz)</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Downloads.html">Downloads</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Biographie.html">Autor</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit">&nbsp;</p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Aktuell.html">Aktuelle Situation</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><img border="0" ALT="Forum Qualitative Schulentwicklung" src="Fotos/Schule2036.gif" width="130" height="97"></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Fotos.html">Fotostra&szlig;e</a></p></td></tr>


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<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><b>Services</b></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Links.html">Links</a></p></td></tr>

<tr><td valign="top" width="90%"><p class="zit"><a href="KP-Forum.html">Diskussionsforum</a></p></td></tr>

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<p class="fqscoanf">FORUM QUALITATIVE SCHULENTWICKLUNG
<br>Internetpr&auml;senz zu: Die Innenseite der Schulreform</p>
<p class="fqsco">von Karl Prokopp</p>
<p>&nbsp;</p>
<table summary="text" border="0" cellpadding="5" cellspacing="0" width="90%">

<tr valign="top">
<td>
<p class="lit"><b>Schulentwicklung ist aktuell in der Diskussion. Doch wie entwickeln? Rezepte gibt es viele, aber kaum eine fundierte Grundlage.</b></p>
<p class="lit">Mit dieser Webpr&auml;senz &#150; in deren Zentrum die Ver&ouml;ffentlichung der Studie "Die Innenseite der Schulreform" steht &#150; soll ein Forum geschaffen werden, um &uuml;ber Schulreform &#150; und genereller &uuml;ber Organisationsentwicklung &#150; zu informieren und zu diskutieren.</p> 
<p class="lit">In der Studie "Die Innenseite der Schulreform" wurde die Entwicklung einer Schule &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum hinweg verfolgt. Die Ergebnisse unterscheiden sich von der g&auml;ngigen Vorstellung, dass man Schulen nach bestimmten Anweisungen formen k&ouml;nne.</p>
<p>&nbsp;</p>

<p class="lit"><b>Ausgangspunkt der Studie "Die Innenseite der Schulreform"</b></p>
<p class="lit">Gegenstand der Studie ist die Entwicklung einer integrierten Gesamtschule in Hessen, die ich in Anlehnung an den tschechischen Reformer der fr&uuml;hen Neuzeit, der den Lernbegierigen jeglichen Standes eine umfassende Allgemeinbildung vermitteln wollte, Comenius-Schule genannt habe. Untersucht wird ihre Entwicklung w&auml;hrend des Zeitraumes von 1979 bis 1993, also die Zeit nach dem ersten Gr&uuml;ndungsjahrzehnt. Die integrierte Gesamtschule ist ein Produkt der Bildungsreformen der ausgehenden 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Da sie als eine Art Blaupause in den Denkfabriken von Universit&auml;ten und Ministerien entstanden war, blieb es den Lehrer(inne)n &uuml;berlassen, nach Errichtung und Aufnahme des Betriebes mit den Anfangsschwierigkeiten fertig zu werden. Sie mussten diese Blaupause in die Wirklichkeit &uuml;bertragen.</p>
<p class="lit">Das Bundesland Hessen geh&ouml;rte mit Berlin und Nordrhein-Westfalen zu den wenigen Bundesl&auml;ndern, in denen Gesamtschulen in gro&szlig;em Umfang gegr&uuml;ndet wurden. Es gab aber erhebliche Schwierigkeiten, diese Gesamtschulkonzeption auch umzusetzen, da in ihr die Menschen mit ihren Gef&uuml;hlen, pers&ouml;nlichen Erfahrungen, divergierenden Zielen, Unzul&auml;nglichkeiten usw. nicht vorkamen. Mit der Aufhebung von Schulformen und der Einf&uuml;hrung von Fachleistungskurse war beabsichtigt worden, f&uuml;r jede(n) Sch&uuml;ler(in) das seiner Begabung entsprechende Angebot bereit zu halten, Benachteiligungen durch vorzeitige Einsortierung in Schullaufbahnen aufzuheben und Lebenschancen zu er&ouml;ffnen. Der damit verbundene organisatorische Aufwand f&uuml;hrte aber zu einer Vernachl&auml;ssigung der menschlichen Beziehungen. Folglich verhielten sich dann die Sch&uuml;ler(innen) nicht immer so, wie es vorher angenommen worden war. Dieses Problem wieder zu beseitigen, w&auml;re mit noch gr&ouml;&szlig;erem organisatorischem Aufwand verbunden gewesen, der den politisch Verantwortlichen &ouml;konomisch nicht mehr vertretbar zu sein schien. Es folgte der schmerzliche Weg in eine Situation, die administrativ nicht mehr beherrschbar war und die Lehrer(innen) auf sich gestellt zur&uuml;cklie&szlig;. Gegen den Widerstand eines Schulaufsichtsapparates, dessen Mitglieder f&uuml;rchteten, die Kontrolle &uuml;ber die Gesamtschulen zu verlieren, waren in Hessen nur Insel-L&ouml;sungen schulischer Weiterentwicklung m&ouml;glich.</p>
<p class="lit"><b>Suche nach L&ouml;sungen</b></p>
<p class="lit">Da die Lehrerschaft an den neu gegr&uuml;ndeten Gesamtschulen anfangs in ihrer Mehrheit noch jung war, stellte sie sich den mit dieser Neukonstruktion verbundenen Problemen. Befl&uuml;gelt wurde sie durch den Ver&auml;nderungswillen, der f&uuml;r diese Zeit charakteristisch war. &Uuml;berall wurden am Modell der Gesamtschule partielle Ver&auml;nderungen vorgenommen, doch es gab nur wenige L&ouml;sungswege, die eine Stabilisierung versprachen. An der Comenius-Schule wurde im Schuljahr 1984/85 ein Lehrerteam-Jahrgangs-Modell eingef&uuml;hrt, mit dem es dann gelang, wieder eine Grundlage f&uuml;r p&auml;dagogische Handlungen herzustellen. Ziel war dabei, f&uuml;r die Sch&uuml;ler(innen) die Zahl der Bezugspersonen zu verringern und den Sch&uuml;ler(inne)n einen f&uuml;r Lernprozesse angemessenen &uuml;berschaubaren Ort innerhalb der Schule zu geben.</p>
<p class="lit"><b>Motive f&uuml;r die Untersuchung der Entwicklung der Comenius-Schule</b></p>
<p class="lit">Ich habe den gesamten Zeitabschnitt von 1979 bis 1993 als Lehrer an der Comenius-Schule gearbeitet und im Verlauf dieser Zeit viele Ungereimtheiten zwischen urspr&uuml;nglichem Reformanspruch und schulischer Wirklichkeit erlebt. Auch mit der angestrebten ver&auml;nderten Reform-Konzeption lie&szlig;en sich nicht alle Konflikte vermeiden. Nach Abschluss des ersten Sch&uuml;ler(innen)-Jahrgangs auf der Grundlage des Team-Modells im Jahre 1990 habe ich mich deshalb dazu entschlossen, diesen Wandlungsprozess der Comenius-Schule als Geschichte der Beziehungen von Menschen zu untersuchen und zwar als Menschen in einem sich wandelnden schulischen Beziehungsgef&uuml;ge. Ich wollte Klarheit haben &uuml;ber die tats&auml;chliche Funktionsweise von Schule.</p>
<p class="lit"><b>Wissenschaftlicher Beistand</b></p>
<p class="lit">Beistand erhielt ich durch Fritz Sch&uuml;tze, der mir eine Promotion und die Mitarbeit in seinem Forschungskolloquium anbot. &Uuml;ber ihn erhielt ich die M&ouml;glichkeit, im Graduiertenkolleg "Schulentwicklung an Reformschulen" der Universit&auml;ten Kassel, Bielefeld, Magdeburg und Jena mitzuarbeiten (1993 – 2000). Durch meine Freistellung vom Unterricht &uuml;ber eine Beurlaubung und die Diskussion meines Forschungsansatzes und meines Datenmaterials in diesen beiden Kolloquien ist es mir gelungen, die notwendige Distanz zu meinen eigenen Erlebnissen zu finden.</p>
<p class="lit"><b>Die Weitergabe von Erfahrungen an die Wissenschaft aus der Lehrerperspektive</b></p>
<p class="lit">Durch meine langj&auml;hrige T&auml;tigkeit als Lehrer war mir klar geworden, dass man den Anforderungen, die an die Lehrer(innen) gestellt werden, nicht einfach nur mit einem idealisierten Verst&auml;ndnis von P&auml;dagogik begegnen kann. Das, was ich &uuml;ber Didaktik gelernt hatte, schien von unterrichtlichen Idealzust&auml;nden auszugehen. Es wurde angenommen, dass Sch&uuml;ler(innen) stets hoch motiviert sind und dass sie genau darauf achten, wie die Lehrer(innen) argumentieren. Dass der Ablauf des Unterrichts von einer Vielzahl nicht vorhersehbarer Faktoren abh&auml;ngig ist, die mitunter eine chaotisch anmutende Gesamtsituation erzeugen, in welche Lehrer(innen) entweder mit Gef&uuml;hl f&uuml;r die vielen unterschiedlichen Beziehungen oder aber autorit&auml;r bestimmend eingreifen k&ouml;nnen, wobei sie nicht wissen, ob die Sch&uuml;ler(innen) dann auch lernen, fiel bei der Didaktik unter den Tisch. Mir schien das in der Didaktik aufscheinende Verst&auml;ndnis von Lernen und von Schule, in der Ausbildung und bei Disziplinierungsversuchen dargeboten von Lehrer(inne)n, die andere Lehrer(innen) kontrollierten, &auml;u&szlig;erst fragw&uuml;rdig zu sein. Ich wollte einen neuen Zugang finden.</p>
<p class="lit">Dabei fiel mir folgende Problematik auf. Lehrer(innen), die in die Schulbeh&ouml;rde wechseln, &uuml;bernehmen die dort vorhandene Verwaltungsmentalit&auml;t und denken nicht mehr als Lehrer(innen). Sie treffen aber in dieser Position Entscheidungen, die sich in der Regel unmittelbar auf den Arbeitsprozess der Lehrer(innen) in den Schulen auswirken und sie bei der Bew&auml;ltigung ihrer paradoxen Ausgangssituation, sich mit vielen Kindern oder Jugendlichen in einem Raum zu befinden und bei ihnen allen gleichzeitig innerhalb eines bestimmten Zeitraumes Lernprozesse zu initiieren, massiv beeinflussen. Wenn beispielsweise die Zahl der Sch&uuml;ler(innen) pro Lerngruppe in die H&ouml;he getrieben wird, weil eine zus&auml;tzliche Lerngruppe einzurichten von den Angeh&ouml;rigen der Schulbeh&ouml;rde nicht erlaubt wird, bedeutet dies, dass die Bew&auml;ltigung der Unterrichtssituation  f&uuml;r die Lehrer(innen) schwieriger wird. Der Grund liegt im Charakter des Unterrichts. Unterricht ist Interaktionsarbeit und wie jede Interaktion anf&auml;llig f&uuml;r St&ouml;rungen. W&auml;hrend der Interaktion der Lehrer(innen) mit einer Lerngruppe k&ouml;nnen immer wieder Missverst&auml;ndnisse auftreten, die erst mit sehr viel Geschick beseitigt werden m&uuml;ssen. Die paradoxe Situation, in einer Lerngruppe eigentlich mit allen Sch&uuml;ler(inne)n gleichzeitig interagieren zu m&uuml;ssen, kann nicht aufgel&ouml;st werden und deshalb kommt es zu diesen Missverst&auml;ndnissen. Eine Lerngruppe ist immer auch damit besch&auml;ftigt, ihre innere Struktur zu bestimmen, tendiert also zur Unaufmerksamkeit gegen&uuml;ber den Unterrichtsinhalten. In einer gr&ouml;&szlig;eren Lerngruppe wird die Zahl derjenigen Sch&uuml;ler(innen) gr&ouml;&szlig;er, die eine intensive soziale Betreuung durch die Lehrer(innen) ben&ouml;tigen und die somit deren Interaktionst&auml;tigkeit beanspruchen.  Dies hat zur Folge, dass die Vermittlung von Unterrichtsinhalten und das Erreichen von Unterrichtszielen bei allen Sch&uuml;ler(inne)n f&uuml;r die Lehrer(innen) nur noch schwer zu bewerkstelligen ist. Dazu kommt noch, dass die Rahmenbedingungen von Unterricht durch Gesetze und Verordnungen festgeschrieben sind, die individuelle L&ouml;sungen durch die Herstellung von pers&ouml;nlichen Beziehungen zu den Sch&uuml;ler(inne)n, die mehr Zeit erfordern w&uuml;rden,  konterkarieren bzw. nahezu unm&ouml;glich machen. Gesetze und Verordnungen sollen heutzutage der Vereinheitlichung des Bildungswesens dienen und allen Sch&uuml;ler(inne)n gleiche Ausgangspositionen verschaffen. Im Alltag werden sie jedoch schnell zu Machtinstrumenten, mit denen Politik umgesetzt werden soll. Wenn nun z.B.  in der Schulbeh&ouml;rde angeordnet wird, eine Klasse aufzul&ouml;sen oder gar nicht erst zu bilden, dann entsteht bei vielen Lehrer(inne)n das Gef&uuml;hl, dass nicht ihre Kreativit&auml;t, Eigeninitiative und L&ouml;sungskompetenz  erw&uuml;nscht sind, sondern Gehorsam und Anpassung in einer Hierarchie, deren unterstes Glied sie sind.</p>
<p class="lit">So entstand bei vielen Lehrer(inne)n der Eindruck, keinen Spielraum zu haben, wo eigentlich h&auml;tte Spielraum sein k&ouml;nnen. Mir schien damals – wie vielen meiner Kolleg(inn)en – der einzige Ausweg darin zu bestehen, die Ver&auml;nderung der Schule selbst in die Hand zu nehmen, Verb&uuml;ndete zu suchen und diesen Kreis immer weiter zu vergr&ouml;&szlig;ern. Dabei machten wir einige Erfahrungen, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Wir lernten, dass man Geduld haben muss. Wir lernten, dass man darauf achten muss, nicht in den gleichen Ton zu verfallen wie die Schulaufsichtsbeamten, die wir kannten. Wir lernten, dass Lehrer(innen), die sich mit H&auml;nden und F&uuml;&szlig;en gegen Ver&auml;nderungen sperren, einen Wandlungsprozess in eine &auml;hnliche Richtung wie die unsere durchmachen, wenn sie die Freiheit hatten, nur einen Teil dessen, was ver&auml;ndert werden sollte, umzusetzen. Wir lernten, dass jede(r) Lehrer(in) einen individuellen Zugang zu Sch&uuml;ler(inne)n hat, der nicht zu vereinheitlichen ist. Wir lernten, dass die in die Schulbeh&ouml;rde gewechselten Lehrer(innen) Schwierigkeiten hatten, diese komplizierten psychologischen Prozesse zu verstehen und dass sie ihnen in der Regel unwichtig waren. Ich pers&ouml;nlich lernte, dass Schule und Universit&auml;t zwei v&ouml;llig verschiedene soziale Welten sind und Erziehungswissenschaftler(innen) oftmals ein Idealbild von Schule pflegten, das sie mit leichter Hand entworfen hatten und von dem sie annahmen, dass es vern&uuml;nftig w&auml;re und seine Umsetzung somit gelingen m&uuml;sste. Vorstellbar war ihnen sogar, dass dieses Idealbild, das sie in einigen Reformschulen realisiert sahen, Lehrer(innen) von anderen Schulen davon &uuml;berzeugen w&uuml;rde, es genauso zu machen. Ich habe hinter die Kulissen dieser Reformschulen geschaut und festgestellt, dass die solcherart idealisierten Objekte einen erstaunlich hohen Grad an Normalit&auml;t aufwiesen und dass es in der Wissenschaft Glaubenss&auml;tze gibt, an denen man nicht r&uuml;tteln darf.</p>
<p class="lit">Inzwischen unterrichte ich wieder an der Comenius-Schule und bem&uuml;he mich darum, ein Forschungsprojekt &uuml;ber den Prozess der Einbeziehungen von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in den Unterricht der Schule in Gang zu setzen.</p>
<p class="lit"><b>Ein anderer Zugang zur Schulentwicklung</b></p>
<p class="lit">Meiner Meinung nach kann man Schule nicht einfach auf das "p&auml;dagogische Verh&auml;ltnis" von Lehrer(inne)n und Sch&uuml;ler(inne)n reduzieren. Das Festhalten am p&auml;dagogischen Verh&auml;ltnis bedeutet einerseits, dass man Verbindung zu den emanzipatorischen Inhalten der Aufkl&auml;rung h&auml;lt und dass man einen Begriff von "Bildung" zu konstruieren in der Lage ist. Andererseits wird dadurch m.E. der Blick auf die Vielzahl von sozialen Prozessen getr&uuml;bt, die in der Schule stattfinden. Ich habe mich nach langem Suchen und Unbehagen an der Enge und Verf&uuml;gbarkeit p&auml;dagogischer Ans&auml;tze f&uuml;r Kontrollabsichten &uuml;ber Lehrer(innen) und Sch&uuml;ler(innen) daf&uuml;r entschieden, Schule aus dem Blickwinkel der interpretativen Soziologie zu betrachten. Die Entscheidung f&uuml;r diesen Weg ist mir schon deswegen sehr leicht gefallen, weil ich Lernen als etwas ansehe, wor&uuml;ber jedes Individuum frei entscheiden kann.</p>
<p class="lit">Ich sehe heute immer dringlicher die Notwendigkeit, schulische Wandlungsprozesse zu untersuchen. Schulen sind in st&auml;ndiger Bewegung und entwickeln sich mit jeder Sch&uuml;ler(innen)- und Lehrer(innen)generation weiter. Sie sind in heutiger Zeit nur noch begrenzt beherrschbar. Zur Seite der Sch&uuml;ler(innen) hin – also zur Gesellschaft hin – sind sie weit offen, zur Seite der Lehrer(innen) hin werden sie an der kurzen Leine der staatlichen Schulaufsicht gehalten. Man muss, denke ich, Schule als einen Ort ansehen, wo im Kopf der jungen Menschen unsere Kultur immer wieder neu entsteht. Wo die Grundlagen f&uuml;r die staatliche Ordnung, die ja nichts anderes ist als eine Imagination, die kein materielles Gegenst&uuml;ck hat, gelegt werden. Wir, die Lehrer(innen), bestimmen dies mit. Wir wissen nur nicht viel davon, weil wir die Schule als Teil unserer Lebenswelt erleben. Wir sind damit besch&auml;ftigt, Abwehrschlachten gegen das Chaos zu schlagen. Sch&uuml;ler(innen) und Eltern erleben uns als Ordnungskr&auml;fte, die willk&uuml;rlich &uuml;ber k&uuml;nftiges Leben entscheiden und mit denen man sich gut stellen muss oder die man besser angreift, indem man ihre Position in Frage stellt.</p>
<p class="lit">Schule muss im Verst&auml;ndnis der sie Tragenden und auch von au&szlig;en wahrnehmbar eine demokratische Institution sein, die allen Menschen n&uuml;tzt. Davon ist sie zurzeit noch weit entfernt. Die Lehrer(innen) m&uuml;ssen selbst ihre professionellen Qualifikationen anbieten k&ouml;nnen. Dazu geh&ouml;rt neben der fachlichen Qualifikation und dem Wissen &uuml;ber die Phasen des Aufwachsens auch das Training des Interessenausgleichs. Lehrer(inne)n m&uuml;sste es offen stehen, sich st&auml;ndig weiterzuqualifizieren. Sie m&uuml;ssten immer wieder zur Universit&auml;t zur&uuml;ckkehren und in m&ouml;glicherweise neu entstehende Berufsbereiche wechseln k&ouml;nnen.</p>
<p class="lit"><b>Aufbau und Zweck der Untersuchung</b></p>
<p class="lit">Die vorliegende Untersuchung ist als qualitative Fallstudie angelegt und geht die Fragestellung nach der "Innenseite der Schulreform" von drei Seiten aus an. Es werden die Protokolle der Schulkonferenzen der Comenius-Schule &uuml;ber den Untersuchungszeitraum hinweg aufgearbeitet. Dabei werden Tendenzen zur Probleml&ouml;sung, aber auch gegenl&auml;ufige Bewegungen und ihr Einfluss auf das Beziehungsgef&uuml;ge der Lehrer(innen) erkennbar. Die Kompliziertheit von Wandlungsprozessen scheint auf. Als Gegenst&uuml;ck zu den Protokollen habe ich eine Vielzahl von teilstrukturierten narrativen Interviews mit Lehrer(inne)n und Schulleitungsmitgliedern der Comenius-Schule gef&uuml;hrt. In ihnen wird die individuelle Verarbeitung und Res&uuml;mierung des Wandlungsprozesses sichtbar. Den Schlusspunkt habe ich mit dem Mitschnitt einer Lehrer(innen)konferenz am Ende des Untersuchungszeitraumes gesetzt, in der die unterschiedlichen Erfahrungen und die somit entstandenen Sichtweisen aufeinander treffen. Es handelt sich um einen Konfliktfall, also um eine Regel&uuml;bertretung durch Sch&uuml;ler(innen)</p>
<p class="lit">Die Aufarbeitung des schulischen Wandlungsprozesses als L&auml;ngsschnittstudie basiert auf einer Unmenge an erhobenem Datenmaterial, an das ich als Akteur gewisserma&szlig;en nebenbei herangekommen bin. Ich m&ouml;chte, dass dieses Material nicht einfach wieder verschwindet, indem es als Foliant in einem B&uuml;cherregal verstaubt, ich m&ouml;chte vielmehr, dass mit ihm weiter gearbeitet werden kann. Deshalb m&ouml;chte ich es allen an Schulentwicklungsforschung Interessierten &uuml;ber das Internet zur Verf&uuml;gung stellen. Vielleicht gelingt es mir, auf diese Weise einen zwischen Wissenschaft und Praxis vermittelnden Diskurs in Gang zu setzen.</p>
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<p class="zit">© 2004 <a href="http://www.qualitative-forschung.de/publikationen/schulreform/" target="_blank">http://www.qualitative-forschung.de/publikationen/schulreform/</a>, Status: 29.6.2004</p>

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